Nationalrat hat entschieden

Kommission soll bei Nazi-Raubkunst genau hinschauen

sda, amo

11.5.2022 - 15:07

Werke aus der Sammlung Emil Buehrle, fotografiert am Freitag, 1. Oktober 2021 im Erweiterungsbau des Kunsthaus Zuerich. Der Bau des Architekten David Chipperfield eroeffnet am 09. Oktober 2021. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Werke aus der Sammlung Emil Bührle, fotografiert am Freitag, 1. Oktober 2021 im Erweiterungsbau des Kunsthaus Zürich.
KEYSTONE/Christian Beutler

Beim Finden einer Lösung von Fällen von Kulturgütern, die Nationalsozialisten an sich genommen haben, soll eine unabhängige Kommission mithelfen. So will es der Nationalrat.

sda, amo

11.5.2022 - 15:07

Die Schweiz soll eine unabhängige Kommission für den Umgang mit NS-Raubkunst bilden. Das fordert Nationalrat Jon Pult (SP/GR) in seiner Motion. Der Nationalrat stimmte dieser Forderung am Mittwoch oppositionslos zu. 34 weitere Mitglieder aller Fraktionen hatten den Vorstoss mit unterzeichnet.

Die Kommission soll Empfehlungen abgeben für «gerechte und faire Lösungen», wie Pult ausführte. Zwischen Raubkunst und Fluchtkunst dürfe nicht mehr unterschieden werden. Der Bundesrat soll zudem prüfen, ob das Gremium auch bei Kulturgütern mit anderer Herkunft – namentlich aus kolonisierten Gebieten – Empfehlungen machen soll.

Die Vorfälle um die Sammlung Emil Bührle im Zürcher Kunsthaus hätten gezeigt, dass es in der Schweiz bessere Instrumente brauche im Zusammenhang mit NS-Raubkunst, begründete Pult die Motion. Auch in anderen Ländern gebe es solche Kommissionen, etwa in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden und Österreich.

Der Bundesrat erklärte sich zwar bereit, die Kommission einzusetzen. Die in der Motion ebenfalls verlangten Rahmenbedingungen – etwa zur Zusammensetzung oder zur Tätigkeit des Gremiums – lehnte er aber ab. Es brauche Handlungsspielraum, sagte Kulturminister Alain Berset dazu. Der Nationalrat hiess diese Teile der Motion mit 92 zu 90 Stimmen und bei vier Enthaltungen ebenfalls gut.

Stillschweigend gutgeheissen hat der Nationalrat am Mittwoch eine zweite Motion seiner Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N), mit der auch der Bundesrat einverstanden ist. Diese fordert den Aufbau einer wissenschaftlichen Prinzipien basierenden Plattform für die Provenienzforschung für Kulturgüter.

Vom Bund bei der Provenienzforschung unterstützte Museen sollen ihre Erkenntnisse auf der Plattform veröffentlichen müssen. Andere Museen – inländische und ausländische – können dies tun.

Beide Motionen gehen an den Ständerat.

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