Versäumnisse eingeräumt«Wir sind am meisten geschädigt», sagt der Gemeinde-Präsident nach Brand-Inferno
Sven Ziegler
6.1.2026
«Der Botschafter kann sagen, was er will»
Nach dem tödlichen Brand in der Bar Le Constellation mit 40 Todesopfern hat sich die Gemeinde Crans-Montana erstmals öffentlich geäussert.
06.01.2026
Nach dem tödlichen Brand in der Bar Le Constellation mit 40 Todesopfern hat sich die Gemeinde Crans-Montana erstmals öffentlich geäussert. Dabei räumten die Behörden Versäumnisse bei den Brandschutzkontrollen ein – und irritierten mit mehreren Aussagen.
Nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation hat die Gemeinde Crans-Montana am Dienstag erstmals umfassend Stellung genommen. Gemeindepräsident Nicolas Féraud trat gemeinsam mit Mitgliedern des Gemeinderats vor die Medien und bestätigte dabei ein behördliches Versäumnis.
«Wir sind immer noch zutiefst schockiert über das, was vor fünf Tagen passiert ist», sagte Féraud zu Beginn der Medienkonferenz. Man habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Unterlagen gesichtet und der Staatsanwaltschaft übermittelt. «Wir wollen uns nicht in strafrechtliche Ermittlungen einmischen», betonte der Gemeindepräsident, «aber wir werden nicht schweigen. Wir schulden den Opfern Transparenz.»
Die gesamte Medienkonferenz kannst du hier nachlesen:
Konkret bestätigte die Gemeinde, dass das Lokal zuletzt im Jahr 2019 kontrolliert worden sei. Davor habe es Überprüfungen in den Jahren 2017 und 2018 gegeben. Zwischen 2020 und 2025 seien jedoch keine regulären Brandschutzkontrollen durchgeführt worden. «Das bedauern wir zutiefst», sagte Féraud. Warum diese Lücke entstanden sei, wisse man derzeit nicht: «Darauf haben wir heute noch keine Antwort.»
Die Zuständigkeit für die Kontrollen liege beim Ressort Öffentliche Sicherheit. Dort seien fünf Personen beschäftigt, drei davon mit periodischen Kontrollen betraut. «Wir wussten nicht, dass diese Kontrollen nicht so durchgeführt wurden, wie sie hätten durchgeführt werden müssen», erklärte der Gemeindepräsident. Ein Widerspruch: Noch vor wenigen Tagen hatte er öffentlich erklärt, es habe «keine laschen Kontrollen» gegeben. Dazu sagte er nun: «Nein, zu dieser Aussage stehe ich heute nicht mehr. Damals wussten wir noch nicht, was wir jetzt wissen.»
«Niemand in der Gemeinde hatte eine Ahnung»
Zur baulichen Situation erklärte Féraud, dass der Eigentümer der Bar im Jahr 2015 einen Umbau zur Erstellung einer Veranda beantragt habe. Das Baugesuch sei öffentlich aufgelegt und bewilligt worden. «Für die späteren Innenarbeiten war kein Baugesuch notwendig», sagte er. Zudem sehe das Gesetz bei den periodischen Kontrollen keine systematische Prüfung der Materialqualität vor. Féraud betonte: «Im Gesetz steht nicht, dass wir auch Decken kontrollieren müssen.»
Unklar blieb, ob die im Lokal verbauten schallisolierenden Schaumstoffplatten zertifiziert waren. «Wir wissen nicht, ob diese Matten zertifiziert waren», sagte Féraud. Der damalige Sicherheitsbeauftragte sei der Meinung gewesen, «dass diese Materialien nicht kontrolliert werden mussten». Bei der Kontrolle im Jahr 2019 seien dazu keine Beanstandungen festgehalten worden.
Auch zum Einsatz von Wunderkerzen in der Bar äusserte sich der Gemeindepräsident. Von entsprechenden Risiken habe die Gemeinde keine Kenntnis gehabt. «Der Barbetreiber war extrem fahrlässig», sagte Féraud. «Er hat Risiken auf sich genommen, die man nicht verantworten kann. Aber niemand von uns in der Gemeinde hatte eine Ahnung, was sich in dieser Bar abspielte.»
«Wir sind am meisten geschädigt»
Als Reaktion auf die Tragödie kündigte die Gemeinde mehrere Sofortmassnahmen an. Ein externes Fachbüro soll sämtliche öffentliche Betriebe auf dem Gemeindegebiet überprüfen. Zudem gilt ab sofort ein Verbot von pyrotechnischen Gegenständen in geschlossenen Räumen. «Wir werden künftig alle verwendeten Materialien überprüfen lassen – auch dort, wo das Gesetz es nicht ausdrücklich verlangt», sagte Féraud.
Für Diskussionen sorgte der Entscheid der Gemeinde, sich im Strafverfahren als Nebenklägerin zu positionieren. «Wir betrachten uns als Opfer dieses Dramas», sagte Féraud. «Wir sind stark geschädigt – wir sind am meisten geschädigt, vor allen anderen.» Durch den Beitritt als Nebenklägerin wolle man Zugang zu relevanten Akten erhalten. Ob die Gemeinde tatsächlich als Nebenklägerin zugelassen werde, müsse die Justiz entscheiden.
Der Gemeinderat von Crans-Montana hat am Dienstag sofortige Massnahmen ergriffen, um den Brandschutz zu verbessern.
sda
Rücktrittsforderungen wies der Gemeindepräsident erneut zurück. «Nein, es geht nicht um Rücktritt», sagte er. «Man verlässt das sinkende Schiff nicht.» Persönlich zeigte er sich jedoch stark belastet. Auf die Frage nach Schuldgefühlen sagte Féraud: «Es war eine unglaublich schwierige Woche. Niemand kann einen auf eine solche Tragödie vorbereiten. Ich werde diese Last mein ganzes Leben lang tragen.»
Die Gemeinde betonte abschliessend, weiterhin eng mit der Justiz zusammenzuarbeiten. «Die Justiz wird klären, welchen Einfluss diese Kontrolllücke in der Kausalkette hatte», sagte Féraud. «Die Verantwortung, die uns zugewiesen wird, werden wir übernehmen.»
Brandschutzexperte: «Das hätte nicht passieren dürfen»
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