Neubau statt Sanierung Berggänger wüten gegen Abriss der Cavardirashütte

toko

4.3.2025

Die Cavardirashütte wurde 1928 erbaut und wurde 1974 mit Anbauten versehen. 
Die Cavardirashütte wurde 1928 erbaut und wurde 1974 mit Anbauten versehen. 
Isjc99 / CC BY-SA 3.0

Streit im das Schicksal der Cavardirashütte in der oberen Surselva: Für rund 2,8 Millionen Franken soll ein Neubau entstehen. Befürworter einer Sanierung gefällt das gar nicht.

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der SAC will die fast 100 Jahre alte Cavardirashütte abreissen und neu bauen.
  • Das ursprüngliche Vorhaben einer Gesamtsanierung der Hütte hat jedoch weiterhin zahlreiche Anhänger.
  • Der Abriss jedoch ist beschlossene Sache. 2026 soll mit dem Neubau begonnen werden. Veranschlagte Kosten: 2,8 Millionen Franken.

Sie liegt auf 2649 Metern über Meer und wurde vor fast 100 Jahren erbaut: Die Cavardirashütte ob Disentis GR. Nun jedoch genügt sie nicht mehr den Ansprüchen junger Berggänger – und soll modernisiert werden. Um das Wie jedoch ist in der Sektion Winterthur des Schweizer Alpenclubs (SAC) ein grosser Streit entbrannt – mit einem Sieger: Die Befürworter eines Abrisses konnten sich durchsetzen, wie der «Landbote» berichtet.

Demnach soll von der alten Hütte in der oberen Surselva  nur noch das Fundament samt Kellergeschoss erhalten bleiben. Die Bauarbeiten sollen voraussichtlich 2026 starten, der SAC veranschlagt Kosten von rund 2,8 Millionen Franken

Die Pläne des Alpenclubs stossen jedoch auf wenig Gegenliebe bei den Traditionalisten, darunter zum Teil auch ehemalige Mitglieder des Hüttenteams. Sie lehnen den Neubau als unverhältnismässig ab. Ein entsprechender Antrag jedoch wurde auf der ausserordentlichen Versammlung der SAC-Sektion Winterthur Ende Januar abgelehnt.

Sanierungsanhänger scheitern

Die Gegner forderten als Alternative des Neubaus die Prüfung einer sanften Sanierung, erhielten mit 30 Ja- und 90 Nein-Stimmen aber keine Mehrheit. Dabei sollte die Hütte noch 2020 tatsächlich saniert werden. Der Vorstand in Winterthur hatte eine Gesamtsanierung beschlossen und einen Architekturwettbewerb lanciert – die Baukosten waren bereits bewilligt.

Doch als das Gebäude von Fachleuten eingängig untersucht wurde, stellte sich die Bausubstanz als Problem heraus. Die Kosten stiegen auf über 3,8 Millionen Franken an. Nun also doch der Abriss. 

Die Gegner des Projekts kritisierten die Pläne auf der Versammlung scharf – von «Ressourcenverdummung» war die Rede. So sei ein Abriss mit den damit verbundenen Helikopterflügen nicht nachhaltig und widerspreche den ökologischen Zielen des SAC. Immerhin will der Alpenclub seinen CO2-Ausstoss bis 2040 auf Netto Null senken. Bei einer sanften Sanierung hingegen wären laut deren Befürwortern keine Helikopterflüge notwendig.

Die Cavardirashütte von Westen.
Die Cavardirashütte von Westen.
Isjc99 / CC BY-SA 3.0

Sanierung stösst auf Hindernisse

Grundsätzlich werden die Hütten des SAC eher saniert, als neu gebaut. Doch das ist nicht immer möglich. Einer Sanierung stehen auch im Fall der Cavardirashütte Hindernisse entgegen, um die noch immer gestritten wird. So sei laut Hans Peter Boller, Winterthurer SAC-Vizepräsident, die tragende Holzständerkonstruktion durch Feuchtigkeit angegriffen worden. Diese zu sanieren, sei aufgrund der Baugesetze aber sehr aufwendig. «Wenn man nur einen Balken ersetzt, muss man die Statik des gesamten Dachs auf die aktuellen Normen anpassen», sagt Boller.

Das sieht Holzbauer Sepp Bissig aus Altdorf anders. Seine Firma baut seit über vierzig Jahren im Hochgebirge. Bissig kennt die Cavardirashütte gut und hat sie während der Vorprojekt-Phase untersucht. Auch er bezeichnet einen Abriss als «unverhältnismässig». Denn die Schäden an der Holzkonstruktion seien lediglich örtlich bedingt, jedoch nicht schwerwiegend. «Die Bausubstanz ist nach wie vor intakt, ein Umbau oder eine Sanierung des Bestands wäre gut machbar», sagt Bissig.

Der Projektleiter der Hüttensanierung Thury Senn kontert mit der Einschätzung eines Bauphysikers. Der sprach von einer «Fehlkonstruktion der Hütte». Somit könne man diese auch nicht ohne weiteres wieder aufbauen. Der Entscheid für den Neubau gehe laut Senn letztlich zurück auf «die Summe aller Mängel der bestehenden Hütte». Denn hinzu kommen demnach die schlecht belüfteten Schlafräume, die unzureichende Energieversorgung sowie Brandschutz und Sanitäranlagen.

Doch während noch immer argumentiert wird, werden die Pläne des SAC Wintertuhr immer konkreter. Bereits im März sollen die Mitglieder über das detaillierte Bauprojekt informiert werden, die Abstimmung über den Baukredit soll schliesslich an der Jahresversammlung im Herbst erfolgen. Der Baubeginn ist für 2026 geplant.