29.08.2017 - 23:45, Silvana Guanziroli

Jährlich werden in der Schweiz rund 5000 Menschen vermisst

 

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Sie verschwinden spurlos. Von einem Tag auf den anderen. Bis zu 5000 Menschen sind pro Jahr in der Schweiz einfach nicht mehr da. Viele tauchen wieder auf, andere nie mehr.

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Heute ist der Internationale Tag der Verschwundenen. Es ist ein Tag, der an das Schicksal und das Leid von Menschen erinnern soll, die einfach entführt und verschleppt wurden. Die an einem unbekannten Ort ausgebeutet und gefangen gehalten werden, ohne dass ihre Familien etwas davon wissen.

Die Initiative für diesen Gedenktag geht zurück auf die Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos-Desaparecidos (FEDEFAM). Die nichtstaatliche Organisation wurde 1981 in Costa Rica ins Leben gerufen und engagiert sich seither im Bereich der humanitären Hilfe und des Schutzes der Menschenrechte. 

200 Personen bleiben spurlos verschwunden

Wie viele Fälle von verschleppten Menschen es in der Schweiz tatsächlich gibt, ist nicht bekannt. Auch bei den rund 5000  Vermissten pro Jahr handelt es sich um eine grobe Schätzung der Behörden. Es existieren dazu keine nationalen Statistiken.

Eine etwas genauere Zahl ist jene der kantonalen Polizeikorps. Hier melden besorgte Angehörige ihre Liebsten als vermisst. In der Mehrheit der Fälle tauchen sie wieder auf, doch jährlich bleiben rund 200 Menschen trotz intensiver Suche verschwunden. Allein die Kantonspolizei Zürich hat sich in elf Fällen mit der Beschreibung der Vermissten an die Öffentlichkeit gewandt. Der älteste Fall geht auf das Jahr 2004 zurück, eine 36-jährige Frau verschwand damals spurlos und ist seither nie mehr aufgetaucht.

Vom Ausreisser bis zum Mordopfer

Menschen verschwinden in der Schweiz in der Regel aus den folgenden Gründen. Das zeigt ein Blick auf die aufgeklärten Fälle. 

Die Ausreisser

Unter den vermissten Personen befinden sich eine grosse Anzahl von jugendlichen Ausreisser. Sie sind mit der Situation daheim oder in der Schule überfordert und suchen bei einem Freund oder einer Freundin Zuflucht. Diese Fälle klären sich in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder auf. Weil der Jugendliche selber wieder nach Hause zurückkehrt oder er an seinem Zufluchtsort gefunden wird.

Unfälle in den Bergen oder in Gewässer

Auch Berggänger, Skifahrer, Wanderer aber auch Schwimmer werden regelmässig als vermisst gemeldet. Hier leitet die Polizei sofort eine Suchaktion ein. Für die Rettungskräfte ist es schwer absehbar, was sie finden werden. Vom tragischen Todesfall bis zu einem simplen Verlaufen ist alles möglich. 

Betagte und kranke Menschen 

Die Polizei reagiert auch hier sofort. Stürzt ein betagter Mensch auf einem Spaziergang und kann selber nicht mehr aufstehen, ist die Situation schnell lebensbedrohlich. Das Gleiche gilt für eine Person, die auf die regelmässige Einnahme von Medikamenten angewiesen ist oder sich aufgrund ihrer Demenz-Erkrankung nicht mehr erinnern kann, wo sie sich befindet. Die Polizei ruft in solchen Fällen oft die Öffentlichkeit über die Medien zur Mithilfe auf. 

Suizid

Besteht der Verdacht, dass sich eine Person selbst töten will, wird ebenfalls schnell reagiert. Auch hier ist der Ausgang zu Beginn der Suche ungewiss. Während in manchen Fällen die Person noch rechtzeitig gefunden und von ihrem Plan abgebracht werden kann, bleibt der Mensch in anderen Fällen wochen- oder monatelang verschwunden. Es kommt immer wieder vor, dass Leichen in verborgenen Waldstücken oder Orten entdeckt werden. 

Gewaltverbrechen

Es sind seltene Fälle, die dann aber die ganze Schweiz bewegen. Wird ein Kind oder eine Frau entführt, löst das grosse Betroffenheit und Angst aus, bis der Täter gefasst ist. Zu diesen Fällen gehören das Tötungsdelikt an der erst fünfjährigen Ylenia und jenes am 16-jährigen Au Pair-Mädchen Lucie. Diese grausamen Taten führten dazu, dass in der Schweiz ein nationaler Entführungsalarm eingerichtet wurde. 

Diese Mordfälle sind nach wie vor ungeklärt

Besonderns schlimm ist der Verlust und die Ungewissheit für Eltern, wenn ihre Kinder nach Wochen, Monate und Jahren nicht auftauchen. In den 1980er Jahren verschwanden in der Schweiz fünf Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Es wurde nie aufgeklärt, was mit ihnen passiert ist und bis heute fehlt von ihnen jedes Lebenszeichen (siehe Bildergalerie).

Wer nicht gefunden werden will, wird nicht gefunden

Vermisste Menschen werden durch das zuständige kantonale Polizeikorps gesucht. Die Schweiz verfügt nicht, wie in anderen Ländern üblich, über eine nationale Plattform, auf der Vermisste ausgeschrieben werden. 

Überhaupt müssen hierzulande die Angehörigen für die öffentliche Ausschreibung ihr Einverständnis geben. Denn die Suche über die Medien führt dazu, dass das Umfeld der vermissten Person darüber Bescheid weiss. Das kann für Angehörige aber auch Rückkehrer im Nachhinein nicht nur angenehm sein. 

Denn es gibt auch solche, die absichtlich verschwinden – und das ist nicht verboten, solange man dadurch keine Verpflichtungen, wie die Alimentenzahlung oder ähnliches unterlässt. Will die Person nicht, dass die Angehörigen wissen, wo sie ist, dann darf die Polizei das auch nicht mitteilen. Sie kann die Verwandtschaft in diesem Fall lediglich damit beruhigen, dass es der Person gut geht. 

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