Was gilt wo? Die Maskenpflicht in der Kantons-Übersicht 

Von Jennifer Furer

14.7.2020

Über eine Maskenpflicht verfügen die jeweiligen Kantone. Was gilt nun in welchem? 
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Will der Bund wirklich eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen? Und in welchen Kantonen ist eine Ausweitung geplant? Den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. «Bluewin» fasst die Situation zusammen.

Seit dem Ende der ausserordentlichen Lage am 19. Juni verfügen Kantone über die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Über die Wirksamkeit und Auswirkungen des Föderalismus lässt sich streiten, eines ist aber klar: Der Überblick über die kantonalen Massnahmen geht schnell verloren – auch, wenn es ums Thema Maskenpflicht geht.

«Bluewin» fasst die aktuelle Lage zusammen.

Maskenpflicht an Schulen
Im Kanton Jura und Luzern soll es in den Schulen nach den Sommerferien eine Maskenpflicht geben – sofern sich an der aktuellen Coronalage nichts ändert.
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Der Kanton Luzern und der Kanton Jura wollen nach den Sommerferien bei gewissen Schulstufen eine generelle Maskenpflicht durchsetzen. Diese soll nicht nur während des Unterrichts, sondern auch während der Pausen gelten. Im Kanton Luzern sind Berufs- und Gymi-Schüler betroffen. Im Kanton Jura ist noch nicht genau bekannt, bei welchen Schulstufen die Maskenpflicht greifen soll.

Die Maskenpflicht wird aber nur durchgesetzt, wenn sich an der aktuellen Coronalage nichts verändert. Laut der Dienststelle Gymnasialbildung Luzern gibt es auch Rückfallszenarien, auf die zurückgegriffen wird, sollte die Lage sich durch eine zweite Welle verschlechtern.

Laut dem SRF ziehen weitere Kantone eine Maskenpflicht an Schulen in Erwägung. Diese sind: Zürich, St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Baselland, Obwalden, Freiburg, Neuenburg und Wallis.

Nicht infrage kommt die Maskenpflicht an Schulen in folgenden Kantonen: Tessin, Graubünden, Glarus, Uri, Nidwalden, Schwyz, Zug, Aargau, Solothurn und Genf.

Maskenpflicht an Unis
Die Maskenpflicht steht auch an Schweizer Universitäten (wie hier in Zürich) zur Diskussion.
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Auch an den Schweizer Universitäten steht eine Maskenpflicht zur Diskussion. So etwa an der Uni Freiburg. Aus Qualitätsgründen will man dort wieder zurück zum Präsenzunterricht, heisst es in einer Mitteilung. Ab Herbst gilt in Räumen, wo die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, eine Maskenpflicht.

In Basel setzt man weiterhin auf Online-Unterricht. Wie die NZZ schreibt, sollen rund zwei Drittel der Lehrveranstaltungen wegen der Distanzregeln ganz oder mehrheitlich digital stattfinden. Bei anderen Veranstaltungen, an denen die Mindestdistanz von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, sei eine Maskenpflicht wahrscheinlich.

Auch die ETH Zürich nennt die Maskenpflicht laut der Zeitung «eine Option». An der Universität Bern plant man mit der Weiterführung der Vorlesungen «wie üblich». Alle Institute seien aber angewiesen, auch Online-Lösungen vorzubereiten.

Erweiterung der Maskenpflicht?
Weiten die Kantone und der Bund die Maskenpflicht vom öffentlichen Verkehr auf andere Lebensbereiche aus? 
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Der öffentliche Verkehr und die Schulen sind also bisher vom Thema Maskenpflicht betroffen. Wie steht es um die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, öffentlichen Plätzen, bei Touristenattraktionen und beim Einkaufen? Und was wird derzeit auf nationaler Ebene diskutiert?

Halbkanton Appenzell Ausserrhoden (AR) 

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist keine Ausdehnung der Maskenpflicht vorgesehen, heisst es beim kantonalen Gesundheitsamt auf Anfrage. Die Entwicklung der epidemiologischen Lage werde aber genau verfolgt. Sollte die epidemiologische Situation es erforderlich machen und sich zeigen, dass die in den Schutzkonzepten festgelegten Distanz- und Hygieneregeln nicht eingehalten werden können, wären weitere Schritte zu prüfen. Diesbezüglich stehe der Kanton Appenzell Ausserrhoden in engem Austausch mit den umliegenden Kantonen und dem Bund.

