17.07.2017 - 09:16, Antonia Lange, dpa

Flugzeug ohne Funkkontakt: Wenn Abfangjäger ausrücken

 

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Gleich zweimal an einem Wochenende steigen deutsche Bundeswehrjets auf, weil sie den Funkkontakt zu Passagierflugzeugen verlieren. Dass sich die Fälle häufen, liegt Experten zufolge auch an der Jahreszeit.

Es sind oft Minuten lähmender Ungewissheit. Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht, müssen die Behörden in Deutschland das Schlimmste annehmen: Wurde der Flieger entführt? Handelt es sich um einen Terroranschlag? Meldet sich die Besatzung dann tatsächlich nicht mehr, steigen Bundeswehrjets auf. Passiert ist das am Wochenende gleich zwei Mal - erst in der Grenzregion der Bundesländer Hessen und Bayern, danach über Stuttgart (Baden-Württemberg). 

«Der häufigste Grund, dass die Luftwaffe angefragt wird, ist, dass kein Funkkontakt hergestellt werden kann», sagt ein Sprecher der Luftwaffe. Etwa ein bis zwei Mal im Monat rücken sogenannte Abfangjäger ihm zufolge bundesweit aus, weil der Funkkontakt unterbrochen ist. Dass sie eine Maschine tatsächlich zum Landen zwingen - so wie am Samstagabend in Stuttgart - sei aber «eine Besonderheit».

Die Boeing 777 der Korean Air war mit 211 Passagieren auf dem Weg von Seoul nach Zürich, als der Funkkontakt abbrach. Daraufhin stiegen die Eurofighter auf - was im Grossraum Stuttgart zu zwei Überschallknallen führte. Nachdem das Flugzeug gelandet war, wurde der Polizei zufolge festgestellt, dass das Funkgerät defekt war.

Eine Zwangslandung wegen abgebrochenen Funkkontakts ist auch nach Einschätzung des Stuttgarter Flughafens eine Seltenheit. «Hier war das eine Premiere», sagt Sprecherin Beate Schleicher. Sie erinnere sich nur an einen Fall mit unterbrochenem Funkkontakt - und der liege viele Jahre zurück.

Erst am Vorabend hatte eine ägyptische Passagiermaschine Überschallflüge zweier Bundeswehrjets in der Grenzregion von Hessen und Bayern ausgelöst. Auch in dem Fall hatten die deutschen Behörden keinen Funkkontakt herstellen können. Der Grund war ebenfalls harmlos: Die Besatzung hatte nach ersten Erkenntnissen eine falsche Frequenz eingestellt.

Atomkraftwerke als sensible Punkte

«Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun», erklärt der Experte der Luftwaffe. Warum sich die Einsätze der Abfangjäger aber gerade jetzt häufen? «Es hängt damit zusammen, dass Ferienzeit ist», sagt er. «Das ist wie auf der Autobahn: Wenn da mehr unterwegs sind, passiert auch mehr.»

Wann die Abfangjäger dann tatsächlich aufsteigen, sei abhängig vom Einzelfall. «Es wird nicht sofort eskaliert.» Wann die Jets starten, hänge von mehreren Kriterien ab - eines davon sei die Flugroute der betreffenden Maschine. Überfliege sie «sensible Punkte» wie ein Atomkraftwerk oder Grossstädte, werde eher eingegriffen. «Dann sind die Nerven nicht ganz so stark.»

Erst im März dieses Jahres wurden fünf Kernkraftwerke in Schleswig-Holstein und Niedersachsen kurzzeitig geräumt, weil kein Funkkontakt zu einem Flugzeug hergestellt werden konnte. Abfangjäger stiegen auf und begleiteten das Flugzeug. Nach Angaben der Luftwaffe war der Funkkontakt zu dem Flugzeug, das auf dem Weg nach London war, schon über Ungarn abgebrochen.

Prüfung der Situation an Bord per Sichtkontakt

Die Maschine wurde von tschechischen Abfangjägern begleitet und beim Einfliegen in den deutschen Luftraum von zwei Eurofightern der Luftwaffe übernommen. In solchen Fällen werde per Sichtkontakt geprüft, ob es eine ungewöhnliche Situation an Bord gebe, sagte ein Sprecher damals.

Auch die Position der Maschine am Himmel spielt nach Angaben der Luftwaffe eine Rolle bei der Frage, ob die Abfangjäger zum Einsatz kommen - etwa, wenn das Flugzeug bis zum Aufsteigen der Jets den deutschen Luftraum wohl ohnehin schon verlassen hätte.

Bei den jüngsten Fällen war die Sorge jedoch unbegründet - in Stuttgart etwa steckte das kaputte Funkgerät dahinter. Der Ernstfall ist tatsächlich selten: Nach Zahlen des Verteidigungsministeriums von Ende 2016 stiegen Eurofighter in den vergangenen fünf Jahren sechs Mal wegen Terrorverdachts auf. Immer gab es Entwarnung.

Bei Notstand und Notwehr darf geschossen werden

Zuständig für solche Einsätze in der Schweiz ist die «Luftpolizeidienst 24». Innert 15 Minuten steigen bei einer schwerwiegenden Verletzung der Lufthoheit zwei bewaffnete F/A-18 auf. Die Einsätze werden als «Hot Mission» bezeichnetz. Dabei wird das Zielobjekt von Luftwaffen-Jets zur Landung gezwungen oder zur nächsten Landesgrenze eskortiert.

Das Gesetz sieht vor, dass bei zivilen Passagierflugzeugen Gefährdung von Menschenleben «unter allen Umständen» vermieden werden muss. Bei Notstand oder Notwehr, bei einem Kidnapping und der Gefahr eines Anschlages, darf aber auch geschossen werden. Die Entscheidung dafür liegt gemäss Luftwaffe beim Piloten vor Ort. 

Im Februar 2014 sorgte die Luftwaffe für grosse Verwunderung. Als ein äthiopisches Flugzeug entführt wurde und in den schweizer Luftraum eindrang, mussten französische Militärjets die Maschine begleiten, die F/A-18 blieben am Boden. Aus finanziellen Gründen war der Betrieb der Luftpolizei nur zu Bürozeiten gewährleistet.

Doch das soll sich ändern. Die Einsatzbereitschaft im Luftpolizeidienst wird bis Ende 2020 kontinuierlich ausgebaut. Ab dann werden rund um die Uhr während 365 Tagen zwei Flugzeuge einsatzbereit sein. Seit diesem Jahr starten die Flieger im Notfall auch an den Wochenende von 8 bis 18 Uhr. Ab 2019 werden die Jets von 6 bis 22 Uhr bereit stehen und Ende 2020 erfolgt dann der Ausbau auf 24 Stunden während 365 Tagen.

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