Doris Leuthard vergiesst bei ihrem Abschied vom Bundesrat Tränen

27.9.2018 - 10:25, (sda)/gusi/tjb

Leuthard: «Ich habe mich nie verbogen»
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Leuthard: «Ich habe mich nie verbogen»

Die scheidende Bundesrätin im Interview nach der Rücktrittsankündigung vom Donnerstag.

27.09.2018

Nur zwei Tage nach dem Abgang von Johann Schneider-Ammann tritt auch CVP-Bundesrätin Doris Leuthard zurück. Sie lässt im Nationalrat ihr Rücktrittsschreiben verlesen.

Ganz überraschend kam die Ankündigung nicht: Am Donnerstagvormittag hat Nationalratspräsident Dominique De Buman das Rücktrittsschreiben von Bundesrätin Doris Leuthard verlesen. Der Schritt war erwartet worden, nachdem am Dienstag bereits Leuthards Amtskollege Johann Schneider-Ammann sein Ausscheiden aus der Landesregierung bekanntgegeben hatte.

Auch Doris Leuthard räumt ihren Sitz im Bundesrat – und freut sich auf das Leben danach.
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Das Leben danach

Kurz darauf nahm Doris Leuthard in einer Medienkonferenz Stellung zu ihrem Rücktritt. Die sichtlich bewegte Magistratin vergoss bei ihrer Ansprache im Medienzentrum des Bundes auch die eine oder andere Träne.

«Es gibt ein Leben nach dem Bundesrat», sagte die abtretende Bundesrätin in Bern vor den Bundesratsmedien. Sie habe schon vor einiger Zeit entschieden, Ende Jahr zu gehen und dies im Herbst anzukündigen.

Sie habe bei sich nach zwölf Jahren im Amt eine gewisse Amtsmüdigkeit  festgestellt, vor allem wenn gewisse Themen immer wieder aufkämen, wie sie sagte. Ihr Amt habe sie als Dienst an der Gesellschaft und am Land verstanden – und es gern ausgeführt.

Die Arbeit im Bundesrat habe sich in ihren zwölf Amtsjahren verändert, sagte Leuthard. «Die Schweiz steht sehr gut da, ist aber zugleich verletzlicher geworden.» Das Umfeld bestimme die Position und auch die Interessen der Schweiz mehr mit. «Alles selbst bestimmen und steuern zu können, ist ein Trugschluss.»

Leuthard auf dem Weg zur Medienkonferenz
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Leuthard auf dem Weg zur Medienkonferenz

Am Donnerstagvormittag hat Nationalratspräsident Dominique De Buman das Rücktrittsschreiben von Bundesrätin Doris Leuthard verlesen. Kurz darauf machte sich die UVEK-Vorsteherin auf den Weg zur Medienkonferenz, auf der sie ihre Gründe darlegte.

27.09.2018

Mehr als zwölf Jahre im Amt

Sie freut sich nun auf das Leben danach, eine Zeit, «in der ich zum Beispiel nicht jede Woche zweimal den Koffer packen muss». Und auch auf mehr Zeit mit ihrem Mann und mit ihrer Familie, die in den Bundesratsjahren zu kurz gekommen seien, sagte Leuthard sichtlich gerührt.

Leuthard war am 14. Juni 2006 in den Bundesrat gewählt worden, als Nachfolgerin von Joseph Deiss. Zuvor hatte sie die Parteileitung innegehabt und der CVP ein neues Image verliehen.

In der Landesregierung sass Leuthard, die im Frühjahr 55 Jahre alt wurde, über zwölf Jahre lang. Zunächst amtete sie als Wirtschaftsministerin, ab Herbst 2010 stand sie dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) vor. Zu ihren wichtigsten Geschäften gehörte die Energiestrategie.

In den vergangenen Jahren war Leuthard das amtsälteste Regierungsmitglied. Dass die laufende Legislatur ihre letzte sein würde, stand schon länger fest. Leuthard hatte vergangenes Jahr angekündigt, spätestens im Herbst 2019 zurückzutreten.

Damit stellt sich für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann eine neue Herausgangslage, da zuerst die Nachfolge Leuthards bestimmt werden wird.

Für elf Uhr hat die Bundesrätin eine Pressekonferenz angekündigt. Dann wird Doris Leuthard über ihren Rücktritt sprechen. «Bluewin» zeigt die Medienkonferenz im Livestream.

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