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Jetzt meldenMuss vier Jahre ins Gefängnis: Marius Borg Høiby und Mama Mette-Marit. (Archivbild)
Bild: dpa
Ausufernde Partys, Drogen, Ex-Freundinnen und schockierende Vorwürfe: Der Fall Høiby hat Norwegen monatelang in Atem gehalten. Jetzt wurde der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit zu vier Jahren Haft verurteilt.
Ein Gericht in Oslo hat das Urteil gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, verkündet. Der 29-Jährige wurde in 34 verschiedenen Straftaten schuldig gesprochen und muss vier Jahre ins Gefängnis. Vier Frauen muss der Norweger insgesamt 580'000 Kronen (rund 48'249 Schweizer Franken) Entschädigungen zahlen, darunter zwei Ex-Freundinnen.
Høiby stand im Frühjahr wegen Vergewaltigung, Gewalt und Drogen vor Gericht. Darunter insgesamt vier Vergewaltigungsvorwürfe. Für zwei Vergewaltigungen wurde er schuldig gesprochen. In zwei Vergewaltigungsvorwürfen sprach ihn das Gericht frei.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Laut norwegischen Medien plant der Verurteilte bereits, Berufung einzulegen. Nicht akzeptieren wolle sein Mandant die Verurteilung wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht sowie wegen des Missbrauchs in seiner Beziehung zu einer Ex-Freundin, sagte Verteidiger Petar Sekulic der Nachrichtenagentur NTB zufolge.
Kurz nach der Verurteilung hat Høiby bereits erneut die Freilassung aus der Untersuchungshaft beantragt.
Für eine ganze Reihe von Straftaten. Insgesamt 40 Anklagepunkte gab es gegen Høiby, die Staatsanwaltschaft forderte die Verurteilung in 39 davon. Die schwersten Vorwürfe: vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. Høiby soll Frauen missbraucht und gefilmt haben, während sie schliefen. Während er diese Vorwürfe bestritt, hat der Norweger andere Taten zugegeben. Dazu zählen Körperverletzungen, Drohungen, Verstösse gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, ein Drogendelikt und mehrere Verkehrsdelikte.
Hoiby wurde in 34 verschiedenen Straftaten schuldig gesprochen, darunter zweimal für Vergewaltigung.
Einer der Vergewaltigungsfälle, in denen die Richter Høiby für schuldig halten, hatte sich am Sitz der Kronprinzenfamilie abgespielt. «Es wurde Videomaterial in dem Fall vorgelegt. Die Aufnahmen zeigen sexuelle Handlungen und das Eindringen mit dem Finger», sagte der Vorsitzende Richter laut norwegischen Medien. «Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.» Deshalb sehe das Gericht es für erwiesen an, dass sie während der Aufnahmen geschlafen habe. Auch für einen ähnlichen Vorfall in der Wohnung einer Frau, die Høiby bei einem Fest kennengelernt hatte, wurde er demnach verurteilt.
Dass er im Surfurlaub auf den Lofoten eine Bekanntschaft vergewaltigt hatte, sahen die Richter dagegen nicht als bewiesen an. «Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass begründete Zweifel bestehen», zitierte eine norwegische Zeitung den Vorsitzenden Richter. Es war der einzige Fall, in dem Høiby laut Anklage mit dem Penis in die Vagina einer Frau eingedrungen sein sollte, während diese schlief. In einem weiteren Fall, in dem Høiby eine Frau in einem Hotel in Oslo nach norwegischem Recht vergewaltigt haben sollte, wurde er den Angaben zufolge ebenfalls freigesprochen. Verurteilt wurde er demnach aber wie in anderen Fällen dafür, dass er die Frau ohne ihr Wissen gefilmt hatte.
In dem sieben Wochen langen Mammutprozess zwischen Anfang Februar und Mitte März traten neben Høiby selbst zahlreiche Zeugen auf, darunter Ex-Freundinnen, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Forscher und Kriminalbeamte. Fotos und Videos auf den Handys des Norwegers spielten bei der Beweisführung eine wichtige Rolle. Hunderte SMS zwischen dem Angeklagten und den mutmasslichen Opfern wurden verlesen und Internetsuchverläufe offengelegt. Dadurch wurden Details über Høibys Intimleben und Sexvorlieben bekannt. Mehrfach klagte Høiby unter Tränen die Medien an, ihn seit seiner Kindheit zu verfolgen, und nahm seine Eltern in Schutz.
Anders als ursprünglich geplant nahm Høiby selbst nicht an der Urteilsverkündung teil. Aus gesundheitlichen Gründen durfte er den Urteilsspruch über einen Video-Link aus dem Gefängnis verfolgen.
Ja, Høiby muss vier Jahre in Haft. Von einer Haftstrafe sind schon während des Prozesses sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung ausgegangen. Die Anklage hatte zum Ende des Prozesses sieben Jahre und sieben Monate Haft für den royalen Ziehsohn gefordert. Høibys Anwälte hatten dagegen auf eineinhalb Jahre Haft für die Straftaten plädiert, die der Norweger eingeräumt hat. Die Zeit in U-Haft soll ihm angerechnet werden.
Kurz vor Prozessbeginn hatte Høiby erneut gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstossen und wurde festgenommen. Die beiden hatten sich in den Monaten vor der Verhandlung Medienberichten zufolge intensiv gesehen, obwohl schon ein Besuchsverbot bestand.
Mehrfach versuchte Mette-Marits Sohn während des Prozesses und danach, aus der U-Haft freizukommen – notfalls mit elektronischer Fussfessel. Mit Verweis auf den verschlechterten Gesundheitszustand seiner Mutter hatte er es auch kurz vor der Urteilsverkündung noch einmal versucht, jedoch ohne Erfolg.
Kurz nach seiner Verurteilung hat Høiby erneut die Freilassung aus der Untersuchungshaft beantragt. Das berichteten norwegische Medien übereinstimmend. Der Antrag dürfte die Zeit bis zu einer möglichen Berufung betreffen.
In einer ohnehin schwierigen Zeit für die norwegischen Royals hat der Prozess gegen den Ziehsohn von Kronprinz Haakon die Familie zusätzlich belastet. Von der Gerichtsverhandlung haben sich Mette-Marit und Co. ferngehalten, Høiby aber regelmässig im Gefängnis besucht. Die Kronprinzessin ist schwer krank und braucht dringend eine neue Lunge. Ausserdem steht sie in Norwegen für ihre Freundschaft mit dem US-amerikanischen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein seit Monaten in der Kritik.