23.01.2017 - 09:40, jfk

Zoë Jenny gibt Memoiren von Flaacher Kindsmörderin heraus

 

0 Bewertungen


In der Silvesternacht 2014 erstickt Natalie K. ihren fünfjährigen Sohn und ihre zweijährige Tochter. Rund fünf Wochen später erhängt sich die damals 27-Jährige in ihrer Gefängniszelle. Die KESB-Gegnerin Zoë Jenny hat nun ihre in Haft verfasste Rechtfertigungsschrift herausgebracht.

Der erschütternde Fall des Doppelmordes mit dem anschliessenden Suizid der Täterin wurde breit in den Medien verhandelt und von Gegnern der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) als Vehikel für massive Kritik an dem 2013 gegründeten Fachorgan genutzt.

Die Schweizer Schriftstellerin Zoë Jenny soll von Natalie K. selbst beauftragt worden sein, ihre Manuskripte zu veröffentlichen. Mit dem 128-seitigen Buch «Meine Geschichte beginnt in einem wunderbaren Dorf. Die Aufzeichnungen einer Kindsmörderin» hat die Täterin nun posthum eine Plattform erhalten, den Gang des Dramas aus ihrer Sicht zu schildern und sich als Opfer von Lebensumständen und der Behördenwillkür zu stilisieren.

Ich habe nun schon zweimal versucht zu sterben, aber ich sollte wohl noch warten. Ich hatte offenbar noch diese eine Aufgabe: dieses Buch zu schreiben.

Natalie K. in «Meine Geschichte beginnt in einem wunderbaren Dorf.»

In chronologischen Etappen erzählt Natalie K. von ihrer behüteten Kindheit, aus ihrer Jugend und Lehrzeit und natürlich von Mike K., der Liebe ihres Lebens, mit dem sie in jungen Jahren zwei Kinder zeugte. Warum sie ihren Nachwuchs tötete? «Aus reiner und verzweifelter Mutterliebe. Ich wollte meine Kinder beschützen vor dieser schrecklichen Zukunft, vor der sie Panik hatten.»

Ich stehe neben meinem Bett und sehe beide Kinder in meinem Bett liegen. Sie sind zugedeckt und halten ihre Lieblingsstofftiere in den Armen, aber sie schlafen nicht, sie sind tot.

Natalie K. in «Meine Geschichte beginnt in einem wunderbaren Dorf.»

Mit der schrecklichen Zukunft meinte Natalie K. die Unterbringung in einem Heim durch die KESB. Dem Elternpaar war die Obhut entzogen worden, nachdem beim Vater eine Reihe von Betrügereien zutage traten, mit denen er seiner Familie eine Scheinwelt finanzierte, die sie sich eigentlich nicht leisten konnte. Ein späteres Gutachten sah die Massnahmen der KESB als gerechtfertigt an, bemängelte allerdings, dass eine Platzierung der Kinder bei den Grosseltern mütterlicherseits zu wenig geprüft wurde.

Nun ist es fertig, alle meine Gedanken, Gefühle, und auch mein Leben sind in diesem Buch. Alles, was du, liebe Leserin, lieber Leser, gelesen hast, ist wahr. So wie ich es erlebt und gefühlt habe.

Natalie K. in «Meine Geschichte beginnt in einem wunderbaren Dorf.»

Natalie K. zeigt sich selbst als hingebungsvolle Mutter, die nach der Geburt ihres Sohnes wusste, dass sie «diesem kleinen Wesen alles geben und [...] es für immer lieben und beschützen» würde. Gerichtspsychiater Thomas Knecht, der sich gegenüber dem «Blick» bereits im Juni 2016 zu Teilen des Manuskripts äusserte, sieht in den Rechtfertigungsversuchen den Narzissmus der Mutter und ihr Bemühen, andere zu be- und sich selbst zu entlasten. Durch ihren Selbstmord habe sie wohl die Deutungshoheit über ihr Tun und Leben behalten und verhindern wollen, sich mit ihrer Schuld vor Gericht auseinanderzusetzen.

Die Herausgeberin wiederum hofft, dass durch die Darlegung der mütterlichen Sichtweise der Fall in einem anderen Licht erscheint. Die klare Ausdrucksweise widerspreche dem Bild einer verwirrten Frau. Vielmehr sei Natalie K. am Kampf gegen eine Behörde verzweifelt, deren Macht trotz Fehler im Fall Flaach uneingeschränkt geblieben sei.

Bilder aus der Schweiz

  • SWITZERLAND BRIDGE BUNGEE JUMPING
  • SCHWEIZ SUWOROW FEIER SCHOELLENENSCHLUCHT
  • SWITZERLAND MONTREUX ACROBATIES
  • Abgebrannt

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität