20.11.2017 - 17:08

Das sind die gefährlichsten Bahnübergänge der Schweiz

Von Silvana Guanziroli
 

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Immer wieder kommt es auf Schweizer Bahnübergängen zu tödlichen Unfällen. Tatsächlich sind längst nicht alle 4500 Übergänge im Land sicher. 271 der Kreuzungen entsprechen nicht den Vorgaben der eidgenössischen Eisenbahnverordnung. Und der Ausbau dürfte noch Jahre dauern.

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Ungenügend gesicherte Bahnübergänge dürfte es heute in der Schweiz eigentlich keine mehr geben. Der Bund hatte vor Jahren beschlossen, alle gefährlichen Passagen bis Ende 2014 zu sanieren oder anderweitig zu entschärfen.

Drei Jahre sind seit Ablauf dieser Frist vergangen – doch noch immer gibt es sie, die für die Bevölkerung gefährlichen Kreuzungen. Von den insgesamt 4500 Passagen in der Schweiz verstossen 271 gegen die eidgenössische Eisenbahnverordnung. Das zeigt die neuste Statistik des Bundesamtes für Verkehr von Anfang 2017, die «Bluewin» vorliegt. Wie viele Übergänge seit Januar saniert wurden, darüber wird der Bund erst im April 2018 informieren können. Die betroffenen Bahnübergänge sind nach Definition des Bundes gefährlich, weil sie über keine Barrieren, Blinklichtanlagen oder eine ausreichende Signalisation verfügen.

Schweizweit kommt es immer wieder zu schweren Unfällen auf Eisenbahnkreuzungen. Gemäss dem Sicherheitsbericht des Bundesamtes für Verkehr waren es zwischen 2014 und 2016 28 Zusammenstösse. Sieben davon ereigneten sich auf unzureichend gesicherten Passagen. Dabei starben fünf Menschen, neun wurden schwerverletzt. 

«Dass Ende 2016 noch knapp 5 % der Bahnübergänge nicht saniert waren, hat jeweils einen stichhaltigen Grund», erklärt Gregor Saladin, Mediensprecher des Bundesamtes für Verkehr. «Es sind Verzögerungen aufgrund von Beschwerden von Anwohnern oder die beabsichtigte Verlegung von Bahntrassen oder Strassen.» Doch gewisse Bahnen haben vor 2014 schlicht auch zu lange mit der Einleitung der nötigen Massnahmen zugewartet.

Das Bundesamt habe die betroffenen Unternehmen und deren Strecken nun in die Verantwortung genommen. «Dort, wo ungenügenden Sichtverhältnissen vorherrschten, mussten unverzüglich alle verhältnismässigen risikoreduzierenden Massnahmen ergriffen werden. Je nach Erkenntnissen kann das BAV hier allenfalls weitere Einschränkungen verlangen», sagt Saladin.

Vielerorts fehlen die nötigen finanziellen Mittel

Während die SBB mittlerweile alle ihre Bahnübergänge saniert haben, hinken 28 Privatbahnen hinterher. Diese Negativ-Liste führen die Appenzeller Bahnen mit 125 noch nicht sanierten Übergängen an, gefolgt von der Transports publics du Chablais im Kanton Waadt und Wallis (51 Bahnübergänge) und der Wynental- und Suhrentalbahn (16 Bahnübergänge).

Auffallend dabei: Viele der betroffenen Bahnübergänge liegen im ländlichen Raum. «Ländliche Bahnen verkehren durch Dörfer, queren Zufahrtsstrassen zu Einzelliegenschaften und Weilern», so Saladin. «Sanierungen brauchen finanzielle und personelle Ressourcen, diese sind bei den ländlichen Bahnen und in Dörfern und bei Privaten eher im beschränkten Rahmen vorhanden. Diese Voraussetzungen führen schlussendlich auch zu langwierigen Verhandlungen bis tragbare Lösungen gefunden werden.»

Jedes Bauvorhaben müsse vom Bund bejaht werden – und gegen diese Genehmigung kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde geführt werden, wie es heisst. So gingen Anwohner, die nicht mit der Aufhebung eines Bahnüberganges einverstanden waren, sogar schon bis vors Bundesgericht.  

Abschluss um Jahre verzögert

Hinausgezögert wurden der Ausbau zum Beispiel auf den Strecken in Basel und Binningen BL bis 2020, weil hier die Bauarbeiten mit einem weiteren Ausbau des Schienennetzes zusammengelegt werden. In Aarwangen BE dauert es gar bis 2021 – und das obwohl neben dem zu sanierenden Übergang eine Schule liegt und viele Kinder mit ihrem Velo täglich die Passage überqueren müssen. 

Mittlerweile blieb dem Bund nichts anderes übrig, als die Fristen für die Sanierung generell zu verlängern und die eidgenössische Eisenbahnverordnung anzupassen. «Als absehbar war, dass die Bahnen Mühe mit der Einhaltung der Frist bekundeten, wurden die entsprechenden Sanierungsbestimmungen mit dem neuen Artikel 83f präzisiert», so BAV-Sprecher Saladin.

Trotz Versäumnissen und Verspätungen müssen die Bahnen nicht mit Bussen rechnen. «Sanktionen sind im Gesetz nicht direkt vorgesehen. Das BAV macht aber über die Verfahren und während der Auflagenkontrolle weiterhin Druck auf die Bahnen.»

Dennoch ist derzeit völlig ungewiss, wann alle Bahnübergänge in der Schweiz den Sicherheitsvorschriften entsprechen. Saladin: «Da dies von den angesprochenen externen Faktoren abhängt, kann das BAV keinen Termin nennen.»

Zugentgleisung am Basler Bahnhof

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