Massentests Berner fahnden in Wengen nach der britischen Virus-Mutation

SDA/uri

14.1.2021

Ein Tourist mit Gesichtsmaske läuft am 11. Januar 2021 durch Wengen. (Archiv)
Ein Tourist mit Gesichtsmaske läuft am 11. Januar 2021 durch Wengen. (Archiv)
Bild: Keystone

Im Skiort Wengen explodieren die Fallzahlen. Grund dafür ist die britische Virusvariante, die von einem Touristen eingeschleppt wurde. Wie es hier nun weitergehen soll, hängt von den Ergebnissen der Massentests ab.

Im Berner Oberländer Tourismusort Wengen sind am Mittwochnachmittag bereits gut 200 Personen auf das Coronavirus getestet worden. Alle Resultate fielen negativ aus, wie ein Mediensprecher der bernischen Gesundheitsdirektion gestern bekanntgab.

Der Kanton Bern hatte am Dienstag beschlossen, die Testkapazitäten in Wengen zu erhöhen, nachdem innert relativ kurzer Zeit 70 Einheimische und Gäste positiv aufs Coronavirus getestet worden waren.

Auch wurde bei sechs Personen die neue Coronavirus-Variante aus Grossbritannien festgestellt. Die Berner Behörden gingen davon aus, dass sich die meisten oder sogar alle in Wengen positiv getesteten Personen mit der Variante B1.1.7 infizierten. Deshalb verbot der Kanton Bern am Montag die Durchführung der Lauberhornrennen.

«Beunruhigende Situation» in Wengen

Die Berner Behörden riefen die Bevölkerung des 1000-Seelen-Dorfs dazu auf, sich testen zu lassen. Hoteliers sollten ihre Gäste dazu anhalten, sich ebenfalls aufs Virus testen zu lassen. Der Aufruf hatte Erfolg: Laut Gundekar Giebel von der bernischen Gesundheitsdirektion erwartete diese, dass sich 60 bis 80 Personen pro Stunde testen lassen würden. Die gut 200 Tests vom Mittwochnachmittag entsprechen ungefähr den Erwartungen. Die Tests werden weitergeführt.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sind in Wengen momentan fast alle Hotels geschlossen. Im angeblichen «Hotspot der neuen Mutation» wolle derzeit niemand mehr Ferien machen. Laut Kantonsärztin Linda Nartey gab es nirgendwo sonst im Kanton Bern eine ähnliche Dynamik bei den Covid-Infektionen. Wegen der rasanten Übertragung der Virusmutation herrsche hier eine «beunruhigende Situation», sagte Nartey der Zeitung.

Britischer Tourist hielt sich nicht an Quarantäneregeln

Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 70 Ansteckungen in Wengen direkt oder indirekt auf einen britischen Touristen zurückgingen, sei demnach gross. Bei ihm soll es sich um einen etwa 50-jährigen Mann handeln, der kurz vor Weihnachten im Hotel Victoria-Lauberhorn eincheckte und den mutierten Erreger unwissentlich im Skiort verbreitete.

Der Brite soll sich allerdings auch nicht sofort an die für ihn geltenden Quarantänebestimmungen gehalten haben. Laut «Tages-Anzeiger»-Recherchen habe der Mann nämlich sein Zimmer verlassen und auch im Restaurant des Hotels gegessen. Erst nachdem er am 27. Dezember positiv getestet worden sei, habe er sich konsequent in Quarantäne begeben. Zuvor habe er jedoch auch noch einmal das Hotel gewechselt. Über einen der Hotelangestellten beziehungsweise dessen Tochter sei das Virus schliesslich auch in den Skiclub gelangt. 

Weitergehende Massnahmen in Wengen machte Kantonsärztin Nartey von den weiteren Ergebnissen des Testcenters abhängig. Hier sollen zwei Wochen lang bis zu 100 Schnelltests pro Stunde durchgeführt werden. Sollten die Zahlen weiter explodieren, sei auch die Schliessung der Skipisten oder gar einer Ausgangssperre für Nartey denkbar.

Zurück zur Startseite