Abgeordnete wollen KommissionWas geschah auf der Epstein-Ranch in New Mexiko?
dpa
8.11.2025 - 20:02
Hier empfing der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Gäste: Die Zorro Ranch in einem abgelegenen Landstrich in New Mexiko.
KRQE/AP/Keystone (Archivbild)
Jahrelang beutete Jeffrey Epstein systematisch Minderjährige sexuell aus. Auch Jahre nach dem Tod des US-Finanziers liegt noch vieles im Dunkeln. Abgeordnete im Bundesstaat New Mexico wollen das ändern – dabei gerät eine abgelegene Ranch einmal mehr in den Fokus.
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DPA, Redaktion blue News
08.11.2025, 20:02
08.11.2025, 20:10
dpa
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Abgeordnete des Repräsentantenhauses von New Mexico wollen das Geschehen auf der weitläufigen Zorro-Ranch aufklären, wo der Sexualstrafträter Jeffrey Epstein Gäste empfing.
Opfer Epsteins hätten demnach angedeutet, dass sich dessen kriminelle Aktivitäten auch auf die Zorro-Ranch erstreckten.
Die Abgeordneten schlagen eine «Wahrheitskommission» vor, die Erkenntnisse gewinnen und dadurch helfen soll, Menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung vorzubeugen.
In der Affäre um die Machenschaften des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein rückt ein weiteres Mal eine abgelegene Ranch im US-Bundesstaat New Mexico in den Fokus. Der US-Finanzier, der jahrelang systematisch Minderjährige missbraucht und sexuell ausbeutet hatte, empfing auf dem Anwesen jahrelang Gäste.
Zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses von New Mexico wollen das Geschehen auf der weitläufigen Zorro-Ranch nun aufklären. Sie schlagen eine «Wahrheitskommission» vor, die Erkenntnisse gewinnen und dadurch helfen soll, Menschenhandel mit dem Zweck der sexuellen Ausbeutung vorzubeugen.
Die demokratische Abgeordnete Andrea Romero aus Santa Fe, der Hauptstadt New Mexicos, sagte, Opfer Epsteins hätten angedeutet, dass sich dessen kriminelle Aktivitäten auch auf die Zorro-Ranch erstreckt hätten. Das weitläufige Anwesen mit Villa und privater Landebahn liegt rund 60 Kilometer südlich von Santa Fe.
Marianna Anaya, die die Initiative mit einem vorgeschlagenen Budget von 2,5 Millionen Dollar zusammen mit ihrer Parteikollegin Romero einbrachte, erklärte, damit die Kommission die Arbeit aufnehmen könne, müsse die untere Kongresskammer zustimmen, wenn das Parlament im Januar wieder zusammentritt. Dann müsse ein überparteiliches Aufsichtsgremium mit vier Abgeordneten besetzt werden. Mit Ergebnissen sei frühestens in zwei Jahren zu rechnen.
Geschehen auf der Zorro-Ranch noch weitgehend unbekannt
Romero sagte am Donnerstag vor einem Abgeordnetenausschuss, bislang sei noch nicht genug über das bekannt, was sich dort abgespielt habe, damit der Bundesstaat Vorkehrungen gegen künftigen Missbrauch treffen könne. «Diese Kommission wird gezielt die Wahrheit darüber ans Licht bringen, was Behördenvertreter wussten, warum Verbrechen nicht oder nur unzureichend gemeldet wurden und wie der Staat sicherstellen kann, dass so etwas nie wieder vorkommt.» Es gebe keine vollständige Dokumentation über das Geschehen.
Epstein war im Jahr 2019 tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden worden. Nach Angaben der US-Behörden beging er Suizid. Die Zorro-Ranch erwarb er im Jahr 1993 vom früheren Gouverneur Bruce King und baute das Anwesen aus. 2023 wurde es von der Nachlassverwaltung des Finanziers verkauft, der Erlös ging an Gläubiger.
Mehr als sechs Jahre nach seinem Tod erhitzt der Fall Epstein noch immer die Gemüter. Auch in der US-Hauptstadt Washington ist ein Parlamentsausschuss damit befasst, die Verbindungen des in der Oberschicht einst bestens vernetzten Straftäters zu durchleuchten. Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch US-Präsident Donald Trump.
Im Oktober kletterten die posthum erschienenen Memoiren von Virginia Giuffre, dem wohl prominentesten Opfer des Finanziers, an die Spitze der Amazon-Bestsellerliste. Dass sie darin Einzelheiten ihrer Begegnungen mit dem damaligen britischen Prinzen und Epstein-Freund Andrew Mountbatten Windsor beschrieb, dem sie vorwarf, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben, trug wohl entscheidend dazu bei, dass König Charles III. seinem Bruder zuletzt auch offiziell den mit der Geburt erworbenen Prinzentitel entzog.
Donald Trump dementiert Unterschrift auf Epstein-Brief: «Das ist nicht meine Sprache»
In einem Interview zu einem angeblichen Geburtstagsbrief an Jeffrey Epstein weist Donald Trump die Vorwürfe entschieden zurück. Er betont, die Unterschrift stamme nicht von ihm.
10.09.2025
Ermittlungen gegen Epstein in New Mexico – aber keine Anklage
In New Mexico war nie Anklage gegen Epstein erhoben worden, wenngleich die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats im Jahr seines Todes die Befragung mutmasslicher Opfer bestätigte, die die Ranch besucht hatten.
Generalstaatsanwalt Raúl Torrez ordnete im Jahr 2023 Ermittlungen zu von Epstein genutzten Finanzdienstleistern und ihren rechtlichen Verpflichtungen an. Dies führte zu Vereinbarungen mit zwei Banken, die 17 Millionen Dollar für die Bekämpfung des Menschenhandels vorsehen, wie Behördensprecherin Lauren Rodriguez bestätigte.
«Warum jetzt?»: Verhaltene Unterstützung für neue Untersuchung
Bei dem Termin am Donnerstag äusserten Abgeordnete beider Parteien verhaltene Unterstützung für den Vorschlag einer neuen Untersuchung, auch vor dem Hintergrund von Bedenken, dass die Gesetze in New Mexico es Epstein ermöglichten, sich trotz eines früheren einschlägigen Schuldspruchs in Florida – anders als dort – in New Mexico nicht als Sexualstraftäter zu registrieren.
«Ich sehe darin eine einmalige Chance, den Opfern zu helfen», sagte die republikanische Abgeordnete Andrea Reeb mit Blick auf die vorgeschlagene Wahrheitskommission. «Ich bin überzeugt, dass die Einwohner von New Mexico ein Recht darauf haben zu erfahren, was auf dieser Ranch geschehen ist. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass daraus eine grosse politische Angelegenheit werden würde.»
Ihre Parteikollegin Stefani Lord zeigte sich dagegen skeptisch. «Warum jetzt?», fragte sie mit Blick auf die Kontroverse um das Verhältnis Trumps zu Epstein. «Wieso nicht schon vor langer Zeit?»