Halbkanton Appenzell Innerrhoden (AI) 

Da es zurzeit im Kanton keine positiven Fälle gebe, sehe man keinen Grund, die Massnahmen des Bundes auf kantonaler Ebene zu verschärfen, heisst es beim Gesundheits- und Sozialdepartement auf Anfrage.

«Wir beobachten jedoch die regionale und nationale Lage weiterhin und würden allfällige Massnahmen mit den Nachbarkantonen und dem Bund absprechen», sagt Departementssekretär Mathias Cajochen.

Kanton Aargau (AG) 

Eine Ausweitung der Maskenpflicht ist im Kanton Aargau aktuell kein Thema, wie das zuständige Departement auf Anfrage schreibt. Wenn es die epidemiologische Lage erfordert, werde eine Neubeurteilung der Massnahmen vorgenommen.

Halbkanton Basel-Landschaft (BL) 

Ob es im Baselland eine Ausweitung der Maskenpflicht gibt, ist noch nicht entschieden. Bei der Gesundheitsdirektion heisst es, dass Anfang August weiter informiert wird.

Halbkanton Basel-Stadt (BS) 

Zurzeit sei keine Ausweitung der Maskenpflicht vorgesehen, heisst es bei der kantonalen Gesundheitsdirektion. «Wir legen gegenwärtig den Schwerpunkt in diesem Bereich auf die korrekte Umsetzung der Schutzkonzepte für Betriebe und Veranstaltungen, um auf diese Weise gut adaptierte, breit abgestützte Schutzmassnahmen für die Bevölkerung in diesen Bereichen zu gewährleisten», sagt Sprecher Valentin Kressler.

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Kanton Bern (BE) 

Noch ist im Kanton Bern keine Ausweitung der Maskenpflicht geplant. Mit fünf bis sechs Neuinfizierten pro Tag habe man die Lage im Griff, heisst es bei der kantonalen Gesundheitsdirektion. Es sei bekannt, wo sich diese Fälle befinden und es sei kein Hotspot auszumachen. Die Lage werde aber weiterhin genau angeschaut. Man befinde sich im Stand-by-Modus.

Kanton Freiburg (FR)

Die Ausweitung der Maskenpflicht steht auch im Kanton Freiburg zur Diskussion. Ende Woche würde die weitere Vorgehensweise der Öffentlichkeit aufgezeigt.

Kanton Glarus (GL) 

Ob die Maskenpflicht ausgeweitet wird, hängt gemäss der kantonalen Gesundheitsdirektion von der Anzahl Neuinfizierter ab. Massnahmen seien angedacht und würden bei einer gewissen Anzahl an Neuansteckungen durchgeführt. Wo dieser Schwellenwert liegt und welche Bereiche die Massnahmen betreffen, wollte die Gesundheitsdirektion auf Anfrage nicht bekannt geben.

Kanton Genf (GE) 

Beim Kanton Genf heisst es auf Anfrage, dass die epidemiologische Situation aufmerksam verfolgt werde. Es wird vorläufig nicht für notwendig erachtet, die Maskenpflicht auf andere öffentliche Orte auszudehnen, an denen derzeit die Einhaltung der Hygiene- und Distanzvorschriften ausreichend ist. 

Kanton Graubünden (GR)

Ziel im Kanton Graubünden sei es, weitere Massnahmen möglichst zu verhindern. Das Gesundheitsamt Graubünden analysiert die Fallzahlen laufend und prüft allfällige Massnahmen, heisst es auf Anfrage. Aktuell sei eine generelle Maskenpflicht nicht vorgesehen.

Kanton Jura (JU) 

Am strengsten sind die Massnahmen bezüglich Maskenpflicht im Kanton Jura. Nebst jener im ÖV gibt es auch eine beim Einkaufen. Letztere Schutzmaskenpflicht gilt vorerst für zwei Monate. Sie ist auch für Kinder ab 12 Jahren verbindlich.

Grund für die Erweiterung der Maskenpflicht sei die Zunahme von Infektionen mit dem Coronavirus. In den zehn Tagen vor dem Entscheid seien 20 Neuinfektionen registriert worden, so die Regierung.

Auch an Schulen soll es nach dem Ende der Sommerferien zu einer Maskenpflicht kommen, sofern sich die Coronalage nicht verändert.

