Brexit-Stichtag

500 Briten müssen Spanien zum Teil unter Tränen verlassen

phi

29.3.2021

epa05388111 An Union Jack (up) and a German national flag (down) wave in a beach of the village of Benalmadena, in Costa del Sol, southern Spain, 24 June 2016, one day after UK decided to leave the Europe Union. Some 50,000 British people reside in La Costa del Sol. EPA/JORGE ZAPATA
Britische (und deutsche) Flagge in Benalmadena an der Costa del Sol: 50'000 Briten leben allein in dieser spanischen Region.
Bild: Keystone

Briten, die in einem EU-Land leben und sich bis zum Stichtag am 31. März nicht registriert haben, droht eine Abschiebung. Ihre Wahlheimat in Spanien oder Frankreich müssen manche Expats nun räumen.

phi

29.3.2021

Am 31. März hört der Spass auf. Dann endet eine Frist für Britinnen und Briten, sich im EU-Ausland registrieren zu lassen. Manch einer hat es auch probiert, aber keine Niederlassungsbewilligung bekommen. Kurz vor Ostern droht nun einigen Bürgern des Vereinigten Königreiches die Abschiebung.

Die zweitgrösste Diaspora der Britinnen und Briten findet sich in Frankreich, doch das Gros der Expats lebt in Spanien: 285'000 von ihnen soll es auf der Iberischen Halbinsel geben. Am Ende dieser Woche werden es ein paar weniger sein – so wie Anthony Cook. «Der spanische Traum ist für mich vorbei», sagt der Mann, der sieben Jahre dort gelebt hat, dem Portal «Global247News».

Er erfülle die Anforderungen für eine Aufenthaltsbewilligung nicht. «Vorher war alles so einfach», denkt er vor seiner Rückkehr nach Cardiff. Nicht alle seine Landsleute wollen sich an die Gesetze halten. «Ich weiss von ein paar Typen, die bleiben werden und denken, dass sie nicht erwischt werden.» Doch Cook wolle kein Leben führen, bei dem er immer über die Schulter schauen müsse. 

Wer wird hier was bereuen?

Shaun Cromber und seine Frau gehören ebenfalls zu unfreiwilligen Insel-Rückkehrern: «Ja, ich habe für den EU-Austritt gestimmt, aber ich wusste nicht, dass es so weit kommen würde«, erklärt er. «Meine Frau liegt in Tränen.» Fünf Jahre habe das Paar an der Costa del Sol verbracht, doch ihr Antrag auf ein dauerhaftes Bleiberecht sei abgelehnt worden. «Ich glaube, die Spanier werden noch bereuen, uns rausgeworfen zu haben.»

epa08974381 Milton, a British national resident in Spain for 15 years, talks to the press in San Fulgencio, Alicante, Spain, 27 January 2021 (issued 30 January 2021). San Fulgencio is a small town in Alicante region where British nationals are a 50 per cent of the local residents and little change have they noticed in their daily lives. Only the delays and shortage of British products at supermarkets have affected their lives since the UK left the EU on 01 January 2021, dubbed 'Brexit'. EPA/MORELL
Ein Brite, der schon seit 15 Jahren in San Fulgencio bei Alicante lebt, im Gespräch mit der Presse.
KEYSTONE

Was hat es mit der Deadline am 31. März auf sich? Grossbritannien und die EU haben sich beim Brexit am 1. Januar auf eine Übergangsperiode von 90 Tagen geeinigt, die nun abläuft. Briten hatten in diesem Zeitraum die Möglichkeit, sich in «ihren» EU-Ländern anzumelden. Wer das unterlassen hat oder nicht akzeptiert worden ist, muss die EU am Stichtag verlassen.

Denn die Regel lautet: Nicht-EU-Bürger dürfen sich von 180 Tagen nur 90 Tage im Schengen-Raum aufhalten: Für alle, die seit Neujahr da sind, ist es Ende März vorbei mit dem Aufenthaltsrecht.

«Eine grosse Veränderung»

«Das ist eine grosse Veränderung für viele von euch», bekundet Kalba Meadows von der Organisation France Rights gegenüber «The Local», «gerade für jene, die eine Zweitwohnung [in Frankreich] haben und es gewohnt sind, länger als drei Monate am Stück [dort zu leben] – aber dank des Brexits ist das jetzt eine neue Realität für Briten.»

Sue Wilson von der Organisation Bremain in Spain ergänzt: «Die Uhr tickt, und immer noch gibt es Briten, die sich ganz bewusst überlegen, den Bogen zu überspannen. Sie stecken den Kopf in den Sand und nehmen an, wir werden anders als andere Drittstaaten behandelt, einfach nur weil wir britisch sind.»

Allein in Spanien stehen dieser Tage 500 Briten vor der unfreiwilligen Heimkehr in ihr Mutterland, schreibt der «Express». Wer nicht spurt, muss zwar nur in Ausnahmefällen mit einer harten Abschiebung rechnen, doch je nach Aufenthaltsland drohen Bussen – und wer dann wieder in den Schengen-Raum fahren will, könnte Probleme bei der Ausstellung neuer Einreiseformulare bekommen.