Bundesrat hat informiertZoll-Deal steht – aber jetzt wartet «Fleiss, Fleiss, Fleiss»
Noemi Hüsser
14.11.2025
Nach Monaten heftiger Spannungen im Zollstreit haben die Schweiz und die USA überraschend einen Durchbruch erzielt. Mit einem neuen 15-Prozent-Zollsatz, milliardenschweren Investitionszusagen und weitreichenden Zugeständnissen der Wirtschaft.
Im monatelangen Zollstreit zwischen der Schweiz und den USA ist die Wende offiziell vollzogen. Bereits am Mittag hatte US-Handelsdelegierter Jamieson Greer gegenüber CNBC erklärt, dass beide Seiten eine Einigung erzielt hätten. «Wir haben einen Deal erreicht», sagte er und kündigte weitere Details für den späteren Nachmittag an. Seit dem Sommer hatten die USA Zölle von 39 Prozent auf verschiedene Schweizer Produkte erhoben – eine Massnahme, die US-Präsident Donald Trump im April medienwirksam mit seiner «Zolltafel» angekündigt hatte.
Am frühen Abend bestätigte auch der Bundesrat die Einigung. Die Schweiz bedankte sich öffentlich bei Präsident Trump für dessen «konstruktives Engagement» und betonte, die Gespräche mit Handelsdelegierten in Washington seien in den letzten Tagen «produktiv» gewesen. Die Regierung stellte klar, dass der neue Zollsatz bei 15 Prozent liegen soll – also dem Tarif, der bereits für EU-Waren gilt.
An einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz erläuterten Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Staatssekretärin Helene Budliger Artieda die Eckpunkte des Abkommens. Parmelin sprach von einem «Durchbruch», der nach Monaten intensiver Arbeit gelungen sei. Ein zentrales Element des Deals ist ein Investitionsversprechen von Schweizer Firmen in der Höhe von 200 Milliarden Dollar, verteilt auf mehrere Branchen. Dazu zählen unter anderem Teile der Pharmaindustrie, die Goldschmelzbranche sowie Hersteller von Eisenbahnausrüstungen.
US-Handelsdelegierte Jamieson Greer bestätigte den Deal gegenüber dem Wirtschaftssender CNBC.
KEYSTONE
Budliger Artieda schilderte, wie in der Industrie «ein klares Interesse» bestehe, Teile der Produktion geografisch neu auszurichten. Das betreffe auch die Goldverarbeitung: Die Schweiz sei traditionell der wichtigste Standort für die Lagerung, während New York der globale Handelsplatz sei. Man nehme wahr, dass gewisse Akteure ihre Lagerstrukturen vermehrt in die USA verschieben möchten.
Auf die Frage, weshalb ausgerechnet Pharmaprodukte und Gold von den Zöllen ausgenommen bleiben, sagte Budliger Artieda, die USA hätten wohl erkannt, dass sich nicht jedes Produkt problemlos im Inland herstellen lasse. Für diese Güter habe daher zu keinem Zeitpunkt eine Zollpflicht bestanden.
Zeitgleich kündigte die Schweiz an, eigene Einfuhrzölle auf US-Produkte zu senken. Betroffen seien sämtliche Industrieprodukte sowie Fisch und Meeresfrüchte. Zudem gewährt die Schweiz den USA neue zollfreie Kontingente: 500 Tonnen Rindfleisch, 1000 Tonnen Bisonfleisch und 1500 Tonnen Geflügelfleisch pro Jahr. Das Datum der Umsetzung werde mit den USA abgestimmt, damit die Zollsenkungen gleichzeitig in Kraft treten können.
🚨 @USTradeRep: "We've essentially reached a [trade] deal with Switzerland, so we'll post details of that today... We're really excited about that deal and what it means for American manufacturing." pic.twitter.com/sxf3LuDOub
Trotz des Durchbruchs bleiben Unsicherheiten. So ist das Abkommen laut Parmelin noch nicht rechtlich bindend. Sollte der Supreme Court die von Trump verhängten Zölle rückwirkend als illegal einstufen, würden die Abgaben auf null Prozent fallen. Wäre das Abkommen hingegen bereits verbindlich, könnte ein solcher Entscheid ein globales Zollchaos auslösen – mit heute schwer abschätzbaren Folgen.
Budliger Artieda betonte weiter, dass die Schweiz keine Zusage abgegeben habe, ihr Handelsdefizit gegenüber den USA aktiv zu senken. Stattdessen seien Vertreterinnen und Vertreter der Privatwirtschaft in die Gespräche eingebunden worden, um Möglichkeiten zur Ausweitung der US-Importe auszuloten. Gleichzeitig würden künftig weniger Güter – vor allem aus der Pharmaindustrie – aus der Schweiz in die USA geliefert.
