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So trocken wie 2003 oder noch trockener? Vielen Alpen geht im Sommer 2026 das Wasser aus. Die Sömmerung ist infrage gestellt (Archivbild von 2003).
KEYSTONE
Die Trockenheit gefährdet die Alpwirtschaft, da manche Gebiete ihre Kühe nicht genügend tränken können. Diese brauchen entweder Wassertransporte oder müssen die Alpsaison abbrechen.
Es ist erst Juli, eigentlich ist der Alpsommer erst zur Hälfte vorbei. Doch mehrere Alphirt*innen müssen mit ihren Kühen bereits zurück ins Tal. Grund ist der Wassermangel. Die Kühe ernähren sich nicht nur von Gras, sondern trinken täglich auch bis zu 100 Liter Wasser, schreibt die «NZZ».
Die anhaltende Dürre lässt Bäche und Quellen versiegen und bringt so jene Alpschaften besonders in Gefahr, die keine Zufahrtsstrasse haben. Ihnen bleiben nur Wassertransporte per Helikopter. Oder der Abbruch der Alpsaison. Dies verursacht aber neue Probleme, denn die Alp ermöglicht den Bauern, ihr Gras im Flachland zu mähen und im Winter als Heu zu verfüttern.
Ernst Wandfluh ist SVP-Nationalrat und Landwirt, der jeden Sommer auf der Alp verbringt oberhalb von Kandergrund BE. In seiner Funktion als Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes SAV fordert er in einer Medienmitteilung verschiedene Massnahmen.
Er ruft andere Alp-Genossenschaften und Bewirtschafter*innen auf, frühzeitig ihre Notfallpläne auszuarbeiten und beispielsweise ein Gesuch für Helikopterflüge einzureichen. Die Krux dabei: Bevor die Armee Wasser auf eine Alp fliegen darf, muss geklärt sein, dass kein privates Unternehmen diesen Auftrag ausführen will.
Zudem sollten jene Alpschaften, die genügend Wasser und Platz haben, ihre freie Kapazität jenen Betrieben anbieten, die ihr Vieh in der aktuellen Lage nicht mehr auf ihrer Alp halten können.
Vom Bund fordert Wandfluh zudem, dass er Mittel für den Bau neuer Quellfassungen, Leitungen und Reservoiren zur Verfügung stellt, schreibt der «Tages-Anzeiger». Er kündigt einen entsprechenden Vorstoss im Nationalrat an.
Das Vieh schon jetzt wieder ins Tal zu treiben, verursacht zudem neue Probleme. So sind viele Weiden im Flachland braun, das Gras verdorrt. Die Betriebe müssen ihren Herden deshalb Heu zu fressen geben. Damit zapfen sie ihre Winterreserven an. Bereits stiegen laut «NZZ» die Preise für Raufutter, also Gras und Heu, weil die Nachfrage steigt.
Manche Landwirt*innen gehen noch weiter und schlachten einen Teil ihres Viehs früher als geplant. Sie mit teurrem Futter zu ernähren, rentiere nicht. Das zusätzliche Fleischangebot drückt aber auch dessen Preis. Wassermangel und Futterknappheit bringt manche Landwirtschaftsbetriebe in eine Zwangslage, in der sie nur noch aus verschiedenen schlechten Optionen wählen können.
Ernst Wandfluh geht davon aus, dass trockene Sommer häufiger werden. Im Gegensatz zu gewissen Exponenten seiner Partei sieht er den Klimawandel als grosses Problem für die Landwirtschaft. Dieses sei mit Investitionen und baulichen Massnahmen zu lösen, ist er überzeugt. Ohne diese sei die Alpwirtschaft in Teilen der Schweiz in ihrer Existenz bedroht.