Eine weitere Ausweitung der Maskenpflicht ist im Kanton Jura derzeit nicht geplant, heisst es auf Anfrage. Die Gesundheitssituation werde stets genau beobachtet und die Massnahmen würden entsprechend angepasst.

Kanton Luzern (LU) 

Regierungsrat Guido Graf sagt zur Frage nach einer Ausweitung der Maskenpflicht lediglich: «Die Lage wird – auch im Hinblick auf die Maskenpflicht – laufend analysiert und nötigenfalls werden Massnahmen ergriffen, um die Ansteckungszahlen mit Covid-19 tief zu halten.»

Kanton Neuenburg (NE) 

Im Moment ist im Kanton Neuenburg keine Erweiterung der Maskenpflicht vorgesehen, wie es auf Anfrage heisst. Diese Massnahme könnte aber ergriffen werden, wenn sich die Gesundheitssituation im Kanton verschlechtert. Zurzeit erforderte die Lage keine solchen Massnahmen.

Kanton Nidwalden (NW) 

Seit Mai verzeichnete der Kanton Nidwalden lediglich zwei Neuansteckungen. Die Gesundheitsdirektion sagt auf Anfrage, dass die Lage deshalb auch ohne Einschränkungen zu bewältigen sei. Im Moment sei deshalb eine Maskenpflicht in weiteren Lebensbereichen nebst dem ÖV nicht angedacht. Dort, wo die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, beispielsweise in kleineren Klassenzimmern, würden Plexiglasscheiben eingesetzt. Bei Bedarf würden die Massnahmen überdacht.

Kanton Obwalden (OW) 

Die Erweiterung der Maskenpflicht ist im Kanton Obwalden kein Thema, weil sich die Anzahl der Neuinfizierten «in engen Grenzen» hält, heisst es auf Anfrage.

Kanton Schaffhausen (SH) 

Eine Ausweitung der Maskenpflicht wird laut der Gesundheitsdirektion diskutiert. Verordnet ist aber noch nichts. Man stehe zudem im Austausch mit dem Bund und anderen Kantonsärztinnen.

Kanton Schwyz (SZ) 

Kantonsarzt Claudio Letta sagt, dass er die nationale Umsetzung der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr begrüsse. «Die Arbeitsgruppe Corona des Kantons Schwyz beobachtet die aktuelle Lage mit grosser Umsicht.»

Sollten aus Sicht der Arbeitsgruppe – aufgrund steigender Fallzahlen im Kanton Schwyz – weitere Einschränkungen angezeigt sein, würden diese zeitnah verfügt und umgesetzt. Beispielsweise sei eine Maskenpflicht in Bars, Clubs oder auch in Läden denkbar. «Ein koordiniertes Vorgehen unter den Kantonen wäre zielführend und wünschenswert», sagt Letta.

Kanton Solothurn (SO)

Bei weiter steigenden Ansteckungszahlen wird der Kanton Solothurn gemäss Lagebeurteilung weitere Massnahmen ins Auge fassen, um die Bevölkerung zu schützen, heisst es seitens der Behörden. Eine Möglichkeit sei dabei die Ausweitung der Maskenpflicht, beispielsweise für Einkaufsläden und andere auf den Verkauf von Waren ausgerichtete Betriebe.

Kanton St. Gallen (SG) 

Eine kantonsweite Maskenpflicht liegt in der Kompetenz der St. Galler Gesamtregierung. Der Kantonale Führungsstab, der sich einmal pro Woche trifft, diskutiere die Frage nach einer Ausweitung der Maskenpflicht. Im Laufe des Sommers werde er entsprechende Anträge an die Regierung stellen, wenn sich der Bedarf aufzeigen sollte. 

Kanton Tessin (TI) 

Auf Anfrage von «Bluewin» heisst es, dass es momentan keine Verpflichtung gebe, Masken an öffentlichen Orten zu tragen. Es liege in der individuellen Verantwortung, zu der auch die Achtung der physischen Distanz und der Hygienevorschriften gehören.

Der Kanton Tessin empfiehlt, Masken so oft wie möglich zu verwenden, insbesondere in allen Situationen, in denen der Abstand nicht eingehalten werden kann. 

Der Kanton Tessin verfolge die Situation laufend und werde in Absprache mit dem Kantonsarztamt entscheiden, ob und wann neue Massnahmen notwendig sind.

