«Täter nehmen Unfälle in Kauf» Schweiz soll PS-Monster für Junglenker verbieten

Dominik Müller

17.10.2025

Im September kamen bei einem Unfall in Glattbrugg ZH zwei Personen ums Leben. Der 19-jährige Fahrer wurde verhaftet.
Im September kamen bei einem Unfall in Glattbrugg ZH zwei Personen ums Leben. Der 19-jährige Fahrer wurde verhaftet.
Bild: BRK News

Raserunfälle mit jungen Fahrern nehmen in der Schweiz zu. RoadCross fordert nun eine gesetzliche PS-Grenze. Auf Anfrage von blue News legt die Stiftung ihre Argumente dar.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Glattbrugg ZH erfasste ein 19-jähriger Junglenker mit einem 450-PS-BMW zwei Personen tödlich.
  • Die Stiftung RoadCross Schweiz fordert nun eine gesetzliche Leistungsbeschränkung für junge Fahrer.
  • Trotz früherem Widerstand im Parlament zeigt sich laut RoadCross inzwischen ein politisches Umdenken.

In Glattbrugg ZH verlor im September ein 19-Jähriger die Kontrolle über sein Auto und erfasste mit seinem 450-PS-BMW zwei Personen. Der 29-jährige Mann und die 70-jährige Frau wurden mehrere Meter mitgeschleift und erlagen daraufhin ihren Verletzungen.

Die Stiftung für Verkehrssicherheit Roadcross Schweiz fordert Konsequenzen: In der Schweiz soll eine gesetzliche Leistungsbeschränkung für Junglenker eingeführt werden. Junge Fahrerinnen und Fahrer sollen künftig keine hochmotorisierten Autos mehr lenken dürfen.

«Seit der Corona-Pandemie hat die Zahl der Raserunfälle deutlich zugenommen», sagt ein Sprecher von RoadCross auf Anfrage von blue News. «Im Kanton Zürich kommt es mittlerweile alle sechs Tage zu einem solchen Unfall – oft mit Schwerverletzten oder Toten.»

«Häufig junge Männer am Steuer»

Schweizweit sei derselbe Trend zu beobachten: «Raserdelikte nehmen zu und besonders häufig sind junge, unerfahrene Männer am Steuer von sehr leistungsstarken Fahrzeugen involviert», so der Sprecher. Besonders häufig seien junge Männer zwischen 20 und 24 Jahren beteiligt.

Die Stiftung schlägt deshalb vor, die erlaubte Leistung an das Fahrzeuggewicht zu koppeln. «Ein schweres Fahrzeug dürfte mit mehr Kilowatt unterwegs sein, ein leichteres Fahrzeug nur mit weniger. Dies würde ermöglichen, übermotorisierte Fahrzeuge für Junglenkende auszuschliessen, ohne ihren Alltag einzuschränken», heisst es von RoadCross. Betroffen wären nur Hochleistungsboliden – nicht aber Familien- oder Arbeitsfahrzeuge.

Bewegung im Parlament

2022 scheiterte eine PS-Beschränkung bereits einmal im Parlament. Damals versenkte der Nationalrat einen Vorstoss von Gabriela Suter (SP) deutlich. Auch der Bundesrat hatte sich dagegen ausgesprochen.

Der 19-jährige Unfallfahrer von Glattbrugg ZH war mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
Der 19-jährige Unfallfahrer von Glattbrugg ZH war mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs.
BRK News

«Die Beschränkung nach PS war möglicherweise ein Grund, weshalb frühere Ansätze scheiterten», erklärt RoadCross. Damals habe man befürchtet, die Einschränkungen für Junglenkende im Alltag und im Beruf könnten zu weit gehen. Inzwischen habe sich jedoch die Situation verändert: «Eine Beschränkung nach Leistungsgewicht hätte auf den Berufsalltag bedeutend geringeren Einfluss.» Zudem führe die steigende Anzahl Raserdelikte zu einem Umdenken in der Politik.

Um dem Anliegen in der Politik Gehör zu verschaffen, stehe RoadCross seit einiger Zeit im Austausch mit verschiedenen Parlamentarier*innen. «Dies zeigte in der vergangenen Herbstsession Wirkung.» Mehrere politische Vorstösse, die darauf abzielen, die Zahl der Verkehrsunfälle und Opfer weiter zu senken, wurden eingereicht.

«Täter nehmen Unfälle in Kauf»

Über eine mögliche Leistungsbeschränkung wurde am 25. September auch in der SRF-Polit-Sendung «FORUM» diskutiert. Benedikt Schmid, Präsident der Jungen Mitte, sprach sich für Anpassungen in der Fahrausbildung aus. Das Problem sei nie das Fahrzeug, sondern immer der Lenker.

«Freiheit endet dort, wo das Leben anderer gefährdet wird»

Stiftung RoadCross

RoadCross entgegnet auf diese Kritik: «Gerade weil die Fahrer das Problem sind, ist unsere Meinung, dass eine gesetzliche Beschränkung notwendig ist. Die Täter kennen ihre Autos und nehmen die Unfälle auf der Suche nach ihrem eigenen Spass in Kauf.» Deshalb würden Sicherheitssysteme, welche Unfälle oftmals verhindern würden, bewusst ausgeschaltet.

«Wir unterstützen ergänzende Anpassungen in der Ausbildung», heisst es von RoadCross. «Aber der grösste Hebel liegt für uns in einem Gesetz, welches den Zugang zu solchen Autos verhindert.»

Italien kenn bereits Regelung

Die Stiftung betont, es gehe nicht um Freiheitsentzug, sondern um Schutz. «Freiheit endet dort, wo das Leben anderer gefährdet wird. Ein unerfahrener Junglenker in einem 500-PS-Auto ist kein Ausdruck von Freiheit, sondern ein Risiko», so RoadCross.

Andere Länder wie Italien kennen längst Leistungsgrenzen für Neulenker. RoadCross verweist zudem auf den Erfolg der Alkohol-Nulltoleranz für Fahranfänger, die 2014 eingeführt wurde – seither hat sich die Zahl der Alkoholunfälle in dieser Altersklasse halbiert.


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