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Georgina Rodriguez, die Partnerin von Cristiano Ronaldo, an der WM im Jahr 2022.
IMAGO/PA Images
Sogenannte «Spielerfrauen» wurden lange auf ihre Beziehung zu einem Fussballer reduziert. Doch dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert.
Es gab eine Zeit, in der Victoria Beckham weniger als ehemalige «Spice Girl»-Ikone oder erfolgreiche Modedesignerin wahrgenommen wurde, sondern vor allem als «WAG».
Der Begriff «WAG» steht für «Wives and Girlfriends» und bezeichnet die Ehefrauen und Freundinnen von prominenten Sportlern, insbesondere Fussballern. Geprägt wurde er in der britischen Boulevardpresse, wo er schnell zu einem Synonym für Glamour, Luxus und medialer Dauerpräsenz wurde. Der Begriff kam vor allem während der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auf.
Damals reiste die englische Nationalmannschaft nicht allein an: Im Fokus standen ebenso ihre Partnerinnen, angeführt von Victoria Beckham, die bald als «Queen of WAGs» bezeichnet wurde. Sie ist mit dem ehemaligen Fussballstar David Beckham verheiratet.
Die Aufmerksamkeit für die Frauen war so gross, dass sie zeitweise die sportlichen Leistungen der Mannschaft in den Schatten stellte. Ihr Aufenthalt im deutschen Baden-Baden entwickelte sich zum medialen Dauerereignis. Sie wurden nicht in Ruhe gelassen, sogar am Pool ihrer Hotels wurden sie damals von den Paparazzi belagert.

Victoria Beckham bei der WM 2006 in Deutschland: Ihr Erscheinungsbild entsprach dem damals prägenden «WAG»-Klischee, mit auffälliger Sonnenbrille und Designerhandtasche.
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Optisch prägten die «WAGs» ein klar erkennbares Bild: überdimensionierte Designerhandtaschen, grosse Sonnenbrillen sowie auffällige, oft glitzernde Outfits in kräftigen Farben. Dieses Erscheinungsbild blieb nicht ohne Folgen für die Modebranche.
Designer beobachteten mit Sorge ein Phänomen, das als «WAGlash» oder «WAG Fallout» bekannt wurde: Sobald ein Luxusartikel zu stark mit den «WAGs» assoziiert wurde, verlor er für andere Käuferinnen an Attraktivität.
Ein Beispiel: Die Birkin-Bag von Hermès, eines der begehrtesten Statussymbole der Modewelt, wurde durch ihre Omnipräsenz im Umfeld der englischen «WAGs» an der WM 2006 plötzlich zum Opfer ihres eigenen Erfolgs. Was zuvor als exklusiv galt, wurde durch die mediale Überinszenierung zum Massenphänomen – und damit für viele unattraktiv.
Obwohl England 2006 sportlich enttäuschte und im Viertelfinale gegen Portugal ausschied, kehrten viele «WAGs» mit lukrativen Werbedeals, Magazincovern und neuen Geschäftsmodellen nach Hause zurück.
Im deutschsprachigen Raum ist häufig von «Spielerfrauen» anstatt «WAGs» die Rede. Beide Bezeichnungen reduzieren Frauen jedoch auf ihre Beziehung zu einem männlichen Sportler.
Bereits 2010 stufte die britische Gleichstellungsbehörde EHRC das Akronym «WAG» als «beleidigend» und «potenziell sexistisch» ein. Die Kritik ist offensichtlich: Frauen werden damit primär über ihre Partner definiert, obwohl sie selbstverständlich eigenständige Persönlichkeiten sind.
Hinzu kam damals eine teils absurde Schuldzuweisung: Nach dem sportlichen Misserfolg von England wurden die Partnerinnen von Spielern und Funktionären öffentlich für die Leistungen der Mannschaft verantwortlich gemacht. Sie hätten die Spieler zu sehr abgelenkt.
