Wie die Verhaftung eines Aargauer Arztes eine Verschwörungstheorie auslöste

tsha/dpa/SDA

16.4.2020 - 15:07

Ein Polizeieinsatz im Aargau vom vergangenen Wochenende sorgt für Wirbel (Archivbild).
Bild: Keystone

Die Corona-Krise sorgt für viel Verunsicherung. Manch einer nutzt die Lage, um krude Verschwörungstheorien zu verbreiten.

Am vergangenen Samstagabend kam es in Wettingen AG zu einem grossen Polizeieinsatz: Ein 58-jähriger, laut Polizei mutmasslich psychisch labiler Mann hatte zuvor Drohungen gegen Familienangehörige und Polizeibeamte ausgestossen. Nach seiner Festnahme wurde der Mann in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ein ganz normaler Polizeieinsatz, möchte man meinen. In Zeiten der Corona-Krise aber war die Verhaftung Ausgangspunkt für eine wilde Verschwörungstheorie.

So titelte etwa die rechtspopulitische Seite «Unser Mitteleuropa» unlängst: «Erster Corona-kriti­scher Arzt fest­ge­nommen und in Psych­ia­trie einge­lie­fert!» Und das unverdächtige Schweizer Portal «Medinside» schrieb unter dem Titel «Polizei verhaftet coronaskeptischen Aargauer Arzt» ebenfalls über den Fall. Der Hintergrund: Der verhaftete Arzt hatte sich auf Twitter immer wieder kritisch über das Vorgehen der Behörden in der Corona-Krise geäussert. Den Virologen Christian Drosten bezeichnete er als «Clown», ausserdem ätzte er gegen Bundesrat Berset.

«Man sollte nicht solche Falschmeldungen verbreiten»

«Ob ein Zusammenhang mit seinen coronaskeptischen Äusserungen und der Verhaftung besteht, ist unklar», schrieb «Medinside» zwar – stellte den Zusammenhang aber allein durch diesen Satz schon her. «Unser Mitteleuropa» verbreitete gar die in den sozialen Medien gerne geteilte These, die öffentlichen Äusserungen des Arztes hätten den Behörden ausgereicht, «um ihn als ‹Staatsfeind› und ‹Gefahr für die öffentliche Sicherheit› zu klassifizieren». Eine Verschwörungstheorie war geboren.

Alex Dutler, Sprecher der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur indes die ursprüngliche Darstellung der Polizei. Es habe der Verdacht bestanden, der Mann sei bewaffnet. Im Interview mit dem SRF sagte Dutler zudem, die Ermittler hätten im Haus eine Schusswaffe gefunden. Der Festgenommene sei nach Ansicht der untersuchenden Ärzte aus gesundheitlichen Gründen nicht haftfähig gewesen. Eine Verbindung zu den kritischen Äusserungen des Arztes gebe es nicht.

«Es waren seine Äusserungen in Kombination mit der Waffe, welche ein Problem geben könnten», so Dutler. «Deshalb mussten wir intervenieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass er als Corona-Kritiker im Internet auftritt. Es geht nicht darum ihn mundtot zu machen, wie teilweise kolportiert wird.» Dutler warnt, angesichts der Ausgangsbeschränkungen herrsche «eine angespannte Stimmung»: «Man sollte nicht solche Falschmeldungen verbreiten.»

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite