17.07.2017 - 12:45

Blutsaugende Bettwanzen: Ekliges Souvenir aus den Ferien

von Danica Gröhlich
 

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Bettwanzen sind auf dem Vormarsch – auch in der Schweiz. Was tun, damit man die die juckende Plage erst gar nicht einschleppt und wie wird man die Blutsauger wieder los? «Bluewin» hat bei Schädlingsbekämpfern nachgefragt.

Bettwanzen saugen Blut von Menschen, aber auch von Haustieren – und das bevorzugt nachts, wenn wir schlafen. Dabei dauert der Saugvorgang drei bis 15 Minuten. Eine erwachsene Wanze braucht allerdings nur alle drei bis sieben Tage wieder frisches Blut. Sie sind bloss vier bis sechs Millimeter lang, vollgesogen jedoch fast 10 Millimeter und rotbraun. Die Wanzen halten sich in Schlafräumen auf, tagsüber verstecken sie sich in an der Matratze, in Ritzen des Bettgestells und anderer Möbel, hinter Abdeckleisten, Bildern, unter Tapeten oder in Steckdosen. Und sie sind auf dem Vormarsch! 

Die Anzahl Bettwanzenprobleme nehmen in der Schweiz zu. Da sind sich Schädlingsbekämpfer in allen Regionen einig. So stieg die Anzahl Anfragen zu Bettwanzen alleine in der Stadt Zürich von 12 im Jahre 2000 bereits auf 164 im letzten Jahr.

Auch 2017 sind die Parasiten weiter auf dem Vormarsch. Zwar existiere von diesem Jahr noch keine Statistik, aber die Anzahl Fälle sei bisher nicht rückläufig, bestätigt Isabelle Landau Lüscher vom Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer VSS-FSD auf Anfrage von «Bluewin».  

Was sind die Gründe für die vermehrte Einschleppung? «Es gibt immer mehr Leute, die reisen. Sei es als Touristen oder als Migranten. Auch der Warenverkehr nimmt zu. Manchmal können auch Bettwanzen zum Beispiel in Möbeln von einem Ort zum anderen verschleppt werden», weiss die Expertin. Deshalb sei vor allem nach den grossen Ferien eine Steigerung der Fälle festzustellen. Aus einfachem Grund: Die blutsaugenden Bettwanzen werden mit dem Gepäck nach Hause gebracht.  

«Das muss aber nicht immer nach einer Reise ins Ausland sein. Auch Schweizer Hotels und Herbergen können Probleme mit Bettwanzen haben und ebensogut kann man sie aus einem Hotel, einer Ferienwohnung oder aus dem Massenlager nach Hause bringen», erklärt die Schädlingsbekämpferin weiter.  

Hier die wichtigsten Tipps und Massnahmen gegen Bettwanzen:  

Wie merkt man einen Stich der Blutsauger?

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung zeigt Stichreaktionen: Eine Quaddel, einen roten Fleck, der mehrere Tage bis ca. 2 Wochen juckt. 20 Prozent spürt keine Reaktion, auch wenn sie von vielen Bettwanzen gestochen werden. Als lindernde Mittel kann man Antihistaminika Salben gegen Insektenstiche (wie z.B. Fenistil) anwenden. Die lindern den Juckreiz und kühlen. Am besten soll man sich in einer Apotheke oder Drogerie beraten lassen, rät die Expertin.

Wie gefährlich sind Bettwanzen?

Eine Übertragung von Krankheiten durch Bettwanzen konnte in der Praxis bislang nicht nachgewiesen werden. Es ist jedoch möglich, dass man auf die Stiche allergisch reagiert oder dass sich durch das Kratzen eine Sekundärinfektion entwickelt.

Was tun bei Bettwanzen-Befall im Hotelzimmer?

Ein Experte der Universität Maine erklärt im Video (auf Englisch), wie und wo Sie ihr Hotel- oder Motel-Zimmer auf Bettwanzen kontrollieren können. Diese Kontrolle lohnt sich, Sie ersparen sich hohe Bekämpfungskosten und viel Ärger, wenn Sie einen Bettwanzenbefall schon im Hotel erkennen und nicht nach Hause einschleppen. 

Was tun, wenn Sie im Hotelbett tatsächlich Blutsauger finden?

Informieren Sie auf jeden Fall die Hotel-Verantwortlichen. Lassen Sie sich ein anderes Zimmer geben, am besten keines nebenan. Vorsicht ist geboten mit dem Koffer und eigenem Schlafsack: Bettwanzen halten sich gerne darin auf und werden so weiterverschleppt. Legen Sie Ihren Koffer möglichst weit weg vom Bett und schliessen Sie alle Reissverschlüsse.

Rückkehr nach Übernachtung in einem verwanzten Zimmer

Räumen Sie Ihren Koffer noch am Reisetag aus. Nehmen Sie den Koffer nicht in Ihre Wohnung, sondern deponieren Sie ihn im Freien (Balkon). Alle Kleider, die bei 60°C waschbar sind, sollten gewaschen werden. Andere Kleider können Sie für eine halbe Stunde bei 50°C im Wäschetrockner behandeln. Kleinere Gegenstände lassen sich im Tiefkühler für mehrere Tage bei -17°C einfrieren. Das Innere des leeren Koffers sollten Sie im Freien mit einem Insektizidspray behandeln. Vor dem nächsten Gebrauch müssen Sie den Koffer mit einem feuchten Lappen reinigen.

Wie bekämpft man Bettwanzen in den eigenen vier Wänden?

Die Bekämpfung gehört in die Hände von professionellen Schädlingsbekämpfungsfirmen. Bekämpfungen mit Hausmitteln nützen praktisch nichts. Insektensprays sollte man auch nicht verwenden: Man tötet nur einen kleinen Teil der Wanzen. Der Rest zieht sich in schwer zugängliche Räume zurück (z.B. in der Decke). Für den Profi wird es dann noch schwieriger.

Rechtslage: Wer muss den Kammerjäger bezahlen?

Wenn Sie die Tiere selbst eingeschleppt haben, beispielsweise aus den Ferien oder mit Second-Hand-Möbeln, müssen Sie die Bekämpfung selbst bezahlen. Ist die Ursache des Bettwanzenbefalls unklar und sind mindestens zwei Parteien in einem Haus betroffen, muss die Vermieterin oder der Vermieter die Bekämpfung bezahlen. Die Hausverwaltung muss eine Fachfirma mit der Bekämpfung beauftragen. Dabei müssen alle Wohnungen auf Bettwanzen kontrolliert werden. Die Kosten dürfen nicht auf die Mieter überwälzt werden. 

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