Selbst Blocher war für Rückzug Zoff bei der SVP? Volk hätte nie über SRG-Initiative abstimmen sollen

Petar Marjanović, Bern

14.3.2026

Christoph Blocher zu SRG-Initiative-Rückzug

Christoph Blocher zu SRG-Initiative-Rückzug

Das Volk hätte nie über die SRG-Initiative abstimmen sollen: Der Initiator der sogenannten «Halbierungsinitiative» wollte laut «Weltwoche» die Initiative vor dem Urnengang zurückziehen.

14.03.2026

Das Volk hätte nie über die SRG-Initiative abstimmen sollen: Der Initiator der sogenannten «Halbierungsinitiative» wollte laut «Weltwoche» die Initiative vor dem Urnengang zurückziehen. 

Petar Marjanović, Bern

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die SVP streitet nach der deutlichen Niederlage bei der SRG-Initiative darüber, ob ein Rückzug im Herbst 2025 klüger gewesen wäre.
  • Initiant Thomas Matter wollte laut «Weltwoche» die Volksinitiative früh stoppen, während Gregor Rutz und der Gewerbeverband dagegenhielten.
  • Alt-Bundesrat Christoph Blocher stellt sich nun auf Matters Seite und spricht von einer vermeidbaren Blamage.

Die deutliche Niederlage bei der SRG-Abstimmung sorgt in der SVP für heftige Spannungen. Am vergangenen Sonntag sagten 62 Prozent der Stimmberechtigten Nein zur Volksinitiative «200 Franken sind genug!». Das Begehren wollte die Medienabgabe halbieren. Kein einziger Kanton stimmte zu. Damit wurde ein zentrales Projekt der SVP, Teilen der FDP und des Gewerbeverbands klar verworfen.

Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, hat innerhalb der Partei das grosse Schuldzuweisen begonnen. Im Fokus stehen die beiden SVP-Nationalräte Thomas Matter und Gregor Rutz. Die Zeitung stützt sich dabei auf Recherchen der «Weltwoche».

Die SRG-Initiative wurde in vielen Regionen deutlich abgelehnt.
Die SRG-Initiative wurde in vielen Regionen deutlich abgelehnt.
KEYSTONE

SRG-Initiative-Rückzug war im Dezember 2025 ein Thema

Laut den Berichten wollte SVP-Nationalrat Thomas Matter, Initiator der SRG-Initiative, das Projekt bereits im letzten Jahr zurückziehen. Er verwies damals auf das Gegenprojekt von SVP-Bundesrat Albert Rösti, der die Gebühr auf 300 Franken senken will. Das sei bereits ein Erfolg, meinte Matter. Gregor Rutz und der Gewerbeverband unter Präsident Fabio Regazzi widersprachen.

Ein Rückzug wäre politisch falsch gewesen, wie sich Regazzi von der «Aargauer Zeitung» zitieren lässt: «Wir waren im Herbst grundsätzlich gegen einen Rückzug der Initiative, weil wir die von Bundesrat Rösti vorgesehene Entlastung der Unternehmen als ungenügend erachten. Den Abstimmungskampf hätten wir aber sicher nicht alleine geführt.»

Matter habe den Rückzug selbst im Dezember 2025 gewollt. Doch sein Parteikollege Rutz drohte laut dem SVP-nahen Magazin, das Vorhaben publik zu machen. Danach blieb die Partei auf Kurs. Die Ja-Kampagne startete verspätet und wirkte lustlos.

Das fiel auch Gegnern der Initiative auf, wie sie am Abstimmungssonntag zu blue News sagten: So sei ihnen aufgefallen, dass die SVP plötzlich mit der Kampagne deutlich zurückgefahren sei. 

Die Enttäuschung beim SVP-Lager war am Abstimmungssonntag gross.
Die Enttäuschung beim SVP-Lager war am Abstimmungssonntag gross.
KEYSTONE

Blocher war auch für Rückzug

Die Niederlage hat nun interne Folgen. Alt-Bundesrat Christoph Blocher sagte in seiner Sendung «Tele Blocher», er wäre ebenfalls für einen Rückzug gewesen. 

Interne Kritiker monieren laut der «Weltwoche» zudem, die Blamage wäre vermeidbar gewesen, hätte man rechtzeitig die Notbremse gezogen. Bei einem Rückzug hätte man den Druck auf die SRG aufrechterhalten und mit einer neuen Initiative drohen können. Nun, mit lediglich 38 Prozent Ja-Stimmen, sei die frühere «Position der Stärke» auf absehbare Zeit verspielt.

Gregor Rutz hingegen verteidigte das Festhalten an der Initiative. Am Abstimmungstag zeigte er sich gegenüber «Watson» zufrieden mit dem Verlauf und meinte, das Volk habe im Grunde dem Vorschlag des Bundesrats zugestimmt.