Stilllegung von Förderanlagen droht US-Blockade setzt der iranischen Ölindustrie schwer zu

dpa

9.5.2026 - 21:16

Der US-Zerstörer USS Rafael Peralta bringt den unter iranischer Flagge fahrenden Öltanker M/V Herby auf und setzt damit die selbst erklärte Seeblockade gegen Schiffe durch, die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen.
Der US-Zerstörer USS Rafael Peralta bringt den unter iranischer Flagge fahrenden Öltanker M/V Herby auf und setzt damit die selbst erklärte Seeblockade gegen Schiffe durch, die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen.
Archivbild: IMAGO/ZUMA Press Wire

Der Iran kann aktuell kein Öl exportieren, und die Lagerkapazitäten im eigenen Land werden knapp. Teheran könnte gezwungen sein, Förderanlagen abzuschalten – mit potenziell drastischen Folgen.

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DPA, Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus steht seit Wochen still.
  • Die US-Blockade der Öl-Transporte bedeutet für den Iran hohe finanzielle Verluste und eine starke Reduzierung der Ölproduktion. 
  • Damit wäre die künftige Ölproduktion des Landes bedroht – dies bekäme auch der Rest der Welt zu spüren.

Mit seiner Sperrung der Strasse von Hormus setzt der Iran Staaten auf der ganzen Welt zu, die auf Öl und Flüssiggas aus der Region angewiesen sind. Doch Teherans eigene Ölindustrie leidet ebenfalls zunehmend unter der US-Blockade, die den Export von gefördertem Öl verhindert. Da zugleich die Kapazitäten für eine Lagerung im Inland schrumpfen, könnte der Iran gezwungen sein, seine Ölproduktion stark zu reduzieren oder in einigen Fördergebieten sogar einzustellen – aus Sicht von Experten möglicherweise schon in zwei Wochen.

Vermutlich ist die Situation nicht so düster, wie kürzlich von US-Präsident Donald Trump beschrieben. Er hatte erklärt, binnen Tagen könnten iranische Ölpipelines explodieren. Doch wenn die Förderung einmal heruntergefahren ist, wird es womöglich schwierig, die alten Anlagen wieder zu starten, falls dies überhaupt gelingt. Damit wäre die künftige Ölproduktion des Landes bedroht. Um vollständige Ausfälle zu vermeiden, hat Teheran nach Angaben von Fachleuten möglicherweise bereits damit begonnen, die Produktionsmengen zu drosseln.

Gleichzeitig hat das US-Finanzministerium die Sanktionen gegen iranische Öllieferungen verschärft, die sich bereits auf See befinden. Die amerikanischen Streitkräfte beschlagnahmten mindestens zwei Tanker vor Asien, die iranisches Öl an Bord gehabt haben sollen.

Schwächelnde Wirtschaft

Aufgrund der Beschränkung des Ölhandels fliesst weniger harte Währung in die iranische Wirtschaft zurück, die durch wochenlangen Krieg, mehrmonatige Unruhen und Jahrzehnte internationaler Sanktionen schwer angeschlagen ist. Da weniger Öltanker iranisches Öl transportieren, verstärken sich auch international die Auswirkungen der Blockade in der Strasse von Hormus. Eine Knappheit an Kerosin und steigende Benzinpreise weltweit sind die Folge.

Wegen der schmerzhaften langfristigen Auswirkungen wolle die iranische Führung eine Stilllegung von Förderanlagen möglichst vermeiden, sagt Miad Maleki von der Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies in Washington. «Sie unterliegen Sanktionen, sie sind jetzt seit 47 Jahren isoliert. Diese Ölbrunnen werden nicht gut instandgehalten», erklärt er. Nach einer Abschaltung könnten die Anlagen nicht einfach nach ein paar Monaten wieder hochgefahren werden.

Vor dem Krieg hat der Iran täglich mehr als drei Millionen Barrel Rohöl gefördert, etwas mehr als die Hälfte davon für den heimischen Markt. Doch seit Beginn der US-Blockade am 13. April wurden zwar Schiffe mit Öl beladen, können jedoch nicht auslaufen. Offenbar sei die Produktion deutlich gedrosselt worden, sagt Antoine Halff vom Umweltanalytik-Unternehmen Kayrros. Es gebe Hinweise darauf, dass sich Lager auf der wichtigen Ölinsel Charg im Persischen Golf nicht so schnell füllten wie sonst. Vermutlich deponiere der Iran einen Teil seines Öls auf Tankern rund um die Insel, sagt Halff.

«Beträchtlicher finanzieller Engpass»

Die Analysefirma Kpler geht davon aus, dass das Land noch über Kapazitäten verfüge, um die Ölfördermenge von zwei Wochen einzulagern – selbst nach einer Reduzierung des Outputs. «Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Umsatz sind zwar begrenzt, aber operative Restriktionen erzwingen jetzt Produktionskürzungen und ziehen einen verzögerten, doch beträchtlichen finanziellen Engpass nach sich», schreibt Kpler-Analyst Homayoun Falakshahi.

Eine andere Öl-Analysefirma, Wood Mackenzie, schätzt, dass dem Iran in etwa drei Wochen die Lagerkapazität ausgehen dürfe. «Wenn die Blockade andauert, werden Kürzungen unausweichlich», erklärt Alexandre Araman von Wood Mackenzie. Durch Abschaltungen von mehr als einem Monat drohten langfristige Schäden.

Bewegte Geschichte

Seit dem ersten Ölfund im Jahr 1908 war die iranische Ölindustrie immer auch politisch relevant. Bemühungen, die Ölfelder des Landes zu verstaatlichen und die britische Kontrolle darüber zu beenden, lösten den vom US-Geheimdienst CIA unterstützten Putsch von 1953 aus. Dieser festigte die Herrschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi. Während der Islamischen Revolution von 1979, die schliesslich zum Sturz des Schahs führte, brach die Ölproduktion wegen eines Arbeiterstreiks von sechs Millionen Barrel pro Tag auf etwa 1,5 Millionen ein. Die iranische Ölindustrie erholte sich nie. In Jahrzehnten internationaler Sanktionen alterte ihre Infrastruktur.

In seiner ersten Amtszeit hatte Trump eine Politik des «maximalen Drucks» gefahren und Sanktionen gegen den Iran verschärft. Teheran verlor zwar viele Milliarden Dollar an Öleinnahmen, liess sich aber dennoch nicht zu einem Atomabkommen mit den USA bewegen.

Nun ist der Iran mit einer Kombination aus härteren Strafmassnahmen und der Blockade konfrontiert. Trump erklärte vor wenigen Tagen, das Land befinde sich im Zusammenbruch. US-Finanzminister Scott Bessent schrieb auf X, die Ölförderung werde in Kürze kollabieren, dem Iran drohe eine Benzinknappheit. Konkrete Hinweise darauf gibt es bisher nicht.

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