Doch das Bild der «WAG» oder «Spielerfrau» hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Viele dieser Frauen sind längst selbst öffentliche Figuren, teils mit Millionen von Followern und eigenen, lukrativen Werbedeals. Ihre Rolle geht heute oft weit über die eines «Anhangs» hinaus.
Ein Beispiel dafür ist Georgina Rodriguez. Als sie 2016 Cristiano Ronaldo kennenlernte, arbeitete sie noch als Verkäuferin bei Gucci in Madrid. Heute ist die 32-Jährige eine der bekanntesten Spielerfrauen weltweit. Auf Instagram folgen ihr 72,6 Millionen Menschen. Durch Kooperationen mit Luxusmarken soll sie ein Vermögen von mehr als zehn Millionen US-Dollar aufgebaut haben. Sogar eine Netflix-Serie mit drei Staffeln und dem Titel «Ich bin Georgina» wurde gedreht.
Auch Antonela Roccuzzo, die Ehefrau von Lionel Messi, hat sich eine Karriere in der Öffentlichkeit eingeschlagen. Der Fussballspieler und Roccuzzo kennen sich seit ihrer Kindheit und wurde bereits als Teenager ein Paar. Die heute 38-Jährige studierte Zahnmedizin, wechselte später jedoch in den Bereich soziale Kommunikation. Schliesslich gab sie diese Karriere auf, um Messi für dessen Karriere nach Barcelona zu begleiten. Inzwischen zählt sie 39,3 Millionen Follower auf Instagram und ist als Model und Influencerin tätig.
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Viele Partnerinnen von Fussballspielern waren bereits vor der Beziehung in ihrer eigenen beruflichen Laufbahn erfolgreich. Ein Beispiel ist Carol Cabrino, die Ehefrau des brasilianischen Nationalspielers Marquinhos. Sie begann ihre Karriere als Sängerin und wurde durch eine Talentshow und Videos auf YouTube bekannt. Durch die Beziehung zum PSG-Star gewann sie zusätzlich internationale Aufmerksamkeit. Heute ist sie als Influencerin und Unternehmerin tätig und betreibt eine eigene Babykleidermarke.
Die diesjährige WM in den USA dürfte die Bekanntheit der Spielerfrauen deutlich erhöhen. Kaum ein anderes Sportereignis erzielt weltweit eine vergleichbare Aufmerksamkeit.
Neben dem Geschehen auf dem Platz rückt traditionell auch das Leben der Spieler abseits des Rasens in den Fokus von Fans und Medien. Bilder von den Tribünen, Auftritte bei Events oder Einblicke hinter die Kulissen verbreiten sich in den sozialen Netzwerken innert kürzester Zeit millionenfach.
Zudem bietet die WM auch eine globale Bühne, die neue Zielgruppen erschliesst und den eigenen Marktwert erhöhen kann. Denn viele Luxusmarken suchen gezielt nach prominenten Gesichtern, die während des Turniers besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Zusätzliche Werbeverträge, exklusive Kooperationen und langfristige Markenpartnerschaften könnten daher zu den Folgen der erhöhten medialen Präsenz zählen.
Das gilt aber natürlich nicht für alle «Spielerfrauen». Tatsächlich führen viele Partnerinnen von Fussballprofis ein bewusst zurückgezogenes Leben und stehen nicht im Rampenlicht. Sie arbeiten in klassischen Berufen, etwa im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich, in der Kommunikation oder in der Verwaltung.
Beispielsweise Anika Bissel, die Ehefrau des deutschen Torhüters Manuel Neuer: Sie arbeitet als Pilates-Trainerin. Auch Naima Corbin, die Ehefrau von Arsenal-Profi Eberechi Eze, verfolgt einen eigenen beruflichen Weg, sie hat am King’s College in London studiert und ist als Intensivpflegerin tätig.
Ob im Rampenlicht oder eben nicht, eines verbindet die Partnerinnen der Sportler trotzdem: Sie lassen sich nicht mehr so einfach auf die Beziehung zu einem Fussballer reduzieren. Der Begriff sagt inzwischen mehr über alte Klischees als über die Frauen selbst aus.