11.01.2017 - 11:56, uri

Absurde Transporte: Schweizer Rahm landet zur Abfüllung in Italien

Lkw im Stau

Hunderte von Lastwagen stehen auf der Gotthard-Autobahn A2 bei Buochs im Kanton Nidwalden im Stau (Archiv).
Bild: Keystone

 

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Schweizer Äpfel werden in Deutschland zu Mus verarbeitet, Schweizer Rahm landet zur Abfüllung in Italien – zigtausende Güter werden jährlich über die Strassen geschippert und belasten so Umwelt und Infrastruktur. Die Sendung «Kassensturz» hat besonders drastische Beispiele herausgepickt.

Der Trend ist ungebrochen: Weltweit werden immer mehr Waren transportiert – und belasten so Mensch und Umwelt. Auch Produkte aus der Schweiz legen dabei Strecken zurück, die teils nur schwer nachzuvollziehen sind.

Als «Klassiker» solcher Güter bezeichnet «Kassensturz» dabei den Schlagrahm aus der Dose. Schweizer Nidel würde dafür beispielsweise per Lastwagen ganze 750 Kilometer nach Italien geschippert. Nachdem man ihn hier in Sprühdosen abgefüllt habe, werde er dann wieder Richtung Norden transportiert, um in den Schweizer Supermarktregalen zu stehen.  

Verdreifachung reimportierter Ware in nur 10 Jahren

Ein weiterer extremer Fall ist ein Apfelmus, für das Schweizer Obst 400 Kilometer nach Deutschland gebracht wird, um hier verarbeitet zu werden – nach Angaben der Marke, weil es keinen passenden Schweizer Hersteller gebe, der langhaltbares Apfelmus herstellen könne.

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Ähnlich verhält es sich bei in Rorschach hergestelltem Stängelglacé. Das Eis würde per Kühltransporter rund 760 Kilometer nach Uelzen in Norddeutschland gebracht, nur um hier in Form gegossen und mit Schokolade überzogen zu werden, wie das Verbrauchermagazin zu berichten weiss. «Permanent tiefgekühlt» gehe es «dann wieder zurück in die Schweiz».

Laut der Zoll-Statistik seien vor rund zehn Jahren knapp 11'000 Tonnen Waren exportiert, verarbeitet und reimportiert worden - 2015 seien es bereits über 33'000 Tonnen gewesen, was einer Verdreifachung innerhalb einer Dekade entspricht.  

Die Kostenwahrheit im Veredelungsverkehr

Gegen «unsinnige Transporte» wendet sich traditionell die «Alpen-Initiative», die hierfür seit dem Jahr 2002 den Schmähpreis «Roter Teufelsstein» vergibt. Jon Pult, Präsident des Vereins, gibt gegenüber «Kassensturz» zu bedenken, dass die Kostenwahrheit im sogenannten Veredelungsverkehr auf der Strecke bleibe. Für Unternehmen sei das Vorgehen betriebswirtschaftlich womöglich sinnvoll, weil es günstig sei. «Für die Gesellschaft ist der Mehrverkehr aber schädlich, das kann man eigentlich nicht wollen», erklärt er dem Magazin.

Pult fordert, dass die Regeln so geändert werden, dass es sich für Unternehmen zukünftig nicht mehr lohnt, die Waren über so weite Strecken zu transportieren. Ein Schritt in diese Richtung könnten die seit dem 1. Januar geltenden neuen Swissness-Regelungen sein, wodurch einige der in Frage kommenden Produkte bereits die Kennzeichnung mit dem Schweizer Kreuz verloren haben.  

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