06.12.2017 - 17:00

Hehlerei: Zürcher Beizer verkaufte mehrere Tonnen gestohlenes Fleisch

Von Silvana Guanziroli
 

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Es war ein mieses Geschäft mit Crevetten, Poulet-Fleisch und der Lammkeule. Der Betreiber einer China-Restaurant-Kette im Kanton Zürich servierte seinen Gästen gestohlene Ware. Dass die Lebensmittel nicht ordnungsgemäss gekühlt waren und ein Gesundheitsrisiko darstellten, interessierte ihn wenig.

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Der 58-jährige Schweizer mit vietnamesischen Wurzeln musste am Mittwoch in der Sache vor dem Bezirksgericht in Bülach ZH erscheinen. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hatte den Mann wegen gewerbsmässiger Hehlerei angeklagt und forderte eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten. 

Die Anklageschrift machte in der Tat nur wenig «gluscht» auf das chinesische Essen der betroffenen Restaurant-Kette. So warf die Staatsanwältin dem Gastronomen vor, über einen längeren Zeitraum grosse Mengen an Tiefkühlprodukte erworben zu haben, von denen er wissen musste, dass sie gestohlen waren. Konkret soll es sich um 1250 Kilogramm Crevetten, 1000 Kilogramm Poulet-, 500 Kilogramm Rind-, 500 Kilogramm Kalb- und 500 Kilogramm Lammfleisch sowie um 250 Kilogramm Champignons gehandelt haben.

Die Produkte sollen in den sechs Lokalen des Mannes in Zürich, Kloten, Uster und Glattbrugg verarbeitet und den Gästen während eines längeren Zeitraums serviert worden sein.

Fleisch lag ungekühlt im Kofferraum

Gekauft habe der Beschuldigte das Fleisch, die Crevetten und die Champignons von einem ihm bekannten Tibeter. Laut der Staatsanwältin musste er dabei alleine schon wegen des viel zu tiefen Preises annehmen, dass hier etwas nicht stimmen konnte.

Spätestens bei der Übergabe der Produkte hätte er den Kauf abbrechen müssen, führte die Anklage aus: Die Tiefkühlware wurde ihm jeweils in einem Personenwagen geliefert. Dabei lagen die Produkte nicht ordnungsgemäss gekühlt im Kofferraum. Zudem habe die Übergabe stets ausserhalb der ordentlichen Arbeitszeiten stattgefunden, es sei immer bar bezahlt und nie eine Quittung oder ein Lieferschein ausgestellt worden.

Tatsächlich ergab das Untersuchungsverfahren, dass die Tiefkühlprodukte gestohlen waren. Der Tibeter hatte die Waren bei seinem Arbeitgeber, einem Händler für Fleisch- und Fischprodukte in Kloten, aus dem Lager entwendet.

Der Dieb hatte damals insgesamt acht Tonnen Tiefkühlprodukte gestohlen und an sechs Betriebe verkauft. Die China-Restaurant-Kette sei aber sein grösster Abnehmer gewesen, wie er im Rahmen seines Gerichtsverfahrens im November 2016 zu Protokoll gab. Der Mann wurde wegen gewerbsmässigem Diebstahl zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt, wovon er 15 Monate absitzen musste. Ebenfalls abgeschlossen sind zudem die Verfahren gegen die fünf weiteren Betriebe. Der Betreiber der China-Restaurant-Kette stand am Mittwoch als letzter Beschuldigter vor Gericht. 

Waren im Wert von rund 100'000 Franken

Bei der gestohlenen Ware ging es um viel Geld. Gemäss Staatsanwaltschaft gelangten Produkte im Wert von rund 100'000 Franken in die Truhen der China-Restaurants. Da der Beschuldigte die Ware auf dem Schwarzmarkt erstand, sparte er etwa 70'000 Franken ein. Dem Ex-Lagerarbeiter und Crevetten-Dieb zahlte er rund 20'000 Franken. Das eingesparte Geld habe der Lokalbetreiber für die Bestreitung seiner Lebensunterhaltskosten verwendet. So standen ihm gemäss Staatsanwaltschaft monatlich rund 13'000 Franken mehr zur Verfügung.

Vor Gericht bestritt der Mann den Vorwurf der Hehlerei. Er habe nicht gewusst, dass es sich um gestohlene Ware gehandelt habe. Und er bestritt, überhaupt eine solche Menge an Tiefkühlware erworben zu haben. «Das habe ich nicht gemacht. Ich sage die Wahrheit», sagte er zu den Richtern und ergänzt: «Aber, wenn ich einen Fehler begangen habe, bedaure ich das sehr.»

Das Bezirksgericht Bülach folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach den Beschuldigten wegen gewerbsmässiger Hehlerei schuldig.

Doch die Richter kamen zum Schluss, dass dem Mann nicht stichhaltig die Hehlerware von insgesamt vier Tonnen nachgewiesen werden kann. Es reduzierte die Deliktmenge auf zwei Tonnen und senkte damit auch die Strafe. Die Richter verurteilten den Gastronomen zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt. Weil er sich mit dem gestohlenen Fleisch bereichert hat, muss er zudem eine Ersatzforderung von 18'000 Franken an den Staat bezahlen. 

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