20.03.2017 - 18:45

Mann zündet Auto und Instrumente an – für die Versicherungsumme

Von Silvana Guanziroli
 

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Es ist ein kurioser Fall, der am Montag am Zürcher Obergericht verhandelt wurde. Der 72-jährige Angeklagte hat sein Auto und die darin gelagerten Instrumente angezündet. Er wollte 10'000 Franken von der Versicherung ergaunern. Das sah das Gericht als erwiesen an.

Es war im März 2013 als im Zürcher Weinland ein BMW-Cabriolet in Flammen aufging. Die aufgeschreckten Anwohner in Unterstammheim ZH alarmierten kurz nach Mittag Polizei und Feuerwehr. Der Besitzer des Fahrzeugs war der damals 68-jährige Beschuldigte. Der Pensionär gab der ausgerückten Polizei an, er sei bis eben auf einem Waldspaziergang gewesen, weshalb er vom Feuer nichts mitbekommen habe.

Mit den Flammen ging aber nicht nur der Wagen des Mannes in Rauch auf, auch die teuren Instrumente des Thurgauers, drei Akkordeons, ein Verstärker, ein Mischpult und ein iPod Nano wurden zerstört, wie der Mann noch am Brandort aussagte. Insgesamt entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Franken, den der Mann seiner Versicherung meldete.

Angeblich verbranntes Akkordeon lag in der Wohnung

Doch für die Beamten war die Geschichte nicht schlüssig. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens kam es noch am Brandtag zu einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Pensionärs. Und dort staunten die Polizisten nicht schlecht. Eines der angeblich verbrannten Akkordeons konnte sichergestellt werden, zudem wurden zahlreiche nur unzureichend gesicherte Waffen entdeckt: zwei Sturmgewehre, zwei Pistolen, ein Jagdrepetiergewehr, eine Bockdoppelflinte und ein Jagdstutzer. Auf dem Fenstersims lag zudem die passende Munition offen herum.

Im anschliessenden Untersuchungsverfahren kam ein Brandgutachten zum Schluss, der Autobrand sei durch Brandstiftung verursacht worden und das Spurenbild weise auf einen Brandbeschleuniger hin. Zudem kam ans Licht: Der BMW verfügte über ein illegales Tuning. Der Pensionär hätte den Wagen längst beim Strassenverkehrsamt vorführen müssen. Die Instandsetzung allerdings wäre den Mann teuer zu stehen gekommen.

Beschuldigter bringt Widersacher ins Spiel

Die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland klagte den Pensionär deshalb wegen Betrugsversuchs, Brandstiftung und Übertretung des Waffengesetzes an. Doch damit blitze sie im Februar 2016 vor dem Bezirksgericht in Andelfingen ab: Das sprach den Beschuldigte erstinstanzlich vollumfänglich frei. Auch deshalb, weil der vermeintliche Brandleger stets seine Unschuld beteuerte. Die Staatsanwaltschaft zog den Fall weiter vor das Zürcher Obergericht und forderte am Montagnachmittag eine Geldstrafe von 24'000 Franken sowie eine Busse von 1'500 Franken.

Vor dem Obergericht wurde der 72-Jährige schliesslich gefragt, wer denn das Auto angezündet haben soll, wenn nicht er. Darauf packte der Mann eine etwas kuriose Geschichte aus: Er habe einen Widersacher, der ihm seit Jahren Böses wolle. Dieser habe sein Fahrzeug in Brand gesetzt. Den Namen habe er bisher verschwiegen, weil es sich beim vermuteten Täter, um den Sohn seiner Ex-Freundin handle. Darauf fragte ihn der Richter: "Soll ich Ihnen diese Räubergeschichte glauben?" Der Pensionär erwiderte: "Ich erzähle keine Räubergeschichten. Ich lüge Sie nicht an!". Das sah das Obergericht anders und korrigierte das erstinstanzliche Urteil. Die Richter verurteilten den Pensionär zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten.   

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