11.08.2017 - 23:45, von Danica Gröhlich

Im Garten und beim Wandern: So erkennen Sie Giftschlangen

 

21 Bewertungen


Die Schweiz hat seit dieser Woche eine Schlangenart mehr. Barren-Ringelnattern sind zwar harmlos, doch woran erkennt man eine Giftschlange?

Schlangen-Zuwachs in der Schweiz: Anhand genetischer Untersuchungen von mehr als 1600 Schlangen hat ein internationales Forscherteam mit den Schweizer Wissenschaftlern Maxime Chèvre und Dr. Sylvain Ursenbacher nachgewiesen, dass die unter anderem in Westdeutschland lebende Barren-Ringelnatter eine eigene Art ist. 

Bislang galt sie als Unterart der Ringelnatter (Natrix natrix). Ihre Erkenntnisse stellten die Forscher im Fachjournal «Scientific Reports» vom Montag vor. Die Schlange mit den auffälligen schwarzen Barrenmustern ist ungiftig. Sie kann bis zu 1,90 Meter lang werden – meist sei sie aber wesentlich kleiner.

Im Mittelland wie Zürich, Bern und Basel ist die Ringelnatter am häufigsten anzutreffen. Sie taucht zunehmend in privaten Gärten auf, da immer mehr Leute sich einen Teich anlegen und Ringelnattern Fische und Frösche fressen.  

Angst brauche man vor diesen Schlangen keine zu haben, beruhigt Wissenschaftler Andreas Meyer von der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz (karch) auf Anfrage von «Bluewin». Von den neu neun Arten in der Schweiz seien die sieben Natternarten völlig harmlos. Nur die Aspisviper und die Kreuzotter seien zwar giftig, diese kommen aber ausschliesslich im Alpenraum und im Juragebirge vor.  

Woran Sie Giftschlangen erkennen können

Die Unterschiede zwischen den giftigen und ungiftigen Schlangen der Schweiz zeigen sich vor allem am Kopf, wie der Experte der Koordinationsstelle erklärt. Kreuzotter und Aspisviper besitzen eine Spaltpupille, die ungiftigen Nattern dagegen eine runde. Verschieden ist zudem die Beschuppung des Kopfes – wie die Pupillenform sind diese Merkmale aus der Distanz aber nicht sicher erkennbar.

«Die Färbung und Zeichnung vieler Schlangen ist zudem äusserst variabel, von giftigen wie auch ungiftigen Arten existieren auch sogenannte Schwärzlinge. Vorsicht ist deshalb grundsätzlich jeder Schlange gegenüber geboten.» In vielen Kreuzotter- und Aspisviperpopulationen finden sich regelmässig ganz oder beinahe schwarzgefärbte Tiere. Auch einige ungiftige Arten neigendazu, solche Schwärzlinge auszubilden.

Ein einfacher Tipp, wenn Sie eine Schlange aus der Distanz sehen und nicht wissen, ob sie giftig ist: Alle einheimischen Schlangen mit einer Gesamtlänge von über 90 Zentimeter sind mit Sicherheit harmlos. Aspisviper und Kreuzotter bleiben in jedem Fall kleiner.

Berüchtigte invasive Tierarten

  • Die berüchtigsten Neozoen: Tigermücke
  • Die berüchtigsten Neozoen: Asiatische Hornisse
  • Die berüchtigsten Neozoen
  • Deu BW Buchsbaumzuensler Kahlfrass

Verhaltensregeln beim Wandern und im Garten

- In unübersichtlichem Gelände nie barfuss gehen, sondern gutes Schuhwerk und lange Hosen tragen (auch Kinder).

- Kleinkinder nicht an unübersichtlichen Orten spielen lassen und ihnen die Gefahr erklären, die eine Schlange bei falschem Verhalten – etwa wenn man sie reizt – darstellen kann.

- Schlange nicht anfassen oder belästigen, aber aufmerksam machen und ihr die Gelegenheit zur Flucht ermöglichen. Bleibt sie trotzdem liegen, ruhig in etwa 2 m Abstand vorbeigehen.

- Rastplatz vor der Benutzung auf Schlangen hin absuchen.

- Nicht in Gebüsch und Gestrüpp greifen. Beeren- und Pilzsammler klopfen unübersichtliches Gebüsch erst mit einem Stock ab, um allfällig anwesende Schlangen zur Flucht zu veranlassen.

- Vorsicht bei Handgriffen an unübersichtlichen Stellen, z.B. Holzstössen, Trockenmauern oder Steinhaufen.

- Beim Aufheben von Steinen, Brettern oder ähnlichem darauf achten, dass sich darunter Schlangen verstecken könnten.

- Schlafen Sie in schlangenreichen Gebieten nicht ungeschützt draussen auf dem Boden, sondern in einem Zelt oder auf einem Feldbett.

- Nächtliches Holzsammeln nur mit Taschenlampe.

- Wer Schlangen ums Haus hat, beseitigt Versteckmöglichkeiten und macht das Gelände übersichtlich: Gras kurz halten, Gestrüpp, Laub- und Steinhaufen, herumliegende Bretter, Blech- und Eternitplatten entfernen. Holzstösse wenn möglich im Schatten anlegen, da Schlangen von der Sonne erwärmte Stellen als Schlupfwinkel bevorzugen.

Anzeige
In Sekunden überspringen
noch Sekunden
Überspringen

Auf keinen Fall töten oder entfernen

In der Schweiz stehen schon seit 1967 alle Amphibien und Reptilien unter Schutz. Deshalb darf ein Gartenbesitzer eine Schlange auf keinen Fall töten oder einfangen, auch wenn er sich von deren Besuch gestört fühlt. «Meist verschwinden die Schlangen von selbst wieder», weiss Meyer. Und falls nicht, so soll man unbedingt den kantonalen karch-Verantwortlichen informieren. Mit einer Fachperson findet man eine rasche Lösung zur Umsiedelung oder kann schauen, wie man den Garten unattraktiv für Schlangen macht.  

Da Reptilien und Amphibien laut Bundesgesetz unter Artenschutz stehen, kann jemand für das Entfernen ohne Bewilligung oder deren Tötung sowie für die Zerstörung der Brutstätten mit einer Busse bis zu 20'000 Franken bestraft werden.

Auch Roland Schuler von Pro Natura erklärt gegenüber «Bluewin»: «Reptilien und andere sensible Tiergruppen sind geschützt, weil sie selten und anfällig sind und deswegen unsere Rücksicht und den gesetzlichen Schutz brauchen, um überleben zu können. Es ist wichtig zu wissen, dass man bei geschützten Tieren Sorgfalt walten lässt und sie und ihre Lebensräume in Ruhe lässt.» Deshalb rät Schuler, sich zu freuen, wenn man eine Ringelnatter im Garten entdeckt: «Das ist ein faszinierender Anblick und die Schlange tut einem nichts.»

Bilder aus der Schweiz

  • SCHWEIZ GEWITTER OPENAIR GAMPEL
  • SUISSE CHAMPIONNATS DU MONDE SCRABBLE
  • Switzerland Barefoot Run
  • Drei Autos kollidiert - Fünf Autos kaputt
Tags:

Weitere Artikel

Anzeige
Bitte aktivieren Sie Javascript für die beste Browserfunktionalität