Staatsanwaltschaft ermittelt gegen SVP-Kandidat Stefan Locher

14.3.2019 - 15:58

Cédric Schild von der Plattform «Izzy» hat den SVP-Kandidaten überführt.
Screenshot Izzy

Stefan Locher (SVP) kandidiert in Zürich für den Kantonsrat und bietet gleich selbst Hilfe zum Ausfüllen der Stimmzettel an. Das hat Folgen.

SVP-Politiker und Augenarzt Stefan Locher hat sich eine aussergewöhnliche Wahlkampfstrategie ausgedacht. Für seine Kandidatur für den Zürcher Kantonsrat hat er Flyer verteilt, auf denen eine Hotline-Nummer abgedruckt ist, über welche er telefonische Beratung und Unterstützung beim «richtigen» Ausfüllen des Wahlzettels anbietet.

Diese hat sich der Journalist und Aktionskünstler, Cédric Schild, von der Plattform «Izzy» zu Nutzen gemacht. Mit verstellter Stimme und unter falschem Namen wählte er die Nummer und bat den Politiker um Hilfe. Dieser stimmte sogleich zu und empfahl als erstes, seinen SVP-Kollegen Guido Strassmann von der Liste zu streichen. «Er ist auf der Top-Position und macht nichts», so Locher.

Zu Unterschriftenfälschung angestiftet

Damit aber nicht genug. Als Schild den Politiker fragte, ob er auch gleich die Wahlzettel seiner Frau und seines Sohnes ausfüllen soll, bejahte dieser. Auch als Schild wissen wollte, ob er deren Unterschrift fälschen sollte, stimmte Locher zu und gab den Tipp, diese «etwas zu variieren». Er stellte dann auch sicher, dass der Anrufer die Wahlzettel «in drei verschiedene Couverts» steckt.

Zu guter Letzt lässt sich Locher noch dazu hinreissen, zu versprechen, einen Kaffee auszugeben oder einen Blumenstrauss als Dankeschön zu schicken, falls er die Wahl schaffen sollte – obwohl es nicht erlaubt ist, Geschenke als Wahlbestechung zu versprechen.

An Standaktion angegriffen und beleidigt

Besonders brisant sind Lochers Aussagen, da er nur kurz zuvor von «Izzy» interviewt wurde, und vehement behauptete, er weise Personen stets drauf hin, dass es illegal sei, den Wahlzettel für jemand anderen auszufüllen. Dass man einen Blumenstrauss verschenke, habe er ausserdem noch nie mitbekommen.

Stefan Locher war für eine Stellungnahme für 20 Minuten nicht erreichbar. Erst Ende Januar machte Locher Schlagzeilen, als er im Zürcher Kreis 4 vor der Migros von mehreren Unbekannten angegriffen wurde. «Das war erniedrigend», sagte Locher damals zu 20 Minuten. «Ich wurde bespuckt und lauthals als Mörder und Menschenhasser beschimpft. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun.»

Die Staatsanwaltschaft Zürich hat erste Vorermittlungen eingeleitet, wie Sprecher Erich Wenzinger auf Anfrage sagt. Weitere Auskünfte könne man wegen den laufenden Vorermittlungen nicht erteilen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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