Die Frage, ob die Schweiz Boeing-Flugzeuge kaufen werde, beantwortete Budliger Artieda deutlich: Die Eidgenossenschaft werde keine solchen Aufträge vergeben. Kaufabsichten, von denen in US-Medien die Rede sei, stammten von Unternehmen privatwirtschaftlicher Natur. Ob damit die Swiss gemeint ist, liess sie offen.
Schweizer Firmen verlagern Teile ihrer Produktionen
Für Aufmerksamkeit sorgte am Mittag eine Panne bei der SVP. Die Partei hatte frühzeitig eine Medienmitteilung veröffentlicht, in der sie Parmelin zum Erfolg gratulierte und den 15-Prozent-Zoll bereits als endgültig vermeldete. Kurz darauf wurde der Text gelöscht. Man habe mehrere Versionen vorbereitet und versehentlich die falsche publiziert, erklärte eine Sprecherin.
Wie es nun weitergeht, erklärten Parmelin und Budliger Artieda ebenfalls. In einem ersten Schritt müsse das Resultat innerhalb des Bundesrats, im Parlament und – falls nötig – vor dem Volk diskutiert werden. Erst danach können die nächsten juristischen und technischen Schritte in Richtung eines verbindlichen Vertrags eingeleitet werden.
Die Schweiz und die USA haben erfolgreich eine Lösung erreicht: Die US-Zölle werden auf 15 % gesenkt. Danke Präsident Trump @POTUS für das konstruktive Engagement. Das Treffen @USTradeRep mit Botschafter J. Greer war produktiv. Der Bundesrat informiert um 16h00.🇨🇭🤝🇺🇸
Noch offen ist auch, wie schnell der neue Zollsatz operativ umgesetzt werden kann. Parmelin betonte jedoch, man wolle «so rasch wie möglich» vorwärtsmachen. Die Schweiz gehe den Weg mit, ohne dabei ihre Souveränität preiszugeben. «Realpolitik bedeutet, Lösungen zu finden», sagte er – und verwies auf die intensive Arbeit hinter den Kulissen: «Fleiss, Fleiss, Fleiss. Immer am Ball bleiben.»
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17.27 Uhr
Pressekonferenz ist beendet
17.27 Uhr
Was passiert, wenn der Supreme Court Trumps Zölle für illegal erklärt?
Laut Wirtschaftsminister Parmelin sei das Abkommen noch nicht rechtlich bindend. Bei einem entsprechenden Entscheid rechne man damit, dass die Zölle auf null Prozent fallen. Falls das Abkommen hingegen rechtlich bindend wäre, ende dies in einem weltweiten Zollchaos, dessen Auswirkungen man heute noch nicht einschätzen könne.
17.17 Uhr
Wie geht's nun weiter?
Nun geht es gemäss Budliger Artiega darum, das Verhandlungsresultat mit Bundesrat, Parlament und dem Volk zu diskutieren. Erst danach können die nächsten Schritte finalisiert werden.
17.13 Uhr
Aussergewöhnliches Tempo
Wären die 200 Milliarden nicht besser in der Schweiz investiert, will ein Journalist wissen. Man müsse schauen, wie die Schweiz im Vergleich mit anderen Ländern dastehe, sagt Parmelin. Zudem werden die Situation durch den Bundesrat genau beobachtet.
Budliger Artiega betont hingegen, die Schweiz sei aus historischer Perspektive immer eine Investorin ins Ausland gewesen. Aussergewöhnlich sei die hingegen die Höhe des Betrags – und wie schnell das Geld von den USA erwartet werde.
17.10 Uhr
«Fleiss, Fleiss, Fleiss»
Das Erfolgsrezept, das letztlich zum Durchbruch im Zollstreit geführt hat, ist für Budliger Artieda auf eine simple Formel zurückzuführen: «Fleiss, Fleiss, Fleiss. Immer am Ball bleiben.»
17.08 Uhr
Wie will die Schweiz das Handelsdefizit senken?
Was die Schweiz den USA punkto Reduktion des Handelsdefizites versprochen hat, will eine Journalistin wissen. «Die Eidgenossenschaft hat in dem Sinne nichts versprochen», so Budliger Artieda. Deshalb seien auch Vertreter aus der Privatwirtschaft in die Verhandlungen miteinbezogen worden.
«Es werden weniger Güter aus der Schweiz in die USA geschickt – primär aus der Pharma», so Budliger Artieda. Zudem habe man nach Möglichkeiten gesucht, um die US-Importe in die Schweiz zu erhöhen.
17.03 Uhr
Warum dankt der Bundesrat Trump?
«Es war die Trump-Administration, die neue Bewegung in die Sache brachte», führt Parmelin aus. Die Journalisten-Frage geht auf den X-Beitrag des Bundesrats zurück, in dem US-Präsident Donald Trump ausdrücklich für dessen Engagement gedankt wird.
