Faktencheck zur Zeitumstellung: Wie stark sind die Folgen wirklich?

Von Alexandra Stober, dpa

26.10.2019

Es ist wieder soweit: In der Nacht von Samstag auf den Sonntag werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt.
Dpa

Waaas?! 7 Uhr? Fühlt sich aber nicht so an. Die Zeitumstellung kann einen aus dem Rhythmus bringen. Doch nur wer grundsätzlich und langfristig schlecht schläft, dessen Gesundheit ist in Gefahr.

Die Abstimmung zwischen äusseren Einflüssen und der inneren Uhr funktioniert ziemlich gut, so auch der Schlaf-Wach-Rhythmus. Wenn nur nicht jedes halbe Jahr die Zeitumstellung dazwischen käme. Doch wie stark beeinflusst sie uns tatsächlich? Und welche Folgen hat es, wenn man langfristig zu wenig schläft?

1. Behaupttung: Es dauert Wochen, um sich von der Zeitumstellung zu erholen.

Die Antwort: Wie die jüngere Forschung festhält, trifft das auf bestimmte Menschen zu. Ein Beispiel dafür ist die Meta-Studie des des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Sie zeigt auf, dass  sich der biologischen Rhythmus bei manchen Menschen etwas langsamer harmonisiert.

Die Gründe: Der Zeitsprung unterbricht die Anpassung an die jahreszeitlich bedingten Veränderungen. «Durch die Umstellung wird man gezwungen, das Aufwachen um eine Stunde vor oder nach hinten zu verschieben. Deshalb gerät die Harmonie zwischen dem Äusseren und der inneren Uhr durcheinander», erklärt Gregor Eichele. Der Leiter der Abteilung Gene und Verhalten am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie beschäftigt sich damit, wie Moleküle den biologischen Rhythmus beeinflussen. Die Stunde Verschiebung werde besonders von den Menschen bemerkt, die einen regelmässigen Schlafrhythmus hätten, so Eichele.

Die innere Uhr des Menschen lässt viele Prozesse in Zyklen von rund 24 Stunden ablaufen – etwa Veränderungen der Körpertemperatur und des Blutdrucks, die Ausschüttung von Hormonen sowie den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Zeitumstellung passiert um drei Uhr nachts.
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2. Behauptung: Zu wenig Schlaf macht krank.

Die Antwort: Das stimmt. Wer dauerhaft zu wenig oder schlecht schläft, dessen Wohlbefinden und Gesundheit sind gefährdet. Dabei geht es um direkte Auswirkungen und um langfristige Risiken. So leiden zunächst die kognitiven Fähigkeiten. Schon nach wenigen Tagen Schlafmangel sind die meisten Menschen unkonzentrierter, vergesslicher, und sie reagieren messbar langsamer.

Die Gründe: Wenn man über einen längeren Zeitraum schlecht schlafe, gehe das an die Gesundheit, erklärt der renommierte deutsche Schlafforscher Ingo Fietze in einem Interview mit «Zeit online». «Die Blutzuckerwerte erhöhen sich, das Diabetesrisiko steigt, und das Immunsystem beginnt zu schwächeln.»

Darüber hinaus zeigen Studien aus verschiedenen Ländern, dass Menschen, die langfristig schlecht schlafen, ein erhöhtes Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Der Schlafbedarf ist zwar von Mensch zu Mensch verschieden. Doch die Empfehlung der «American Academy of Sleep Medicine» lautet: Mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht sollten es bei einem Erwachsenen sein, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Wer über längere Zeit schlecht oder gar nicht schläft, dessen Gesundheit ist gefährdet.
Keystone

3. Behaupt: Wer von dem Schlafengehen lange aufs Smartphone schaut, schläft schlechter ein.

Die Antwort: Das kann für einzelne zutreffen. Schuld ist dann der meist hohe Anteil an blauem Licht, mit dem die Bildschirme von Smartphones und Computern arbeiten. Das kurzwellige Licht sorgt dafür, dass man wach bleibt.

Die Gründe: Das Licht bremst die Ausschüttung des Hormones Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers regelt. Bei fehlendem (Tages-)Licht wird es aus den körpereigenen Speichern ins Blut abgegeben, und man wird müde. «Der grösste Schlafkiller der jüngeren Geschichte ist definitiv die Entwicklung des elektrischen Lichts», so Ingo Fietze.

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