Fehler gefunden?
Jetzt melden
Hier gibt es freie Wohnungen: Oerlikon One lockt mit Luxus-Standard zu stolzen Preisen – und bleibt auf vielen Mietobjekten sitzen.
Oerlikon One Screenshot
Am Bahnhof Oerlikon stehen seit Monaten Dutzende Luxuswohnungen leer. Ein Experte hält sie für Fehl-Investitionen. Während Mieten im höchsten Segment sinken, bleiben bezahlbare Wohnungen in Zürich äusserst knapp.
In Zürich eine Mietwohnung zu finden ist Glücksspiel und Geduldsprobe in Einem. Oder eine Frage des Geldbeutels. Ein Beispiel dafür ist Oerlikon One, das ehemalige Swissôtel am grossen Bahnhof in Zürich Nord. 20 Wohnungen stehen dort leer – gleich viele wie vor sechs Monaten, schreibt der «Tages-Anzeiger». Immerhin, 104 Wohnungen im markanten Hochhaus sind belegt.
Eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung im 25. Stock – die Aussicht sei «atemberaubend» – kostet monatlich bis zu 7200 Franken. Zu viel offenbar, um Mieter*innen für die edlen Räumlichkeiten zu finden.
Und auch auf der anderen Seite des Bahnhofs finden Luxus-Wohnungen keine zahlungswilligen Bewohner*innen, wie der «Tages-Anzeiger» recherchiert hat. Dort stehen seit November 2025 40 der 61 neu erstellten Wohneinheiten leer. 3,5 Zimmer gibt es hier zwischen moderaten 2740 Franken und weniger bescheidenen 4950 Franken.
Insgesamt gibt es in Zürich nach wie vor kaum freie Mietwohnungen. Jedoch führen die leer stehenden hochpreisigen Angebote dazu, dass insgesamt die Mieten im Kanton Zürich leicht sinken, wie das Immobilien-Beratungsunternehmen Wüest und Partner festgestellt hat: um ein Prozent in den letzten sechs Monaten.
Sogar um 20 Prozent sind die Mieten im Hochpreis-Sektor gesunken, hat Immobilien-Ökonom Donato Scognamiglio berechnet. Einbezogen hat er Wohnungen, deren Miete umgerechnet auf 100 Quadratmeter mindestens 5500 Franken pro Monat beträgt.
Ein Vertreter der Maklerfirma Engel und Völkers erklärt dem «Tages-Anzeiger», dass es heute deutlich länger dauere, bis eine teure Immobilie verkauft sei. Luxus-Wohnungen an Orten, an denen Gutverdienende eher nicht wohnen wollen, seien besonders schwer vermittelbar. Da werde am Bedarf vorbei gebaut, urteilt der Immo-Verkäufer.
Das könnte auch das Problem der Edel-Mietwohnungen am wenig mondänen Bahnhof Oerlikon sein. Attraktive Wohnungen an Top-Lage gingen immer noch rasch weg, relativiert der Makler von Engel und Völkers.
Auf die durchschnittlichen Mieten in Zürich haben die sinkenden Luxus-Zinsen hingegen keinen Einfluss, hält Scogniamilio fest. Das sei, als ob auf dem Golfplatz der Kaviar etwas günstiger geworden wäre. Soll heissen, für Normalverdienende ändert sich auf dem Zürcher Wohnungsmarkt nichts. Bezahlbare Wohnungen bleiben Mangelware.