Grosses Käsetreffen am Genfersee Wer holt sich den Fondue-WM-Titel?

Stefan Michel

15.11.2025

Fäden ziehen auf höchstem Niveau: Heute Samstag entscheidet sich, wer Fondue-Weltmeister*in 2025 wird (Archivbild).
Fäden ziehen auf höchstem Niveau: Heute Samstag entscheidet sich, wer Fondue-Weltmeister*in 2025 wird (Archivbild).
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12'000 Fans geschmolzenen Käses strömen dieses Wochenende in das 249-Seelen-Dorf Tartegnin VD. Dort entscheidet sich, wer Fondue-Weltmeister*in der Amateure und der Profis wird.

Stefan Michel

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In Tartegnin VD findet an diesem Wochenende zum fünften Mal die Fondue-Weltmeisterschaft «La Mondiale de Fondue» statt – mit 200 Amateur*innen, 10 Profis und Besucherandrang aus aller Welt.
  • Die Käsemischung muss zur Hälfte aus Gruyère AOP bestehen, der Rest ist frei wählbar – Hauptsache, das Fondue schmeckt nach Käse.
  • Das Finale mit 25 Teilnehmenden – darunter 15 Amateure und 10 Profis – entscheidet am Samstagabend über den neuen Fondue-Weltmeister oder die Weltmeisterin.

Wer hat das beste Fondue im ganzen Land – oder besser auf dem Planeten? Diese Frage klärt sich dieses Wochenende in Tartegnin VD, einem kleinen Dorf mitten in den Weinbergen am Genfersee.

Dort findet zum fünften Mal La Mondiale de Fondue statt – die Weltmeisterschaft des Fondues. Alle zwei Jahre strömen seit 2015 die Anhänger*innen und Expert*innen des flüssigen Käses in die 249-Seelen-Gemeinde. 

Wie kommt eine so kleine Gemeinde dazu, eine Fondue-WM auszurichten? Mediensprecherin Graziella Jayet erklärt blue News: «Wir sind eine Gemeinde des Weinbaus. Doch als unsere traditionellen Winzerfeste nicht mehr so viele Leute angezogen haben, hatten wir die Idee der Mondiale de Fondue, für die es ja auch Wein braucht.» 

200 Amateur*innen, 10 Profis

Diese stösst offensichtlich auf grosses Interesse. In den vergangenen Austragungen wollten so viele Besucher*innen am Käse-Happening dabei sein, dass das kleine Dorf während der Veranstaltung inzwischen für den Verkehr komplett gesperrt wird. «Anders wäre das nicht möglich», erklärt Sprecherin Jayet, die selber in Tartegnin wohnt. Ihr Mann ist Präsident der Gemeinde und ebenso des OK der Fondue-WM.

Doch wie wird jemand Fondue-Weltmeister*in? Die Idee ist einfach, die Ausführung natürlich nicht. In einer Vorausscheidung bereitet die Wettkämpferin ein erstes Mal ihr Fondue mit dem zur Verfügung gestellten Reachaud und Caquelon zu und lässt die Jury kosten. 200 Startplätze gab es in der Kategorie Amateure, so etwas wie der Plausch-Event der WM. Die Startplätze seien ziemlich schnell ausgebucht, erklärt Jayet.

Es muss nach Käse schmecken: 50 Prozent der Mischung dürfen frei gewählt werden. Was als andere Hälfte vorgeschrieben ist, ist leicht zu erkennen.
Es muss nach Käse schmecken: 50 Prozent der Mischung dürfen frei gewählt werden. Was als andere Hälfte vorgeschrieben ist, ist leicht zu erkennen.
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Mischung darf nur zur Hälfte frei gewählt werden

Die Käsemischung muss zu 50 Prozent aus Gruyère mit der Ursprungsbezeichnung AOP bestehen. «Die Ursprungsbezeichnung muss in die Rinde des Käses geprägt sein», betont Jayet. Die Branchenorganisation ist den Bildern nach zu urteilen ein Sponsor der WM. Die andere Hälfte des Käses darf frei gewählt werden. Es soll auch schon Raclettekäse beigemischt worden sein.

Zu einer WM gehört internationale Beteiligung. Diese kommt insbesondere aus dem ebenfalls Käse-affinen Frankreich, aus Kanada und Brasilien. In diesen drei Ländern finden Qualifikationen statt, die Sieger*innen dürfen danach ihre Mischung und Schmelzkunst in Tartegnin präsentieren. «Vielleicht mischt der brasilianische Teilnehmer Cachaça in sein Fondue» mutmasst Jayet. Laut Wettkampf-Reglement muss das Fondue aber nach Käse schmecken.

Von den 200 Amateur*innen rücken fünfzehn ins Finale vor. Zehn Profis – Käser oder Köche – sind direkt für das Finale qualifiziert. In diesem letzten Durchgang bereiten die 25 Titelanwärter*innen ihr Fondue, die Amateur*innen zum zweiten Mal. Wer gewinnt, liegt schliesslich in der Hand oder auf der Zunge der Jury.

Entscheidung fällt am Samstagabend

Die grosse Entscheidung fällt heute Samstagabend statt. Ein Jury-Mitglied erklärte schon vor zwei Jahren, es sei unmöglich, die Fondues der Hobby-Wettkämpfer*innen von jenen der Profis zu unterscheiden. Wer es bis ins Finale geschafft hat, darf sich etwas auf ihr oder sein Fondue einbilden.

Eine Frage drängt sich auf, wenn schon eine Fondue-Expertin Red und Antwort steht: Was ist die angebrachte Strafe für das Verlieren des Brotstücks im Caquelon? Graziella Jayet lacht auf: «Bei uns bezahlt man in dem Fall die nächste Flasche Wein.»