Zusammenschluss hat einen Haken Wettingen und Baden denken wieder über Fusion nach

Stefan Michel

9.5.2026

Wettingen würde Baden nicht nur die pittoreske Halbinsel in der Limmatschlaufe (unten rechts) einbringen, sondern auch ein Loch in der Gemeindekasse.
Wettingen würde Baden nicht nur die pittoreske Halbinsel in der Limmatschlaufe (unten rechts) einbringen, sondern auch ein Loch in der Gemeindekasse.
IMAGO/imagebroker

Die Idee einer Fusion von Baden und Wettingen ist zurück. Auslöser ist das Defizit der Stadt Wettingen. Befürworter sehen eine gemeinsame Stadt mit 46’000 Einwohner*innen, Gegner eine «Zwangsheirat».

Stefan Michel

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Wettinger EVP-Grossrat Lutz Fischer bringt die Idee einer Fusion mit Baden wieder aufs Tapet.
  • Hintergrund ist das Haushaltsdefizit Wettingens. Bevor dieses noch grösser werde, sei der Zusammenschluss voranzutreiben.
  • Andere Parteien, allen voran SVP und FDP stehen der Hochzeit kritisch gegenüber.

Räumlich sind Baden und Wettingen längst eine Stadt. Nur wer genau auf die Schilder achtet oder sich gut auskennt, weiss im Grenzgebiet, in welcher Gemeinde sie oder er sich gerade befindet.

Doch die politischen Grenzen sind Tatsache. Fakt ist aber auch, dass das grössere Baden schon in der Vergangenheit Nachbarorte eingemeindet hat, zuletzt 2023 Turgi.

Der Anstoss zum Zusammenschluss kommt dieses Mal aus Wettingen. EVP-Grossrat Lutz Fischer sagt in der «Aargauer Zeitung»: «Die Zeit, um über eine Fusion mit Baden nachzudenken, ist reif.»

Wettingen steckt in finanzieller Not

Der Hintergrund ist allerdings keine besonders günstige Situation, sondern die Finanznot Wettingens. Die Gemeinde schloss das vergangene Jahr mit einem Defizit von 6,4 Millionen Franken ab.

Für Fischer ist deshalb klar: Jetzt müsse gehandelt werden – bevor es zu spät sei. «Solange wir noch keinen Steuerfuss von 110 Prozent und eine noch höhere Verschuldung haben», sagt er. Besonders deutlich wird er bei seiner Metapher: «Wettingen ist aktuell noch eine attraktive Braut für Baden.» In zehn oder fünfzehn Jahren sei es für die Hochzeit zu spät. Irgendwann könnte Wettingen wie einst Neuenhof abgewiesen werden.

Zusammen käme die neue Stadt auf rund 46’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit wäre Baden-Wettingen die elftgrösste Stadt der Schweiz. Aktuell liegen die beiden Nachbarorte auf den Plätzen 40 und 46, wie die Bevölkerungszahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

SVP dagegen und auch Team Baden nicht begeistert

Kritisch stellt sich die Wettinger SVP zur Fusion mit Baden. Für Fraktionspräsident Martin Fricker steht fest: «Eine Fusion löst unsere Probleme nicht.» 

Die Partei «Team Baden», die die Fusion mit Turgi aktiv vorantrieb, zeigt sich grundsätzlich offen. Sie fordert seit Jahren, den Ostaargau stärker als Gesamtregion zu denken. Bereits 2021 warb die Gruppierung auf einem Flyer mit einem roten Herz symbolisch um Wettingen.

Heute klingt der Ton allerdings vorsichtiger. Das Team Baden fordert in der «Aargauer Zeitung» weniger «Zwangsheirat» und mehr freiwillige Partnerschaften. Und es ist just die Finanzlage, die für die Partei gegen einen baldigen Zusammenschluss spricht: «Die Gemeinden sollten aufhören, die Fusionsfrage in reaktiven (Finanz-)Zwängen und aus der Not heraus zu denken.»

Man wünsche sich langfristige und grössere regionale Lösungen, was sich als schrittweise Integration gleich einer Handvoll Gemeinden interpretieren lässt, statt nur mit dem nächsten Nachbarn.

Einen Seitenhieb teilt Team Baden in der Aargauer Zeitung auch noch aus:  «Leider hat Wettingens Selbstverständnis als Dorf bis anhin wenig Spielraum für regionale und urbane Entwicklung zugelassen.»

FDP ist kritisch

Die FDP hält wenig von den Fusionsplänen. Es sei wichtig für die Region Baden-Wettingen, dass alle Gemeinden eigenständig, finanziell gesund und handlungsfähig bleiben. Auf Baden kämen ebenfalls finanzielle Herausforderungen zu. Darum sei eine Fusion aktuell «nicht zielführend.»

Und noch etwas wird deutlich: Aus Badener Sicht wäre eine Fusion mit Ennetbaden wohl naheliegender – nicht zuletzt wegen der soliden Finanzen beider Gemeinden.