Grossaufgebot im Einsatz Polizei löst Anti-WEF-Demonstration in Bern auf

SDA

17.1.2026 - 21:41

Die Polizei hat eine unbewilligte Anti-WEF-Demonstration in Bern aufgelöst. Aus Sorge vor neuen Ausschreitungen war ein massives Polizeiaufgebot vor Ort.

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Keystone-SDA, Redaktion blue News

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  • In Bern haben sich Hunderte zu zwei Anti-WEF-Demonstrationen versammelt.
  • Aus Sorge vor neuen Ausschreitungen war die Polizei mit einem Grossaufgebot vor Ort.
  • Eine der Versammlungen war unbewilligt, wurde jedoch von der Polizei toleriert – ein Umzug durch die Innenstadt jedoch nicht.

Dieser Artikel wurde zuletzt um 21.41 Uhr umfassend aktualisiert.

Die Polizei hat am Samstagnachmittag eine unbewilligte Anti-WEF-Demonstration in Bern am Besammlungspunkt auf dem Bahnhofplatz eingekesselt. Einige Dutzend Demonstrierende standen einem massiven Polizeiaufgebot gegenüber.

Einsatzkräfte in Vollmontur sperrten den Bahnhofplatz während rund zwei Stunden weiträumig ab. Der Verkehr war eingeschränkt, zeitweise auch der Zugang zum Bahnhof. Im Kessel kam es immer wieder zu Unruhen.

Die Kontrolle der Eingekesselten dauerte bis rund 20:00 Uhr. Die Polizei hatte ihnen mobile Toiletten und Verpflegung zur Verfügung gestellt, wie sie auf X mitteilte. 25 Personen seien unter anderem wegen Verdachts auf Hinderung an Amtshandlungen und Gewalt und Drohung gegen Beamte auf den Polizeiposten gebracht worden, teilte die Polizei am Abend in einem Communiqué mit.

200 Personen weggewiesen

Aufgrund der Unruhen während der Personenkontrollen habe die Polizei einmal kurzzeitig Pfefferspray eingesetzt. Sieben Beamte seien mit Lasern geblendet worden, drei mussten zur Kontrolle ins Spital. Während des gesamten Einsatzes seien rund 200 Personen kontrolliert und weggewiesen worden. Hinter der Polizeisperre solidarisierten sich zahlreiche Menschen mit den Demonstrierenden.

Hintergrund des Einsatzes war eine unbewilligte Kundgebung gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF). Linke und linksautonome sowie pro-palästinensische Gruppierungen hatten dazu aufgerufen. Dem Aufruf folgten wenige hundert vorwiegend junge Personen, die sich im Verlaufe der Kundgebung teilweise zurückzogen.

Polizei stellte Ultimatum

Vor der Einkesselung hatte die Polizei via Lautsprecher darauf hingewiesen, dass eine friedliche Platzkundgebung toleriert werde – nicht aber ein Umzug. Die Demonstrierenden reagierten mit Buhrufen. Daraufhin zogen teilweise vermummte Demonstrierende Runden über den Bahnhofplatz. Schliesslich forderte die Polizei die Teilnehmenden auf, den Platz zu verlassen, ehe sie die Verbliebenen einkesselte.

In der gesamten Innenstadt waren Polizistinnen und Polizisten aus zahlreichen Kantonen präsent. Auch ein Wasserwerfer war vor Ort, kam aber nicht zum Einsatz. Der Bundesplatz war abgesperrt und vor dem Bundeshaus standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge.

Stadt riet von Teilnahme ab

Die Stadt Bern hatte im Vorfeld von einer Teilnahme an der Kundgebung abgeraten. Das grosse Polizeiaufgebot war angekündigt worden. Dies mit Verweis auf «vergangene ähnlich gelagerte Kundgebungen» und eine zeitgleich stattfindende, bewilligte Demonstration vor der iranischen Botschaft. Diese verlief friedlich.

Erst vor gut drei Monaten war in der Stadt Bern eine Kundgebung aus dem Ruder gelaufen. An der denkwürdigen Gaza-Demonstration vom 11. Oktober entstand Sachschaden im hohen sechsstelligen Bereich, es wurden Einsatzkräfte und Demonstrierende verletzt.

Die Stadtregierung veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht zur politischen Aufarbeitung dieser Geschehnisse und verteidigte darin ihre Vorgehensweise. Sie hält es demnach weiterhin für richtig, dass sie die unbewilligte Demonstration nicht im Keim hatte ersticken lassen.