Hochhaus gestrichen Zürich verliert 60 Wohnungen wegen Bau-Streit

Sven Ziegler

4.3.2025

Direkt neben dem Lettenviadukt war das Bauprojekt geplant.
Direkt neben dem Lettenviadukt war das Bauprojekt geplant.
Screenshot Google Maps

Ein geplanter 70-Meter-Turm im Zürcher Kreis 5 wird nicht gebaut. Damit verschwinden auch 60 geplante Wohnungen. Das sorgt auch für Kritik.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Tellco Immobilien AG verzichtet auf den Bau eines 70-Meter-Hochhauses in Zürich West.
  • Statt 170 entstehen nur noch 109 Wohnungen – darunter keine gemeinnützigen.
  • Hochhausgegner sehen einen Erfolg, Kritiker sprechen von einer schädlichen Blockadehaltung.

Ein ambitioniertes Bauprojekt in Zürich West wird drastisch verkleinert: Die Tellco Immobilien AG hat den geplanten 70-Meter-Turm aus ihren Plänen gestrichen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. 

Stattdessen soll an der Heinrichstrasse nur eine sechsgeschossige Blockrandbebauung entstehen – mit deutlich weniger Wohnungen als ursprünglich vorgesehen.

Grund für die Entscheidung sind die komplizierten Bewilligungsverfahren in Zürich. Für den Bau des Hochhauses wäre eine Spezialbewilligung und ein privater Gestaltungsplan nötig gewesen. Doch in der Vergangenheit haben solche Verfahren oft politische Blockaden und juristische Rekurse ausgelöst – zuletzt beim Hardturmstadion. Tellco wollte dieses Risiko nicht eingehen.

Lob – aber auch Kritik

Mit der Reduktion auf ein kleineres Projekt spart sich die Immobilienfirma langwierige Verfahren. Allerdings entfallen dadurch 60 Wohnungen – darunter 30, die für gemeinnützige Zwecke vorgesehen waren. Der ursprünglich geplante Deal mit der Stadt, wonach Tellco im Gegenzug für die grössere Bauhöhe günstigen Wohnraum bereitgestellt hätte, hat sich somit erledigt.

Während Hochhausgegner das Ende des Projekts begrüssen, sorgt die Entscheidung auch für Kritik. FDP-Gemeinderat Hans Dellenbach spricht gegenüber dem «Tages-Anzeiger» von einer «schädlichen Verhinderungskultur», die in Zürich zunehmend Investoren abschrecke. «Es gibt viele Projekte, die durch politische und juristische Hürden verzögert oder blockiert werden – und das in einer Stadt, die dringend Wohnraum braucht», so Dellenbach.

So hätte der Turm auf dem Heinrich-Areal dereinst aussehen sollen.
So hätte der Turm auf dem Heinrich-Areal dereinst aussehen sollen.
www.jessenvollenweider.ch

Die Stadt Zürich wurde von der Planänderung überrascht. Das Baugesuch wird nun regulär geprüft, und die Bauarbeiten sollen frühestens 2026 beginnen. Der ursprüngliche Entwurf von 2019 ist damit endgültig Geschichte – und mit ihm die Hoffnung auf mehr erschwinglichen Wohnraum im Kreis 5.

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