Kirchenstreit eskaliertBistum verbannt beliebten Priester – in Aargauer Gemeinde brodelt es
Samuel Walder
28.1.2026
Die Kirchengemeinde Menziken-Reinach streitet. Ein Pfarrer soll weiter gearbeitet haben, obwohl im gekündigt wurde.
Katholische Kirche Schweiz
Ein Priester im Kreuzfeuer, ein Kirchenpflegepräsident mit Vorgeschichte, schwere Vorwürfe von Wirtschaftskriminalität – in Menziken-Reinach AG tobt ein Kirchenkonflikt.
Das Bistum Basel hat dem Priester Luis A. Reyes Gomez jegliche seelsorgerische Tätigkeit untersagt, da er nach Ende seiner Anstellung weiterhin Gottesdienste leitete.
Kirchenpflegepräsident Martin Sigg widersetzt sich dem Verbot und verweist auf eine durch Wirtschaftskriminalität erschütterte Gemeinde, in der Reyes dringend gebraucht werde.
Der Streit offenbart tiefgreifende Konflikte innerhalb der Kirchgemeinde Menziken-Reinach, inklusive laufender Strafanzeigen und Vorwürfen gegen Mitglieder der Kirchenleitung.
Zwei unscheinbare Meldungen im Pfarrblatt «Lichtblick», dem Pfarrblatt der römisch-katholischen Kirchgemeinde Menziken-Reinach AG, sorgen für helle Aufregung – und werfen ein Schlaglicht auf ein Drama, das in der Wynentaler Kirchwelt längst für Unruhe sorgt, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt.
Mit einem offiziellen Dekret untersagt das Bistum Basel dem Priester Luis A. Reyes Gomez «jegliche pastorale oder betreuerische Tätigkeit» im Bistum.
Begründung: Reyes habe weiterhin Gottesdienste gehalten, Taufen durchgeführt und Beerdigungen geleitet – obwohl seine offizielle Anstellung im Sommer 2024 endete und er laut Bistumsleitung längst nach Lugano zurückkehren sollte.
Doch der Seelsorger blieb – und mit ihm der Konflikt.
Kirchenpflegepräsident Sigg stellt sich quer
Unmittelbar unter der amtlichen Mitteilung im Pfarrblatt folgt ein Konter aus der eigenen Kirchenleitung: Präsident Martin Sigg, selbst kein Unbekannter in internen Auseinandersetzungen, appelliert offen an den Bischof, das Verbot zurückzunehmen, heisst es in der «Aargauer Zeitung». Seine Begründung: Die Gemeinde brauche Padre Reyes «dringend», um «den Schaden zu bewältigen», den eine Gruppe mutmasslich Wirtschaftskrimineller angerichtet habe.
Ein brisanter Vorwurf – und ein tiefer Riss zwischen Kirchenpflege und Bistum.
Sigg hat selbst eine Disziplinarstrafe kassiert und steht wegen einer eskalierten Kirchgemeindeversammlung im Visier einer Untersuchung. Doch in Sachen Reyes ist er überzeugt: «Seit Anfang August war Padre Luis Reyes viele Male als Stellvertreter tätig – das ist erlaubt», sagt er der Aargauer Zeitung. Ein Schreiben des Generalvikars stütze diese Einschätzung. Das Bistum Basel sieht das offenbar anders.
Ein Seelsorger unter Verdacht – oder Hoffnungsträger?
Reyes, der seit 2014 in der spanischsprachigen Mission Aarau und später als Kaplan in Menziken-Reinach tätig war, wurde von der Gemeinde geschätzt. 550 Menschen unterschrieben eine Petition für seinen Verbleib – erfolglos. Nach dem offiziellen Ende seiner Amtszeit im Sommer 2024 arbeitete Reyes dennoch weiter – vor allem bei Trauungen, Taufen und in der Jugendarbeit. Ein Regelbruch?
Das Bistum droht nun mit weiteren Schritten. «Wir gehen davon aus, dass er sich an das Verbot hält», so Sprecher Jonas Spirig. «Ein Verbot wiegt immer schwer – zum Glück ist es eine seltene Massnahme.»
Was steckt hinter dem Kirchenstreit?
Die Kirche Menziken-Reinach steckt offenbar tiefer im Schlamassel, als viele vermuten. Sigg spricht von gravierenden Missständen: Ein Architekt habe jahrelang 10’000 Franken jährlich als Bauberaterhonorar kassiert – ohne öffentliche Ausschreibung für das Bauprojekt. Als Kritiker sei man auf taube Ohren gestossen. Sigg und Pastoralraumpfarrer Piotr Palczynski hätten versucht, den Fall zu stoppen – vergeblich.
Stattdessen, so Siggs Interpretation, wurde mit der Abberufung von Reyes ein unliebsamer Mitstreiter entfernt. Sigg legte daraufhin Strafanzeige gegen vier Personen ein, darunter der Architekt und Mitglieder der Kirchenpflege und Finanzkommission. Die Staatsanwaltschaft ermittelt – doch es gilt die Unschuldsvermutung.
Ein Priester der Armen – oder ein Unruhestifter?
Trotz allem steht Sigg weiter zu Reyes: Der sei der Motor der Kirchgemeinde. «Er hat die Jugend erreicht, Austritte verhindert und Neueintritte ermöglicht.» Mit seinem «Charme, tiefem Glauben und seiner Nähe zu den Armen» sei Reyes unersetzlich.
Doch ob ihm das hilft? Aktuell schweigt der Priester. Eine Anfragen der «Aargauer Zeitung» liess er unbeantwortet, heisst es.