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DPA-Zentralbild
In Deutschland sind fünf Prozent aller Berghütten von Bettwanzen befallen. In der Schweiz sei das Problem nicht so gross. Kommt es doch zu einer Parasiten-Entdeckung, folgt der Schweizer Alpen-Club einem strengen Protokoll.
Beim Deutschen Alpenverein (DAV) sind jedes Jahr rund fünf Prozent der Berghütten von Bettwanzen befallen, wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» schreibt. Bei 335 Hütten, die der DAV betreibt, entspricht das jährlich rund 16 Hütten. «Mit steigender Tendenz», wie der DAV im «Spiegel» zitiert wird. Zusammen mit den Alpenvereinen aus Österreich und Südtirol startet der DAV jetzt eine Sensibilisierungskampagne, indem die Vereine die Gäste um Unterstützung bei der Bekämpfung der Parasiten bitten.
Bettwanzen sind Insekten, die hauptsächlich den Menschen stechen, um Blut zu saugen. Zum Blutsaugen verlassen die Wanzen vorwiegend nachts ihre Verstecke, die sich vor allem in der Nähe der Schlafplätze der Wirte befinden. Bettwanzen können über mehrere Monate hinweg hungern.
Sie verbreiten sich durch den Transport befallener Gegenstände, wie Gepäckstücke. Sie lassen sich in Privathaushalten, öffentlichen Einrichtungen wie Kinos und auch Hotels oder Herbergen nieder. Je mehr Menschen an einem Ort ein- und ausgehen, desto grösser ist die Gefahr, dass Bettwanzen eingeschleppt werden. Ein einziges befruchtetes Weibchen kann ausreichen, um an einem anderen Ort einen Befall auszulösen.
«In den SAC-Hütten kommt es nur vereinzelt zu Bettwanzenbefall. Von einer verbreiteten oder zunehmenden Problematik, wie sie im ‹Spiegel›-Bericht für Deutschland, Österreich und Südtirol beschrieben wird, können wir für die Schweiz aktuell nicht sprechen», teilt der Schweizer Alpen-Club (SAC) auf Anfrage von blue News mit. Eine Erklärung für die Unterschiede zu den Nachbarländern habe man nicht. Eine Statistik zu den Bettwanzen-Fällen führt der SAC nicht. Betroffen seien aber vor allem leicht zugängliche Hütten.
Seit 2020 sensibilisiert auch der SAC seine Gäste mit einem Flyer zu Bettwanzen. Damals waren in einer Hütte Bettwanzen entdeckt worden.
«Berghütten sind für die Bekämpfung von Bettwanzen ein besonders schwieriges Umfeld: Die Abgeschiedenheit und der eingeschränkte Zugang erschweren eine Schädlingsbekämpfung», so der SAC. Wie der Schweizer Alpen-Club 2020 berichtete, riet ein professioneller Schädlingsbekämpfer dem Hüttenwart, die Hütte so schnell wie möglich zu schliessen und die Räume zu behandeln.
«Bettwanzen nisten sich ein und verstecken sich überall», erzählte der Hüttenwart damals. «Wir fanden Nester hinter den hölzernen Trennwänden und Fussleisten, entlang der Lattenroste, in den Bettrahmen und sogar hinter den Schaltern und Lampenanschlüssen. Alles musste vor der Behandlung auseinandergenommen werden.»
Die Hütte war 15 Tage lang geschlossen. Die Nester wurden mit Insektiziden besprüht. Bettdecken, Matratzen und Kissen mussten in luftdichte Säcke verpackt und mit dem Helikopter ins Tal geflogen werden. Dort wurden sie für 72 Stunden eingefroren, was die Parasiten und deren Eier abtötet.
Seit 2020 treten keine gehäuften Fälle auf, wie der SAC auf Nachfrage mitteilt. «Tritt ein Fall auf, reagieren wir schnell und konsequent: Die betroffene Hütte sperrt den befallenen Bereich ab und lässt die Schädlingsbekämpfung durch spezialisierte Unternehmen durchführen.» Zusätzlich nehme man direkt Kontakt mit den umliegenden Hütten auf, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. «Diese Vorgehensweise hat sich als wirksam etabliert.»
Im Flyer gibt der SAC auch den Gästen Tipps, wie sie die Verbreitung der Parasiten verhindern können. So soll beispielsweise ein fest verschliessbarer Beutel mitgenommen werden, in dem der Rucksack innerhalb der Hütte aufbewahrt werden kann. Der Rucksack sollte möglichst weit vom Bett entfernt gelagert werden. Auch sollte das Zimmer vor der Übernachtung auf Spuren von Bettwanzen abgesucht werden. Beliebte Verstecke sind das Bettgestell oder der Lattenrost, Möbelstücke, in und hinter Bilderrahmen, hinter Lichtschaltern und Steckdosen oder in Kabelkanälen. Auch schwarze Kotspuren können ein Hinweis auf Bettwanzen sein.
Nach der Tour sollte der Rucksack in der Badewanne, in der Dusche oder vor der Hütte über einer hellen Unterlage ausgeschüttelt werden, um einen möglichen Befall mit Bettwanzen zu entdecken. Wird in der Hütte oder nach der Tour ein Parasit entdeckt oder fallen juckende Stiche auf, sollte der Hüttenwart oder die Hüttenwartin informiert werden.
«Nach der Rückkehr von der Tour hilft es, Ausrüstung, die man nicht kontrollieren kann, für 72 Stunden luftdicht verpackt einzufrieren oder Textilien bei 60 Grad zu waschen», rät der SAC ausserdem auf Nachfrage.