«Es war zu einfach»Zwei Männer verhökern geklaute Vignetten für 100'000 Franken
Andreas Fischer
15.12.2025
Vignettenklau leicht gemacht: Zwei Männer machten jahrelang das grosse Geschäft mit gestohlenen Autobahnvignetten.
KEYSTONE
Es begann als beiläufiger Griff in einen Karton und wurde zum lukrativen Geschäft: Zwei Männer verkauften jahrelang gestohlene Autobahnvignetten. Vor Gericht erklärten sie jetzt, warum alles «zu einfach» war.
Ein Wachmann stahl zwischen 2021 und 2023 rund 8000 Autobahnvignetten aus einer Druckerei im Zürcher Oberland.
Zusammen mit einem Komplizen verkaufte er das Diebesgut für mehr als 100’000 Franken.
Die beiden Italiener legten ein Geständnis ab und zeigten sich vor Gericht reumütig. Sie wurden zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt.
Es wurde den Tätern zu einfach gemacht: «Plötzlich merkte ich, es gibt keine Kontrolle, es würde gehen», sagt einer von zwei Angeklagten, die sich kürzlich vor dem Bezirksgericht Uster ZH verantworten mussten. Er hatte zwischen 2021 und 2023 rund 8000 Autobahnvignetten aus einer Druckerei im Zürcher Oberland gestohlen und sie anschliessend mit einem Komplizen über diverse Kanäle verkauft, berichtet die «NZZ»
Für zehn bis 15 Franken über Facebook, Ricardo oder Zwischenhändler verhökert, haben die beiden Italiener mit dem Verkauf des Diebesguts mehr als 100’000 Franken eingenommen. Vor Gericht schilderten sie, wie ihre Masche funktionierte.
Einer der beiden Männer habe demnach in der Druckerei als Wachmann gearbeitet. Bei einem seiner Rundgänge habe er fehlerhaft produzierte Vignetten entdeckt, die vernichtet werden sollten: «Ich habe sie im Karton gesehen und einfach in den Rucksack gepackt», zitiert die «NZZ» aus der Gerichtsverhandlung.
Nachdem der Mann 2021 ohne Probleme rund 350 Vignetten gestohlen hatte, entwendete er ein Jahr später 3000 Stück und 2023 schliesslich gar 4600. Zusammen mit einem Bekannten bot er die Vignetten dann noch vor dem offiziellen Verkaufsstart für einen tieferen Preis als die offiziellen 40 Franken an.
«Dümmste Idee meines Lebens»
Die beiden Männer hatten vor der Verhandlung ein volles Geständnis abgelegt und zeigten sich bei Gericht reumütig. «Es ist fast noch schlimmer als Dummheit», gab sich der Wachman zerknirscht. «Es war die dümmste Idee, die ich je in meinem Leben hatte», fand sein Komplize. Als Bauleiter hatte er gar nicht schlecht verdient: «Ich frage mich immer noch, wie man so etwas machen kann, wenn man ja alles hat im Leben.»
Wegen des vollumfänglichen Geständnisses fand der Prozess in einem abgekürzten Verfahren statt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich im Vorfeld auf einen Deal geeinigt. Die beiden Männer wurden je zu 36 Monaten Freiheitsentzug verurteilt, von den sie sechs absitzen müssen. Dies ist in Halbgefangenschaft möglich. Die restlichen 30 Monate wurden bei einer Probezeit von zwei Jahren bedingt gesprochen.
Das Urteil sieht keinen Landesverweis für die beiden Männer vor, ordnet aber die Erstellung eines DNA-Profils an. Zudem müssen die Beschuldigten je 4500 Franken Verfahrens- und Gerichtsgebühren zahlen und der bestohlene Firma Schadensersatz in Höhe von 1480 Franken leisten.
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