Kanton Thurgau (TG) 

Die Ausweitung der Maskentragepflicht auf weitere Bereiche ist Teil der Eventualplanung für gewisse Krisenszenarien des Fachstabes Pandemie, heisst es bei der Thurgauer Staatskanzlei.

Der Fachstab Pandemie empfehle das Tragen einer Maske ausdrücklich überall dort, wo der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann, sowie generell im Umgang mit Risikogruppen. Bei der aktuellen Entwicklung der Fallzahlen siehe der Kanton Thurgau aber zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Ausweitung der Maskentragepflicht.

Der Fachstab Pandemie beobachtet die Lage aber genau und würde weitere Massnahmen zur Pandemiebekämpfung verabschieden, würde er dies als nötig erachten.

Kanton Uri (UR)

Im Kanton Uri ist keine Ausweitung der Maskenpflicht vorgesehen, heisst es auf Anfrage. «Wir sind der Ansicht, dass eine solche Massnahme - wie die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr - nur sinnvoll und wirksam ist, wenn sie für die gesamte Schweiz gelten», sagt Adrian Zurfluh, Informationsbeauftragter der Standeskanzlei Kanton Uri.

Kanton Waadt (VD) 

Der Kanton Waadt sieht nicht nur im öffentlichen Verkehr eine Maskenpflicht vor. Seit letzten Mittwoch gilt sie auch beim Einkaufen. In allen Geschäften, die mehr als zehn Personen gleichzeitig betreten dürfen, muss eine Maske getragen werden.

Kanton Wallis (VS)

Auf Anfrage heisst es, dass die Regierung ständig über mögliche Massnahmen nachdenke. Diese würden mitgeteilt, sobald sie beschlossen sind. Vorerst appellieren die Walliser Behörden an die Wachsamkeit der Bevölkerung und an die Wichtigkeit der Einhaltung der Hygienemassnahmen sowie des Abstands.

Kanton Zug (ZG) 

Gesundheitsdirektor, Regierungsrat und Statthalter Martin Pfister sagt, dass der Regierungsrat mit Wirkung ab 13. Juli einschränkende Massnahmen für Clubs, Bars und Veranstaltungen beschlossen hat. «Wenn an Veranstaltungen mit über 30 Anwesenden die Mindestabstände nicht möglich sind, müssen Schutzmassnahmen getroffen werden.» Dies könne das Tragen von Schutzmasken miteinschliessen. Weitere Massnahmen seien momentan nicht vorgesehen.

Pfister sagt weiter, dass sich die Problematik, dass die Abstands- und Hygieneregeln, zum Beispiel beim Einkaufen oder auf öffentlichen Plätzen nicht eingehalten werden können, nicht überall gleichstelle. «Aber wir beobachten die Situation natürlich.»

Es sei möglich, dass es kantonale Unterschiede gibt, stellt Pfister fest. Das hänge mit lokalen Verhältnissen zusammen. «Bei einer möglichen Ausweitung der Maskenpflicht wäre aber die Koordination mit den anderen Kantonen anzustreben, da einheitliche Regeln auch einfacher vermittelt und umgesetzt werden können.»

Kanton Zürich (ZH) 

Bisher sind im Kanton Zürich keine Beschlüsse zur Ausweitung der Maskenpflicht verabschiedet worden. Bis zum Ende der Schulferien am 14. August finden zudem keine Regierungsratssitzungen mehr statt. Sprich: Sollte die Coronalage sich nicht zuspitzen, wird es bis zu diesem Zeitpunkt keine Änderung bezüglich der Maskenpflicht geben.

Nationale Ebene

Wie diverse Kantone sagen, wird auf nationaler Ebene aktuell über eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen diskutiert. Dies ist vor allem im Hinblick auf Herbst und Winter eine relevante Frage.

Der Abstand von 1,5 Metern werde in Räumen, vor allem dort, wo Menschen nicht fix an einem Ort sitzen, schlecht eingehalten, sagt etwa Fabienne Frei vom Gesundheitsamt des Kantons St. Gallen. Aktuell passiere vieles draussen. «Das hilft sehr.» In der kalten Jahreszeit würden die Menschen aber vor allem in geschlossenen Räumen sein, was die Virusübertragung vereinfachen wird.

Im Hinblick darauf müsse je nach Anstieg der Fallzahlen auch über die Reduktion der Personenzahl in geschlossenen Räumen laut nachgedacht werden.



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