Gemäss Parmelin müsse nun Realpolitik machen, «es ist wichtig, dass man jetzt Lösungen gefunden habe». Und da sei es nur logisch, dass man dem US-Präsidenten für die Verhandlungen dankbar sei.
16.57 Uhr
Hat die Schweiz zugesichert, Boeing-Maschinen zu kaufen?
«Die Eidgenossenschaft wird keine Flugzeuge kaufen», sagt Budliger Artieda. Die Kaufabsichten, die in US-Medien genannt werden, handeln von Privatunternehmen. Ob damit die Swiss gemeint ist, lässt Budliger Artieda offen.
16.52 Uhr
Goldumschmelzung in den 200 Milliarden inbegriffen
Die Goldumschmelzung ist ebenfalls im Investitionsversprechen drin, bestätigt Budliger Artieda auf eine entsprechende Nachfrage. Es gebe ein Interesse von Schweizer Goldproduzenten, in den USA zu produzieren. «Heute ist die Schweiz der primäre Standort der Goldlagerung und New York der primäre Standort für den Handel.» Allerdings sei in der Industrie ein Interesse vernehmbar, die Goldlagerung zunehmend in die USA zu verschieben.
16.47 Uhr
Warum sind Pharmaprodukte und Gold von den Zöllen ausgeschlossen?
«Wahrscheinlich hat auch die USA gemerkt, dass nicht alle Produkte in den USA hergestellt werden können», so Budliger Artieda. Pharmaprodukte, Goldprodukte und andere ausgewählte Produkte hätten deshalb nie Zölle bezahlt.
16.45 Uhr
Wie lange dauert es, bis der neue Zollsatz gilt?
Der offizielle Teil der Medienkonferenz ist beendet. Nun haben Journalist*innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Angesprochen auf die technische Umsetzung sagt Parmelin, dies werde eine Weile dauern. «Wir wollen den neuen Zollsatz aber so schnell wie möglich umgesetzt sehen», so Parmelin.
16.42 Uhr
Schweiz senkt Einfuhrzölle für US-Produkte
Die Schweiz werde zudem zeitgleich mit der Senkung der US-Zölle Einfuhrzölle auf eine Reihe von US-Produkten abbauen. Dabei handle es sich um sämtliche Industrieprodukte, Fisch und Meeresfrüchte – «um aus Sicht der Schweiz nicht-sensitive Agrarprodukte der USA», so Parmelin.
«Die Schweiz gewährt den USA im Rahmen der Übereinkunft zollfreie bilaterale Zollkontingente auf ausgewählte US-Exportprodukte: Für Rindfleisch gilt ein Umfang von 500 Tonnen, für Bisonfleisch 1000 Tonnen und für Geflügelfleisch 1500 Tonnen. Das Datum zur Umsetzung dieser Marktzugangskonzessionen wird mit den USA koordiniert, um eine zeitgleiche Senkung der Zölle sicherzustellen.», heisst es in einer Mitteilung des Bundes.
16.38 Uhr
Aus Absichtserklärung soll Vertrag werden
Der neue Zollsatz gelte gemäss Parmelin weiterhin nicht für alle Güter. So seien Pharmaprodukte, chemische Produkte und Gold weiterhin davon ausgenommen.
Beim Deal handle es sich um eine verbindliche Absichtserklärung, die der Schweiz «den Zugang zum US-Markt gewährt». Nun gehe es darum, daraus einen gültigen Vertrag zu machen, der vom Schweizer Parlament genehmigt wird. Im Falle einer Volksabstimmung werde zudem das Volk miteinbezogen.
16.31 Uhr
Schweizer Unternehmen müssen 200 Milliarden investieren
Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Helene Budliger Artieda, Staatssekretärin beim Seco, informieren nun über den Zoll-Deal. «Gestern musste ich noch vertrösten, jetzt kann ich es verkünden: Wir haben einen Deal», so Parmelin. Der Deal umfasse ein Investitionsversprechen von Schweizer Unternehmen im Umfang von 200 Milliarden Dollar.
Parmelin betont dabei, man habe auf keine Weise die Schweizerische Souveränität preisgegeben.
Pressekonferenz auf 16.30 Uhr verschoben
Bundesrat Guy Parmelin informiert um 16.30 Uhr live über den Zoll-Deal mit den USA. blue News tickert live.
Optisch erklärt: So läuft der Hase mit den US-Zöllen
Wie funktionieren eigentlich diese US-Zölle? Wie stark tangieren sie die Schweizer Wirtschaft – und wie will diese darauf reagieren? blue News erklärt dir im Video anschaulich und appetitlich, was Sache ist.