«Wir planen Zeiträume, in denen nur Risikopatienten einkaufen»

Jennifer Furer

16.3.2020 - 18:18

Im Glattzentrum in Zürich-Wallisellen befindet sich die grösste Migrosfiliale der Schweiz.
Keystone

Der Bund greift im Kampf gegen das Coronavirus erneut zu verschärften Massnahmen. Geschäfte werden geschlossen. Das hat auch Auswirkungen auf das Einkaufszentrum, das die grösste Migros-Filiale der Schweiz beherbergt.

Der Bund hat am Montag beschlossen: Geschäfte, die nicht zur Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung dienen, werden geschlossen. Diese Massnahme trifft das Glattzentrum in Zürich-Wallisellen in zweierlei Hinsicht.

Da sich dort die grösste Migros-Filiale der Schweiz befindet, müssen Vorkehrungen für einen möglichen Ansturm getroffen werden. Und: Die meisten Mieter müssen ihre Tore schliessen. Keine einfachen Aufgaben, sagt Glatt-Geschäftsführer Rageth Clavadetscher im Interview mit «Bluewin».

Herr Clavadetscher, was bedeutet der Shut Down für Ihr Einkaufszentrum?

Die Nachricht zu den verschärften Massnahmen kommt für uns nicht überraschend. Wir haben einen Shut Down schon länger geplant. Jetzt geht es darum, sinnvolle Massnahmen zu ergreifen und umzusetzen.

Was sind das für Massnahmen?

Wir müssen damit rechnen, dass es zu Anstürmen kommen wird. Der Besucherfluss muss optimiert werden. Dazu wird beispielsweise der Weg zu den Geschäften markiert, die noch geöffnet sind. Das sind etwa die Migros, der Denner und die Post. Auch logistische Aufgaben müssen wir jetzt angehen. Also etwa, wo wir die Einkaufswagen platzieren, sodass diese an jenem Ort sind, wo sie gebraucht werden.

Rageth Clavadetscher ist Geschäftsführer des Glattzentrums.

Wie gehen Sie vor, wenn Leute Hamsterkäufe tätigen wollen?

Wir appellieren an die Menschen, dass Hamsterkäufe nicht nötig sind. Die Grundversorgung ist gewährleistet. Unser Hauptmieter, die Migros, verfügt über eine eigene Lebensmittelproduktion, die sichergestellt ist.

Wäre eine Begrenzung der Einkäufe denkbar?

Je nach Situation und Ansturm stehen Fragen zu Kontingentierungen im Raum. Entscheiden tun wir dies als Vermieter aber nicht. Wir machen uns vor allem Gedanken um die Sicherheit, es soll alles geordnet zu und her gehen.

Wie stellen Sie sicher, dass auch Leute aus der Risikogruppe einkaufen gehen können?

Das ist ein Thema, welches uns sehr beschäftigt. Angedacht sind beispielsweise Zeiträume, in denen nur Leute aus der Risikogruppe gestaffelt einkaufen gehen können. Auch der Ausbau des Delivery-Services ist eine Möglichkeit. Wir haben noch keine konkrete Lösung. Wir müssen in Varianten denken.

Was halten Sie davon, wenn Leute für Menschen der Risikogruppe einkaufen gehen?

Wer Zeit hat, sollte unbedingt den Leuten, die Unterstützung brauchen, helfen. Wir werden im Einkaufszentrum auch Tafeln aufstellen, auf denen an die Hilfsbereitschaft der Kunden appelliert wird.

Was passiert nun bei den Geschäften, die nicht mehr geöffnet haben dürfen?

Wir schauen, dass ein geordneter Rückzug erfolgt. Dazu gehört auch die Sicherung der Geschäfte etwa mit Alarmsystemen. Beim Qualipet beispielsweise müssen wir schauen, dass die Versorgung der Tiere gewährleistet ist.

Müssen die 130 Geschäfte, die nicht mehr geöffnet haben dürfen, weiter Miete bezahlen?

Im Moment geht es in erster Linie darum, das Virus einzudämmen, sensible Menschen zu schützen und einen geordneten Ablauf zu gewährleisten. Alles andere wird danach angeschaut. Es kommt bei der Frage nach Mietzahlungen auch darauf an, wie lange die Geschäfte geschlossen bleiben müssen und wie es um die Wirtschaftlichkeit des dahinter stehenden Unternehmens steht. Jetzt gilt: Safety First!

Wie schützen Sie Ihre Mitarbeiter vor einer Ansteckung?
Für das Glattzentrum arbeiten momentan etwa 50 Leute, ausgenommen sind Mitarbeitende von externen Firmen. Wir setzen womöglich auf Home Office. Zudem schauen wir, dass nicht alle Mitarbeitenden gleichzeitig miteinander arbeiten.

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