Offene Fenster wegen Hitze: Gibt es jetzt mehr Einbrüche?

Philipp Dahm/Silvana Guanziroli/Barbara Burzi

7.8.2018

Schlägt im Hitzesommer die Stunde der Einbrecher? In Bern gibt es mehr Fälle, seit die Temperaturen angestiegen sind.
Kapo BE

Leichtes Spiel für Einbrecher: Wenn am Tag die Sonne brennt, lüften Herr und Frau Schweiz nachts durch. Aber steigen deshalb auch die Einbruchszahlen? «Bluewin» hat nachgefragt – mit erstaunlichem Ergebnis.

Die Schweiz macht sich Luft: Die Hitzwelle mit ihren teilweise tropischen Temperaturen fordert ihren Tribut. Erst nach Sonnenuntergang kühlt sich die Luft noch ab – und ein Ende ist erst am Freitag in Sicht, wenn das Quecksilber nach Gewittern spürbar sinken wird. Bis dahin werden überall im Land wieder nachts Fenster aufgerissen, um die Wärme aus den eigenen Räumlichkeiten zu vertreiben.

Doch wer seine Fenster aufmacht, öffnet so auch ungebetenen Gästen Tür und Tor. Gemeint sind nicht etwa tierische Schmarotzer wie Mücke und Co, sondern menschliche Eindringlinge, die uns gleichfalls aussaugen: Einbrecher und Diebe finden dieser Tage beste Voraussetzungen, um in Häuser und Wohnungen einzusteigen. Ist der Hitzesommer für Langfinger nicht wie Weihnachten?

Helles Licht gegen Langfinger in Zürich: Die Zahl der Einbrüche ist seit den 90ern deutlich gesunken.
Keystone

Das hat Hitzegeplagten gerade noch gefehlt: Muss sich die Schweiz nun zwischen Sicherheit und Gesundheit entscheiden? So weit ist es noch nicht, beruhigt die Tessiner, Aargauer und Berner Kantonspolizei, denn die Zahl der Einbrüche ist nicht hier sondern im ganzen Land rückläufig. So macht derzeit die Hitzewelle wohl auch den Einbrechern zu schaffen und sie sind, wie ihre potentiellen Opfer grad selber in den Sommerferien.

Ein weiterer entscheidender Punkt für das Rekordtief bei den Einbruchszahlen: Die härtere Gangart der Polizei. 

Neue Strategien: Insgesamt weniger Einbrüche

Claudio Ferrari von der Präventionsabteilung der Tessiner Kantonspolizei bringt es auf den Punkt: «Dank gezielter Verhaftungen und Präventionskampagnen konnte die Zahl der Einbrüche in den Sommermonaten in den letzten fünf Jahren deutlich gesenkt werden.»

Und auch die Kapo Aargau hat solche Delikte zum «Schwerpunktthema» erklärt, wie Roland Pfister erläutert. «Seit einigen Jahren haben wir die Massnahmen gegen Einbrecher deutlich verstärkt: Wir sind in den Quartieren und Ortschaften als Polizei deutlich sichtbarer.» Diese Strategie habe sich ausgezahlt, so der Mediensprecher: «Tatsächlich bewegen sich die Einbruchszahlen derzeit auf sehr tiefem Niveau.»

Leichte Zunahme im Kanton Bern

Im Kanton Bern zeigt sich im Bereich der «Einschleichdiebstählen» ein etwas anderews Bild. Dabei handelt es sich um Fälle, bei denen der Täter durch unverschlossene Türen oder Fenster eindring. «Diese kommen erfahrungsgemäss das ganze Jahr über vor», sagt Dominik Jäggi, Mediensprecher der Berner Kantonspolizei. «Es ist aber tatsächlich so, dass wir – mit Blick auf den Wohnbereich – in den Sommermonaten jeweils einen leichten Anstieg der Fälle feststellen.»

Neben Hitzetagen droht am Jahresende Gefahr

Tatsächlich sind die Einbruchszahlen seit einigen Jahren Rückläufig. Das zeigt ein Blick auf die Statistiken aus den 1990er Jahren. Damals hat es pro Jahr im Kanton Aargau etwas über 5000 Fälle gegeben. 2017 waren es bloss noch 1500. «Es gibt pro Woche im Schnitt zehn Wohnbereich-Einbrüche im ganzen Kantonsgebiet, was deutlich weniger ist also noch vor einem Jahr», macht Pfister deutlich.

Neben der Hitze-Periode hätten solche Taten ausserdem am Jahresende Saison. «Wir verzeichnen vor allem rund um die Weihnachtszeit und Silvester die meisten Vorfälle.» In der Hauptstadt und deren Umland ist die Entwicklung ähnlich: «Ganz generell ist im Kanton Bern die Gesamtanzahl der Einbruch- wie auch Einschleichdiebstähle in den letzten Jahren rückläufig», bestätigt Dominik Jäggi.

Dennoch sollte niemand unvorsichtig sein, betont der Aargauer Roland Pfister: «Wir empfehlen den Menschen auch bei Hitze darauf zu achten, dass offene oder gekippte Fenster potentiellen Tätern den Einstieg in ein Haus oder eine Wohnung nicht unnötig erleichtern.» Kollege Jäggi ergänzt: «Selbst bei kürzeren Abwesenheiten empfehlen wir, beim Verlassen der Wohnung Fenster und Türen stets ganz zu schliessen.» Weitere Tipps für die Sicherheit der eigenen Wände hat die Kapo Bern auf dieser Website zusammengestellt.

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