17.02.2017 - 11:41, uri/sda

Krematorien müssen wegen Grippe Zusatzschichten schieben

 

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Die Grippewelle fordert in der Schweiz immer mehr Opfer - die Krematorien haben so viel Arbeit wie noch nie in einem Januar.

In den Krematorien des Landes laufen die Verbrennungsöfen auf Hochtouren, wie «Blick» berichtet. Allein Im letzten Monat wurden demnach im Krematorium in Bern 420 Verstorbene eingeäschert. Silvana Pletscher von der Bernischen Genossenschaft für Feuerbestattungen sagte der Zeitung, man habe im Januar «so viele Einäscherungen wie nie zuvor in einem Monat» gehabt. Derzeit müsse man sogar «Zusatzschichten» schieben.  

Sehr ähnlich stellt sich die Situation auch andernorts dar. Das Krematorium Nordheim in Zürich - das grösste der Schweiz - etwa, äschere normalerweise rund 550 Gestorbene im Monat ein. Diesen Januar seien es hingegen 800 gewesen. Obwohl die Sterblichkeit im Januar generell etwas höher liege, gebe es heuer «sicher 10 bis 15 Prozent» mehr Tote «als in einem normalen Januar», wie der Direktor des städtischen Bevölkerungsamtes, Sergio Gut, dem «Blick» erklärte. Eine ähnliche prozentuale Zunahme werde auch im Krematorium in Luzern registriert.  

Erkältung oder Grippe? Der Unterschied

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Übersterblichkeit bis zu 300 bei Älteren

Die Zahlen decken sich mit denen des Bundesamtes für Statistik. Erwin Wüest vom Informationsdienst Gesundheit spricht von einer «Übersterblichkeit von 200 bis 300 bei Personen im Alter von 65 Jahren und darüber» in den ersten Wochen dieses Jahres. Das bedeutet, dass pro Woche zwischen 200 und 300 mehr ältere Menschen sterben, als normalerweise zu dieser Jahreszeit.  

Entscheidend für die sogenannte Übersterblichkeit, die in der letzten Woche 2016 sowie den ersten fünf Wochen dieses Jahres festgestellt wurde, ist hauptsächlich das zirkulierende Grippe-Virus. Es handelt sich dabei um das Influenza-A-Virus H3N2, das bereits vor zwei Jahren grassierte und zu einer hohen Übersterblichkeit geführt hatte.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schätzt, dass für rund 1500 Menschen die diesjährige Grippeepidemie tödlich enden dürfte. Ursache dafür ist, dass das Immunsystem der älteren Menschen generell schwächer und auch die Impfung bei ihnen weniger wirksam ist.

Die gute Nachricht: Die Grippewelle flacht etwas ab

Auch wenn die Grippewelle derzeit abflacht, ist die Erkrankung noch in allen Regionen weit verbreitet. So wurden in der vergangenen Woche von 127 Ärztinnen und Ärzten des Sentinella-Meldesystems 27 Grippeverdachtsfälle pro 1000 Konsultationen durch Patienten gemeldet. Dies entspricht laut BAG hochgerechnet einer Inzidenz von 221 Fällen pro 100'000 Einwohner.

Der saisonale epidemische Schwellenwert von 64 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner war in der Woche 50 des letzten Jahres überschritten worden. Der Höhepunkt der Grippewelle trat in der zweiten Woche dieses Jahres mit 368 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner auf.

Am meisten von der Grippe betroffen waren nach wie vor die Jüngsten im Alter bis zu vier Jahren. Der Trend in den Altersgruppen bis 30 Jahre war laut BAG sinkend, bei älteren Menschen konstant. Mit Ausnahme der Zentralschweiz, wo die Tendenz nach wie vor zunehmend ist, wurde in allen Regionen ein Rückgang der Grippefälle verzeichnet.

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