Lagerküche muss umstellenSchüler essen nach links-grünem Entscheid mehr Vegi-Menüs
Sven Ziegler
1.12.2025
Für die Zürcher Schüler gibt es im Lager weniger Fleisch.
Oliver Berg/dpa
Das beliebte Herbstlager in Fiesch VS wird teurer – und politischer. Die Stadt Zürich erhöht den Beitrag deutlich, gleichzeitig verschärft die linke Ratsmehrheit die Anforderungen an Ernährung und soziale Durchmischung.
Eigentlich gilt das Fiesch-Lager als unbeschwerter Höhepunkt vieler Zürcher Schuljahre. Doch im Gemeinderat entwickelte sich vergangene Woche die Finanzierung des Angebots zu einer Grundsatzdebatte über Fairness und Klimapolitik. Der Stadtrat begründete die Erhöhung des jährlichen Beitrags von 150’000 auf 260’000 Franken mit steigenden Preisen im Feriendorf sowie höheren Entschädigungen für Leitungspersonal. Dieser Punkt war unbestritten. Alles Weitere nicht.
Besonders emotional wurde die Diskussion, als es um das Essen ging, schreibt der «Tages-Anzeiger». Die links-grüne Mehrheit forderte, dass künftig weniger Fleisch auf die Teller kommt und die Menüplanung stärker auf pflanzliche Basis gestellt wird. Die Vorgaben sollen sich an den städtischen Klimazielen orientieren und die Standards aus Zürcher Schulmensen ins Wallis übertragen. Der Fleischkonsum pro Person müsse um zwei Drittel sinken, und diese Vorgaben sollen auch in Kantonen gelten, in denen Zürcher Jugendliche ihre Lagerwochen verbringen, argumentierte die links-grüne Mehrheit.
Der Widerstand kam prompt. Bürgerliche warnten vor «Umerziehung» und einem Eingriff in die Traditionen der Walliser Küche. Im Lager gebe es heute schon stets ein Menü ohne Fleisch sowie ein Salatbuffet. Die Köche bräuchten keine politischen Vorgaben, sagte FDP-Ratsmitglied Roger Meier. Doch die Mehrheit setzte sich durch.
Nur noch an drei Tagen Fisch oder Fleisch
Im Sport Resort Fiesch, wo die Diskussionen aus Zürich am vergangenen Wochenende plötzlich für volle Posteingänge sorgten, nimmt Direktorin Barbara Moosmann gegenüber dem «Walliser Boten» die neue Aufmerksamkeit mit einer Mischung aus Freude und Pragmatismus zur Kenntnis. Man sei erfreut darüber, dass das Lager im Stadtparlament überhaupt eine so grosse Rolle gespielt habe, sagt sie.
Gleichzeitig betont sie, dass man sich davon nicht aus der Ruhe bringen lasse. Die neuen Menüanforderungen seien für das Haus zwar Neuland, aber keinesfalls ein Problem.
Doch bei aller Offenheit müsse das Gleichgewicht zwischen Aufwand und Preis erhalten bleiben, betont Moosmann weiter. Das Sport Resort biete sehr tiefe Pensionspreise an. «Wenn der Aufwand wegen Extrawünschen in Zukunft noch mehr zunimmt, werden wir uns irgendwann die Frage stellen müssen, inwiefern wir das Gleichgewicht noch halten können.»
Künftig will das Resort den Zürcher Gruppen nur noch an drei Tagen pro Woche Fleisch oder Fisch anbieten. Für Moosmann ist das machbar, solange die Erwartungen nicht ins Unendliche wachsen und klar bleibt, dass ein Lagerbetrieb immer Kompromisse erfordert.