«Weit weg von der Realität»Vereine müssen ab Januar eine Geschlechterquote einführen, sonst gibts weniger Geld
Noemi Hüsser
10.12.2025
Alt Bundesrätin Viola Amherd verpflichtete Vereine zu einer Geschlechterquote.
Keystone
Was seit Anfang 2025 für nationale Sportverbände gilt, trifft ab 2026 auch auf lokale Vereine zu: Ohne Geschlechterquote gibts keine Jugend+Sport-Gelder mehr. Nicht alle finden das sinnvoll.
Ab Januar 2026 müssen Vereine neue Anforderungen erfüllen, um Jugend+Sport-Subventionen zu erhalten.
Die Reform basiert auf der Sportförderungsverordnung des Bundesrats als Reaktion auf Missstände im Sport, bekannt durch die «Magglinger Protokolle».
Vereine müssen in ihren Statuten eine Geschlechterregelung verankern. Kontrollen erfolgen stichprobenartig, und Sanktionen drohen nur bei wiederholtem Verstoss nach Mahnung.
Ab dem 1. Januar 2026 müssen sich lokale Vereine in der Schweiz an strengere Vorlagen halten, um Jugend+Sport-Subventionen des Bundes zu erhalten. So müssen in ihren Statuten eine Amtszeitbeschränkung für Vorstandsmitglieder einführen und eine Geschlechterquote festlegen.
Auslöser der Reform ist die von alt Bundesrätin Viola Amherd angestossene Anpassung der Sportförderungsverordnung – eine Reaktion auf Missstände wie jene, die durch die «Magglinger Protokolle» bekannt wurden.
Für nationale Verbände gilt die Regelung bereits seit Anfang 2025: Mindestens 40 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer müssen im Vorstand vertreten sein. Doch im Oktober zeigte eine Analyse der «Neuen Zürcher Zeitung», dass mehr als die Hälfte der Sportverbände ihre Frauenquote verfehlt.
«Weit weg von der Realität in den Vereinen»
Auch regionale Vereine stehen nun vor einer Herausforderung. Swiss Olympic empfiehlt zwar ebenfalls 40 Prozent Frauenanteil, verpflichtend ist aber nur, dass die Vereine eine eigene Quote definieren.
Luigi Ponte, Präsident des Aargauer Fussballverbands, kritisiert die Pflicht in der «Aargauer Zeitung». «Sie bedeutet bloss einen bürokratischen Mehraufwand und ist weit weg von der Realität in den Vereinen», sagt er. Ponte erwartet vom Bundesamt für Sport, dass es nicht umgehend J+S-Gelder streicht, wenn ein Verein seine Statuten nicht fristgerecht revidiert hat.
Das Bundesamt für Sport entgegnet, es prüfe nicht die tatsächliche Zusammensetzung des Vorstands, sondern ob eine Geschlechterregelung und Massnahmen zum Thema Gleichstellung und Diversität in den Statuten verankert sind.
Jährlich sollen 100 bis 400 Vereine stichprobenartig kontrolliert werden – mit «Augenmass und Verhältnismässigkeit» bei säumigen Klubs. «Die Verweigerung oder Kürzung von Subventionen ist nur als Konsequenz vorgesehen, wenn ein Verein trotz vorgängiger formeller Mahnung und Nachfrist die Bedingungen nicht einhält», sagt Sprecherin Rebekka Balzarini.