Keine Eröffnung 2028 Nach Mega-Streit vergibt Zoo Zürich Millionen-Auftrag ins Ausland

Sven Ziegler

8.5.2026

Der Bau der neuen Pantanal-Voliere im Zürcher Zoo schreitet voran.
Der Bau der neuen Pantanal-Voliere im Zürcher Zoo schreitet voran.
sda

Nach monatelangem Streit um die neue Pantanal-Voliere kommt im Zoo Zürich wieder Bewegung ins Projekt. Der Auftrag für die riesige Stahlkonstruktion geht definitiv an zwei ausländische Spezialfirmen – die ursprünglich geplante Eröffnung 2028 ist aber nicht mehr zu halten.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Zoo Zürich vergibt den Bau der Pantanal-Voliere an die slowakische Firma Stakotra und den italienischen Stahlbauer Cimolai.
  • Die frühere Schweizer Auftragnehmerin Baltensperger verlor den Auftrag nach Streit über Qualität, Termine und Präzision.
  • Der Aufbau soll im Spätsommer beginnen, die ursprünglich geplante Eröffnung 2028 ist definitiv nicht mehr möglich.

Nach dem monatelangen Streit um die Pantanal-Voliere hat der Zoo Zürich neue Partner gefunden. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, übernehmen künftig zwei international tätige Spezialfirmen den Bau der 11'000 Quadratmeter grossen, frei tragenden Konstruktion.

Den Zuschlag erhalten die slowakische Firma Stakotra und der italienische Stahlbauer Cimolai. Zoo-Direktor Severin Dressen bestätigte gegenüber der Zeitung, dass die letzten Verträge vor wenigen Tagen unterzeichnet wurden.

Damit ist klar: Der Auftrag geht nicht mehr an eine Schweizer Firma, sondern definitiv ins Ausland.

Schweizer Stahlbauer verlor Auftrag

Ursprünglich hätte die Baltensperger AG aus Höri im Zürcher Unterland die Voliere bauen sollen. Doch der Zoo löste den Vertrag im Dezember 2025 auf.

Laut Zoo erfüllte Baltensperger die vertraglichen Vorgaben weder qualitativ noch zeitlich. Selbst nach einer zusätzlichen Frist sei es der Firma nicht gelungen, die Stahlkonstruktion in der verlangten Präzision zu liefern.

Baltensperger wies die Vorwürfe zurück und kritisierte den Zoo scharf. Die geforderte Toleranz von nur fünf Millimetern sei unnötig streng und mit vertretbarem Aufwand kaum einzuhalten gewesen. Zudem seien die Baupläne nach Vertragsabschluss stark verändert und verkompliziert worden. Der Zoo bestreitet diese Darstellung.

Der Streit eskalierte, die Firma geriet in Nachlassstundung, später wurde über sie der Konkurs verhängt. Rund 70 Arbeitsplätze konnten laut Bericht dank einer Auffanggesellschaft gerettet werden.

Achterbahn-Bauer und Tschornobyl-Spezialisten

Die neuen Firmen bringen laut Zoo genau jene Spezialkenntnisse mit, die für das Projekt nötig sind.

Stakotra aus der Slowakei übernimmt die Unterkonstruktion und die Montage. Die Firma ist unter anderem für spektakuläre Achterbahnen bekannt, darunter die «Formula Rossa» in Abu Dhabi und die «Falcon’s Flight» in Saudiarabien.

Cimolai aus Italien liefert die frei tragenden Stahlbögen. Das Unternehmen baute unter anderem die Stahlbögen des Zentrum Paul Klee in Bern und die gigantische Schutzhülle über dem havarierten Atomreaktor von Tschornobyl.

Für den Zoo ist die Aufteilung auf zwei spezialisierte Firmen ein Vorteil. Die Unterkonstruktion und die Stahlbögen können parallel produziert werden, was den Bau beschleunigen soll.

Eröffnung 2028 ist vom Tisch

Ganz schnell wird es trotzdem nicht gehen. Zunächst müssen die Stahlteile in Italien und der Slowakei produziert werden. Der eigentliche Aufbau auf dem Zürichberg soll voraussichtlich im Spätsommer beginnen.

Andere Arbeiten an der Pantanal-Anlage laufen bereits weiter. Die Innenanlagen sind laut Zoo grösstenteils fertig, Krallenaffen hätten ihre neuen Bereiche bereits bezogen. Auch die Vögel sollen demnächst einziehen.

Klar ist aber: Die ursprünglich geplante Eröffnung im Jahr 2028 lässt sich nicht mehr einhalten.

Zoo-Direktor Dressen gibt sich dennoch erleichtert. Entscheidend sei derzeit, dass es beim Bau endlich wieder vorwärtsgehe.


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