Unerschütterlich – wie die Surselva gegen den Schnee kämpft

Nicolai Morawitz

14.1.2019

Hier kommt keiner durch: Die Strasse von Sumvitg nach Disentis war den ganzen Montag gesperrt.
Bluewin/mn

In der Schweiz türmt sich der Schnee immer höher. Disentis in der Surselva war am Montag sogar von der Aussenwelt abgeschnitten. «Bluewin» hat vor Ort mit den Menschen gesprochen – sie gehen mit solchen Situationen ziemlich gelassen um.

Sumvitg ist wie in Watte gehüllt – die aufgeschütteten Schneemauern schlucken jeden Lärm. Im Gemeindepräsidium dagegen singt die Bohrmaschine an diesem Montag ihr schrilles Lied. Die Handwerker haben trotz des starken Schneefalls vom Wochenende ihren Weg zur Arbeit gefunden.

Gemeindepräsident Armin Candinas nimmt das laute Brummen aus dem oberen Stockwerk mit stoischer Gelassenheit hin. Ein ähnliches Verhältnis hat er auch zum Schnee. Den hat es in der Gemeinde mit 1'200 Einwohnern schon immer reichlich gegeben. Ein Strassenunterbruch nach Disentis kann den 67-Jährigen da nicht aus der Reserve locken:

Candinas frischt seine Erinnerung mit einem Blick ins Gemeindearchiv auf: Er spricht über den Lawinenwinter 1999 oder das Jahr 1984, als eine Kapelle aus dem 13. Jahrhundert durch eine Lawine zerstört wurde und 20 Hektar Wald den Schneemassen zum Opfer fielen.

Ist seit fünf Jahren Gemeindepräsident: Armin Candinas.
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Während Autos und Züge in Sumvitg weitgehend stillstehen zu Wochenbeginn, fahren einige Gemeindebewohner Schneefräsen durch die Gassen. Vor allem von Samstag auf Sonntag habe es viel geschneit, sagt ein 50-jähriger Bauschreiner, der an diesem Tag eigentlich in Disentis hätte arbeiten sollen. Doch die Kantonsstrasse kann er nicht benutzen – und so bleibt er zuhause und schippt ausdauernd Schnee.

Eine Bewohnerin im Räumeinsatz.
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In Sumvitg galt am Montag wie auch in grossen anderen Teilen der Schweizer Alpen die zweithöchste Lawinengefahrenstufe. Nicht nur die Strasse nach Disentis war unterbrochen, sondern auch jene nach Sogn Benedetg.

Auch der Weg zur Kapelle Sogn Benedetg blieb versperrt: Sie wurde 1984 durch eine Lawine zerstört.
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Auf der Kantonsstrasse in der Ortsmitte sorgten zwei Einsatzkräfte der Feuerwehr dafür, dass niemand versuchte, die Absperrung zu durchbrechen. Teilweise war das Schneetreiben so dicht, dass der Schlagbaum nur noch zu erahnen war. Die Nachbargemeinde Disentis schien wie hinter einer grossen weissen Wand vom Rest des Tals abgeschirmt.

Am Abend bekamen sie dann vom Tiefbauamt Graubündens grünes Licht: Die Lawinengefahr ist vorerst gebannt – und ab 18 Uhr darf der Verkehr auf der Kantonsstrasse wieder rollen.

Nicht ums Löschen, sondern um die Schneemassen kümmerten sich diese Feuerwehrleute.
Bluewin/mn

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