Karriere mit Schattenseite Unispital-Arzt arbeitet 17 Jahre ohne Pause – dann stirbt er

Sven Ziegler

27.2.2026

Urs Schwarz verstarb nach 17 Jahren ohne Pause.
Urs Schwarz verstarb nach 17 Jahren ohne Pause.
USZ News

Er war hoch angesehen, immer erreichbar, eine Institution am Unispital Zürich. Doch Urs Schwarz machte nie Halt – nicht für sich, nicht für seine Familie, nicht für seine Gesundheit. Nach 17 Jahren ohne Ferien brach er zusammen. Drei Jahre später war er tot. 

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Urs Schwarz arbeitete am Unispital Zürich über 17 Jahre ohne einen einzigen Ferientag und war praktisch rund um die Uhr im Einsatz.
  • 2018 erlitt er einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch im Spital, an dessen Folgen er drei Jahre später starb.
  • Gegen seinen Vorgesetzten wurde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, das Verfahren wurde jedoch eingestellt.

Am Ende war sein Körper am Limit. Schmerzen, Erschöpfung, starke Medikamente. Und trotzdem hörte Urs Schwarz nicht auf.

Der Neurologe galt am Universitätsspital Zürich als Ausnahmearzt. Fachlich brillant, technisch versiert, in der ganzen Klinik vernetzt. Wenn irgendwo neurologischer Rat gebraucht wurde, rief man ihn an.

Für Schwarz wurde das zur Dauerbelastung. Ab 2001 nahm er keinen einzigen Ferientag mehr, wie der «Tages-Anzeiger» recherchiert hat. Siebzehn Jahre lang arbeitete er durch – Wochenenden, Feiertage, Nächte. Insgesamt über 5500 Tage ohne Unterbruch.

Karriere mit Schattenseite

Vorgesetzte lobten ihn als überdurchschnittlich, belastbar, jederzeit einsatzbereit. Verantwortung kam dazu, Funktionen erweiterten sich, Lehrtätigkeit an der Universität, Forschung, Konsiliardienst im Spital.

Zu Hause jedoch verschob sich das Gleichgewicht. Seine Frau beschreibt im «Tages-Anzeiger», wie sie das Familienleben praktisch allein organisierte. Die Töchter sahen ihren Vater oft nur spätabends. 

Er habe schlecht Nein sagen können, sagen Angehörige. Er fühlte sich verantwortlich – für Patientinnen und Patienten, für das Spital, für seine Aufgaben. Und offenbar auch unersetzlich.

Warnzeichen – und keine Bremse

Mit den Jahren wurden die körperlichen Folgen sichtbarer. Schmerzen, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen. Trotzdem behandelte er sich teils selbst, griff zu starken Schmerzmitteln. Arztbesuche mied er.

Seine Töchter warnten ihn. «Dad, du wirst sterben, wenn du so weitermachst», sagten sie laut Recherchen des «Tages-Anzeigers».

2016 hatte Schwarz hunderte Ferientage angesammelt. Ein Grossteil verfiel. Statt Entlastung wuchs die Sorge im Umfeld. Intern wurde über Massnahmen diskutiert.

Schliesslich wurde er zu 60 Prozent arbeitsunfähig erklärt. 40 Prozent durfte er weiterarbeiten – ohne Patientenkontakt. Für ihn ein persönlicher Tiefpunkt. 2018 bricht er an seinem Arbeitsplatz zusammen. Am 2. Juni 2021 starb Urs Schwarz im Alter von 64 Jahren.

Der Tod und die juristische Aufarbeitung

Seine Töchter reichten Strafanzeige gegen einen Klinikverantwortlichen ein – wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft untersuchte den Fall.

Ende 2024 wurde das Verfahren eingestellt. Die Begründung: Schwarz habe Hilfsangebote ausgeschlagen und sich selbst keiner medizinischen Behandlung unterzogen. Strafrechtlich sei dem Arbeitgeber kein Fehlverhalten nachzuweisen.

In Japan gibt es für solche Fälle ein Wort: Karoshi – Tod durch Überarbeitung. Ob Urs Schwarz als erster dokumentierter «Karoshi-Fall» der Schweiz gilt, ist juristisch offen.