Wo bleibt der Hochsommer?

Von Maximilian Haase

5.7.2021

In Zürich haben am Freitagabend heftige Gewitter getobt. (Archivbild)
Mal wieder ein Gewitter über Zürich: Noch bleibt der Hochsommer der Schweiz fern. (Archivbild)
KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Von wegen Hochsommer: Im Juli herrschen in der Schweiz bislang durchwachsene Temperaturen, der Regen ist Dauergast. Wie lange soll das so weitergehen? Dürfen wir überhaupt noch auf Badi-Hitze hoffen?

Von Maximilian Haase

5.7.2021

Bei strahlendem Sonnenschein eine Glace schlecken? In der Badi ins angenehm kühle Wasser springen? Sich abends auf der Restaurant-Terrasse mit einem erfrischenden Getränk von der Hitze des Tages erholen? Was im Juli sonst normal ist, scheint in diesem Jahr die Ausnahme zu sein.

Nach dem kältesten Frühling seit 30 Jahren ist derzeit auch vom Hochsommer keine Spur – dafür gibt es Regen, Gewitter, Hagel und durchwachsene Temperaturen. Fragt sich so mancher: Gibt es überhaupt noch Hoffnung auf echtes Badi-Wetter?

«Der Sommerbeginn in der Schweiz war massiv zu warm»

Nun ja. Zum einen ist der Sommer eigentlich schon da: «Der Sommerbeginn in der Schweiz war massiv zu warm und keineswegs kühl. Die Schweiz hat den viertwärmsten Juni seit Messbeginn 1864 erlebt», so Stephan Bader von Meteoschweiz zu «blue News». Die überdurchschnittliche Wärme habe fast den ganzen Juni angehalten.

Doch warum fühlt sich das für manchen so ganz anders an? Die Antwort findet sich am Ende des Monats: «Erst im letzten Junidrittel gab es einige Tage mit unterdurchschnittlicher Temperatur», erklärt Bader. Der viele Regen im Juni sei vor allem «durch warmfeuchte Gewitterluft aus Südwesten» bedingt gewesen.



An den letzten beiden Junitagen habe das Wetterregime dann umgestellt und mit Nordwest- und Westströmungen sei kühlfeuchte Atlantikluft in die Schweiz geflossen: «Es waren meist klassische Kaltfronten, die unser Land überquerten und Regen brachten. Die Kaltfronten gehörten zu Tiefdruckgebieten, die vom Jetstream (Höhenströmung) vom Atlantik nach Europa getrieben wurden», so der Experte.

Es bleibt vorerst nass

Die schlechte Nachricht: Bis Mitte Juli – sofern die unsicheren Sommer-Prognosen zutreffen – stabileres Sommerwetter einkehrt, müssen wir uns zunächst weiterhin auf nasses Wetter einstellen. «Eine längere trockene Phase ist in den nächsten Tagen nicht in Sicht», schreibt Meteoschweiz.

Nach einem Zwischenhoch am Montag gelangt die Schweiz laut Meteonews bereits ab Dienstag wieder «auf die Vorderseite eines Tiefs mit Zentrum über dem Nordatlantik». Uns erreicht damit warme, «aber auch labil geschichtete Luft». Ab Nachmittag sei mit Bewölkung, Gewittern und Schauern zu rechnen.

Ab Mittwoch nehmen die Temperaturen bei gelegentlichen Schauern und Gewittern Meteoschweiz zufolge wieder ab, am Donnerstag soll es bei kühlen 18 bis 22 Grad fast überall und meist bewölkt sein. Erwartet werden «einige, teils intensive und gewittrig durchsetzte Regenfälle». Immerhin: Den Schnecken und Pflanzen wird's gefallen. 

Zu bessern verspricht sich das Wetter erst am Freitag, und am Samstag soll es bei 26 Grad sogar «ziemlich sonnig» werden. Bereits am Sonntag und Montag in einer Woche soll es laut SRF Meteo dann wieder mit einem Wechsel aus Sonne, Wolken und gewittrigen Regengüssen weitergehen. Denn: «Der Sommer 2021 zeigt sich weiterhin von der wechselhaften Seite, auf der Alpennordseite kann an keinem Tag Regen ausgeschlossen werden.»

Was den Klimatrend angeht, sieht es Stephan Bader zufolge aber ganz anders aus: Der Schweizer Sommer sei seit einigen Jahren «ganz klar in Richtung warm/heiss und sonnig unterwegs. Der heutige Trend von zunehmend wärmeren Sommern mit mehr Hitzewellen in der Schweiz dürfte auch in Zukunft weitergehen, wie die aktuellen Szenarien-Berechnungen zeigen».