Einkaufstourismus Warum sich die Deutschen nach den Schweizern sehnen

tafi/dpa

12.5.2020

Gähnende Leere auf den Parkplätzen, reduzierte Öffnungszeiten, sinkender Umsatz: In den Grenzregionen wollen die Deutschen ihre Schweizer Einkaufstouristen zurück. Politiker aus beiden Ländern setzen sich nun für eine schnelle Grenzöffnung ein.

Die Schweizer Grenzen werden mit Beginn der Lockerungen vorsichtig wieder geöffnet, mal eben zum Einkaufen nach Deutschland zu fahren, ist aber weiterhin verboten. Für die deutschen Detailhändler in der Grenzregion zur Schweiz wird das zunehmend zum Problem, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet

Musste man vor der Corona-Krise Glück haben, einen Parkplatz vor Lidl, Aldi und Co. zu bekommen, herrscht dort jetzt gähnende Leere. Weil die Kunden aus der Schweiz fehlen, haben einige Filialen ihre Öffnungszeiten drastisch verkürzt, das Personal reduziert und Liefermengen angepasst.

Seitdem die Grenzen zur Schweiz wegen der Corona-Pandemie weitgehend dicht sind, fehlen deutschen Detailhändlern im grenznahen Gebiet die Kunden. (Symbolbild)
Seitdem die Grenzen zur Schweiz wegen der Corona-Pandemie weitgehend dicht sind, fehlen deutschen Detailhändlern im grenznahen Gebiet die Kunden. (Symbolbild)
KEYSTONE/Georgios Kefalas

Die Deutschen sehnen sich regelrecht nach den Schweizern. Immerhin geben die Eidgenossen pro Jahr zehn Milliarden Franken im Ausland aus, den grössten Teil davon in grenznahen Geschäften. Der Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen, Philipp Frank, bringt das in «20 Minuten» so auf den Punkt: «Die Grenze zu unserem südlichen Nachbarn ist nicht einfach nur eine Grenze, sondern eine tägliche Lebensader.»

Politiker fordern «Lockerung der Einreisebeschränkungen»

Nicht nur der Handel und die Gastronomie beklagten massive Umsatzeinbussen, auch im Handwerk seien Existenzen bedroht, so Frank. Mittlerweile plädieren Politiker aus beiden Ländern für eine schnelle und umfassende Grenzöffnung. In einer gemeinsamen Erklärung des Vorsitzenden der Deutsch-Schweizerischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Felix Schreiner (CDU), und der Präsidentin der Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag, Céline Widmer, vom Montag wird unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens eine «zeitnahe Lockerung der Einreisebeschränkungen» verlangt.



In der Erklärung heisst es: «Die Corona-Krise hat sich in vielerlei Hinsicht auf die Menschen im deutsch-schweizerischen Grenzraum ausgewirkt. Durch die Kontrollen des grenzüberschreitenden Personenverkehrs wird uns bewusst, wie sehr unsere beiden Länder insbesondere in der Grenzregion wirtschaftlich, gesellschaftlich und sozial miteinander verbunden sind.»

Der Ansturm wird ausbleiben

Schreiner erklärte ergänzend: «Wir dürfen im Kampf gegen die Pandemie nicht nachlassen. Aber wir müssen das in der Grenzregion gemeinsam tun – mit Nachdruck und abgestimmten Regeln, aber ohne Grenzschliessung.» Und: «Ein Virus spricht nicht schwyzerdütsch, badisch oder alemannisch, das Risiko ist inzwischen überall gleichermassen. Gerade deshalb braucht es nun gemeinsame Initiativen und eine vollständige Grenzöffnung.»

Dass eine Grenzöffnung für einen Ansturm auf die deutschen Geschäfte sorgt, wird von Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe der Kalaidos-Fachhochschule bezweifelt: «Die Angst vor dem Virus wird viele Leute vom Shoppen im Ausland abhalten.» Die Konsumstimmung der Schweizer habe sich allgemein verschlechtert, auf unnötige Einkäufe würden viele Menschen verzichten.

Des einen Leid, ist aber auch des anderen Freud. Einheimische Detailhändler haben ihren Umsatz im Lockdown gesteigert

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