Showdown in SchwamendingenZürcher SP verweigert Ständerat Daniel Jositsch eine weitere Amtszeit
SDA
29.5.2026 - 04:59
Kann 2027 nicht wieder für die Zürcher SP zu den Ständeratswahlen antreten: Daniel Jositsch (l.) am Donnerstagabend bei der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der SP Kanton Zürich in Schwamendinen.
Bild:Keystone/Gaetan Bally
Die Zürcher SP hat Ständerat Daniel Jositsch die erneute Nomination verweigert. Der Entscheid an der Delegiertenversammlung fiel mit 109 zu 94 Stimmen knapp aus.
Keystone-SDA
29.05.2026, 04:59
29.05.2026, 07:10
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Die Delegierten der SP Kanton Zürich schicken ihren sozialliberalen Ständerat nicht erneut ins Rennen um einen Sitz im Bundeshaus.
Das Ergebnis zeigt die tiefe Spaltung zwischen dem siegreichen stramm linken Lager und dem unterlegenen gemässigten Flügel.
Ob die in der SP sehr populäre Nationalrätin Jacqueline Badran das Erbe antreten kann, ist offen.
Die Delegiertenversammlung der SP Kanton Zürich entschied am Donnerstagabend, ihren profilierten Amtsinhaber Daniel Jositsch nicht mehr für die Ständeratswahlen 2027 zu nominieren. 109 der 203 anwesenden Delegierten stimmten gegen den 61-jährigen Strafrechtsprofessor, 94 für ihn.
Jositsch, seit 2015 im Ständerat, reagierte gefasst. Er bedauerte das Resultat, das er als politisches Zeichen gegen den sozialliberalen Flügel der Partei deutete. Seine persönliche Zukunft liess er offen; er werde diese überdenken und dann informieren.
Das Ergebnis zeigt die tiefe Spaltung zwischen dem siegreichen stramm linken Lager und dem unterlegenen gemässigten Flügel. Dabei zeigte sich ein geografischer Graben: Die Pro-Jositsch-Sprecher stammten mehrheitlich aus ländlichen Gebieten oder der Agglomeration, die Gegner vor allem aus den Städten Zürich und Winterthur.
Abrechnung mit dem Bisherigen
In der Debatte vor dem Entscheid räumte Jositsch ein, dass einzelne seiner Positionen in gewissen Kreisen auf Ablehnung stossen. Er zeigte sich aber überzeugt, dass die SP als zweitgrösste Partei eine gewisse Breite und einen sozialliberalen Flügel brauche. «Wenn ihr mich wählt, müsst ihr mich aushalten, so wie ich bin», rief er den Delegierten zu. Auf Fragen zu seinen Bundesratsambitionen oder einer allfälligen wilden Kandidatur gab er keine konkrete Antwort.
Die Voten der Gegner glichen streckenweise einer Abrechnung. Jositsch wurde teils für Jahre zurückliegende Positionen kritisiert, wie etwa für Detailregelungen im Asylgesetz. Auch seine Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zur Beschwerde der Klimaseniorinnen sowie Widerstand aus feministischen Kreisen kosteten ihn die Unterstützung. Sein früherer Versuch, für die Wahl in den Bundesrat zu kandidieren, wurde ihm ebenfalls angekreidet.
Warnung vor möglichem Sitzverlust
Unterstützer warnten vor den Konsequenzen. Kantonsrätin Brigitte Röösli etwa betonte, dass man ohne Jositsch riskiere zu verlieren, und forderte ein Ende der Ausgrenzung. Ein Gewerkschafter hielt fest, dass die Partei sowohl Jositsch als auch Jacqueline Badran benötige.
Kantonsrat Rafael Mörgeli erinnerte daran, dass Emilie Lieberherr die letzte Zürcher SP-Ständerätin vor Jositsch war. Die Partei sei auch mit ihr nicht immer einverstanden gewesen und letztlich sei es zum Bruch gekommen. Differenzen müsse man austragen, eine öffentliche Abkanzlung sei aber nicht akzeptabel. Kantonsrat Thomas Marthaler empfahl «Lieber den Jositsch in der Hand, als Jacky auf dem Dach».
Ob die in der SP sehr populäre, 64-jährige Nationalrätin Jacqueline Badran das Erbe antreten kann, ist offen. Zumindest im Nominationsverfahren, das die Partei vor den Wahlen durchführen wird, dürfte sie beste Karten haben.
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