Swiss beendet Partnerschaft mit Glarner Chocolatier Läderach

dor

30.1.2020 - 10:48

Läderach-CEO Johannes Läderach im Läderach-Shop in Glarus. (Archiv)
BIld: Keystone

Die Swiss beendet die langjährige Zusammenarbeit mit dem Schokoladenhersteller Läderach. Dessen Chef Jürg Läderach hat mit seinem Engagement gegen Homosexuelle und Abtreibung Schlagzeilen gemacht.

Die Swiss hat die Zusammenarbeit mit dem Glarner Schokoladenhersteller Läderach beendet. Nach zehn Jahren wird es ab Mitte April keine Läderach-Produkte mehr an Bord der Swiss-Maschinen geben, berichtet der «Beobachter».

Grund seien die Negativschlagzeilen, die Läderach-Inhaber und -Verwaltungsratspräsident Jürg Läderach generiere. Die Swiss habe Bedenken wegen der negativen Berichterstattung, zitiert das Magazin den Läderach-Marketingchef Patrick Th. Onken.

Offenbar führten Schlagzeilen wie «Der Schoggi-König kämpft gegen Abtreibung und Homosexuelle» für die Fluggesellschaft zu der Entscheidung. Beim Kabinenpersonal der Swiss arbeiten wie bei zahlreichen Airlines viele Frauen und Homosexuelle.

Der «Tages-Anzeiger» hatte im vergangenen September unter dem Titel über das seit Jahrzehnten andauernde Engagement gegen Abtreibung, Homosexuelle und für «christliche Werte des Inhabers und Verwaltungsratspräsidents der Läderach AG berichtet. Der Artikel führte zu weiteren Berichten über sowie Protest- und Boykottaufrufen gegen den Schokoladenhersteller. Der Läderach-Inhaber Jürg Läderach sei das «prominenteste Mitglied» im Vorstand des Vereins «Marsch fürs Läbe», schrieb der «Tages-Anzeiger».

Zusammenarbeit bereits im November beendet

Der Verein organisierte vergangenen Herbst den Marsch durch Zürich, um gegen das «systematische Eliminieren von behindertem Leben» zu demonstrieren. Seit 25 Jahren kämpfe Jürg Läderach gegen den «moralischen Niedergang weltweit» und für die «Erhaltung christlicher Werte in Politik und Gesellschaft». Das sei das Ziel der Organisation «Christians for Truth» (CFT), der der Läderach-Verwaltungsratspräsident seit 1994 präsidiere.

Der Verein, der sich seit kurzem «Christianity for Today» nennt, ist Mitbegründer des «Marsch fürs Läbe». Jürg Läderach vertrete dort zusammen mit dem Leiter Einkauf bei Läderach, Walter Mannhart, den Verein CFT, der gegen assistierten Suizid, vor- und ausserehelichen Verkehr, Pornografie oder «Harry Potter» Stellung beziehe. Jürg Läderach präsidiert auch die in Zürich domizilierte Handelskammer Deutschland-Schweiz.

Die Swiss beendete die Zusammenarbeit mit dem Glarner Schoggihersteller laut «Beobachter» bereits im vergangenen November. Einzelnen Passagieren würde bis April als «Zeichen der Aufmerksamkeit» noch eine kleine Schachtel Pralinés von Läderach überreicht.

«Rückmeldungen von Kunden und Mitarbeitern»

Die Swiss wolle nicht im Detail zu den Gründen für das Aus der Partnerschaft Stellung nehmen. «Grundsätzlich sind für die Auswahl eines Lieferanten die Qualität, verschiedene wirtschaftliche Aspekte sowie der Markenfit ausschlaggebend», zitiert das Magazin die Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott. Die Fluggesellschaft überprüfe das Produktportfolio regelmässig, das sei gängige Geschäftspraxis. Fuhlrott habe aber bestätigt, dass es wegen der Medienberichte Rückmeldungen von Kunden und Mitarbeitern gegeben habe.

Das 1962 in Ennenda Glarus gegründete Unternehmen, das laut «Beobachter» über 1'000 Mitarbeitende in 14 Ländern beschäftigt, bedauere das Ende der Zusammenarbeit. Weder Läderach-CEO Johannes Läderach noch sonst jemand in der Familie oder im Betrieb sei homophob oder frauenfeindlich, soll das Unternehmen mitgeteilt haben.

Der «Tages-Anzeiger» schrieb allerdings im vergangenen September, dass Johannes Läderach, der 2018 seinen Vater Jürg als CEO der Läderach AG ablöste, etwa im vierteljährlich erscheinenden Bulletin von CFT «gegen den Verfall der Moral anschreibe». Er sitzt wie sein Vater im Vorstand des Vereins «Christianity for today».

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