Unmut über neue SRG-Geschäftsleitung «Susanne Wille rekrutiert schlimmer als jeder Mann»

Stefan Michel

13.3.2026

Susanne Wille stellt die neuen Geschäftsleitungsmitglieder der SRG vor. Frauen sind keine darunter. In der Mitte der neue SRF-Direktor Roger Elsener und VR-Präsident Jean-Michel Cina.
Susanne Wille stellt die neuen Geschäftsleitungsmitglieder der SRG vor. Frauen sind keine darunter. In der Mitte der neue SRF-Direktor Roger Elsener und VR-Präsident Jean-Michel Cina.
Bild: Keystone

Die SRG wollte mit ihrer neuen Führungscrew Erneuerung demonstrieren – und löste eine Debatte über Gleichstellung aus. Dass unter Susanne Wille keine Frau in die Geschäftsleitung nachrückt, wird intern heftig kritisiert.

Stefan Michel

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die SRG besetzt ihre Geschäftsleitung neu. Doch alle drei neuen Direktionsmitglieder sind Männer, während die einzige Frau neben Generaldirektorin Susanne Wille die GL verlässt. 
  • Laut Mitarbeitenden von SRF sorgte dies intern für Irritation und Empörung, besonders weil SRG-Chefin Susanne Wille gleichzeitig betonte, Frauenförderung müsse stärker auf unteren Führungsebenen erfolgen.
  • Kritik gibt es auch an der Darstellung eines Frauenanteils von 25 Prozent in der Geschäftsleitung, da dieser nur erreicht wird, wenn  Funktionen wie HR und Kommunikation mitgezählt werden, die formal nur zur erweiterten GL gehören.

Das Korkenknallen ist bei der SRG nach der abgeschmetterten Halbierungsinitiative verhallt. Eine weitere positive Botschaft wollte Generaldirektorin Susanne Wille mit der Neubesetzung der Geschäftsleitung überbringen.

Diese kam aber nicht bei allen gut an. Der Grund: Alle drei neuen Direktionsmitglieder sind Männer. Die einzige Frau neben Wille, Swissinfo-Chefin Larissa Bieler, scheidet per Ende März 2026 aus der SRG-Geschäftsleitung aus. «Swissinfo wird in der heutigen Form integriert und nicht mehr als eigene organisatorische (Unternehmens-)Einheit geführt und deshalb auch nicht in der GL vertreten sein», erklärt die Medienstelle der SRG.

verlässt die SRG per Ende März. Damit sind ausser der Generaldirektorin nur Männer in der GL.

Die SRF-Angestellten konnten online an der Präsentation der neuen Direktoren dabei sein. Eine Person, die dies tat, beschreibt gegenüber blue News: «Die Reaktion in der Belegschaft war eine Mischung aus irritiert, erstaunt und empört.» Eine andere Person bestätigt dies und fügt als Reaktion «aufgelöst» hinzu.

Vor allem in den unteren Leitungsfunktionen sei man verärgert, so die erste Quelle weiter. Man trage in einer Leitungsfunktion Verantwortung, Frauen zu fördern – das würde auch von oben ganz klar so kommuniziert und eingefordert. «Und die oberste Chefin besetzt alle Stellen mit Männern!»

«Frauen auf tieferer Stufe fördern»

Während des Calls, zu dem sämtliche Angestellten der SRG eingeladen waren, hätten nur per E-Mail Fragen gestellt werden können. Eine Diskussion war so nicht möglich. Nur einmal nahm Susanne Wille das Thema auf. Ihre Antwort hob die Stimmung nicht: «Man hat die Besten eingestellt.» Man müsse nun halt auf den unteren Hierarchiestufen vermehrt Frauen fördern, habe Wille angefügt.

Die Quelle gehört selber zu den Empörten: «So nach dem Motto: Jetzt müsst ihr [die unteren Leitungsstufen] euch halt um die Frauenförderung kümmern! Und sie besetzt währenddessen alle Stellen mit Männern.»

Weil die Mitarbeitenden im Call nicht direkt intervenieren konnten, sei die Diskussion danach auf den Gängen umso intensiver gewesen. «Der Tenor war: Jetzt haben wir eine Frau an der Spitze – und sie rekrutiert schlimmer als jeder Mann.»

Weiteren Unmut erntete Generaldirektorin Wille mit der Aussage, der Frauenanteil in der Geschäftsleitung betrage 25 Prozent. Das stimmt aber nur, wenn man die HR- und die Kommunikationsverantwortliche dazuzähle, die Mitglieder der erweiterten GL sind.

Rechenspiele für einen hohen Frauenanteil

Die Reaktion unter Mitarbeitenden bei den Gesprächen nach dem Call: Das sei wieder typisch, die Frauen zähle man dann dazu, wenn man sie aus Imagegründen – für den Frauenanteil – brauchen könne. Teil der Geschäftsleitung seien sie trotzdem nicht. Zudem seien sie «völlig klischeemässig für die soften Themen wie HR und Kommunikation zuständig». Für alle weiteren Aufgaben bei der SRG engagiere man Männer.

Die Medienstelle der SRG wiederholt auf Anfrage von blue News den Frauenanteil von 25 Prozent. «Das ist das Minimum, und wir haben ganz klar noch einen Weg vor uns. Wir werden auf der Führungsebene unterhalb der Geschäftsleitung weitere, starke Profile aufbauen, die wir zum gegebenen Zeitpunkt in die Geschäftsleitung holen können.»

Die Medienstelle bestätigt auf Nachfrage, dass die Verantwortlichen HR und Integrierte Kommunikation und Public Affairs weiterhin Teil der erweiterten GL sind. Diese seien Leiterinnen, während die Chefs von SRF, RSI und RTR sowie der Bereiche Angebot, Operationen und Finanzen Direktoren seien. 

Doch die SRG gelobt Besserung: «Die Geschäftsleitung wird in Veränderung bleiben, es wird weitere Besetzungen in der SRG-Geschäftsleitung geben. Die nächste steht mit der Nachfolge der RTR Direktion bereits an.» Die neue Person an der Spitze des Rätoromanischen Radios und Fernsehens wird damit leben müssen, dass zuerst geschaut wird, welchem Geschlecht sie angehört.


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