Inklusive Live-Stream Rettungsversuch von Wal Timmy zieht sich – Transport frühestens am Sonntag

dpa

18.4.2026 - 19:11

An Tag 3 des Rettungsversuchs einer privaten Initiative für den Buckelwal vor Poel herrscht reger Betrieb auf und vor der Insel. Detaillierte Infos sind aber rar. Wie weit kommt die Aktion heute?

DPA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Heute läuft der dritte Tag einer Rettungsaktion für den Ostseewal Timmy, die privat finanziert ist – siehe auch Live-Stream ganz oben.
  • Einen Zeitplan für das Unterfangen gibt es nicht. Die Behörden sichern den Einsatz ab.
  • Wissenschaftler*innen bezweifeln, dass der Wal überleben wird.

Update 19.11 Uhr: Der Meeressäuger sei «freigespült» worden, sagte die Tierärztin Janine Bahr van Gemmert auf der Insel Föhr. Er werde aber «heute nicht mehr transportiert».

Von einem Schwimmbagger aus wurde laut Bahr van Gemmert mit Hilfe einer Pumpe der Sand unter dem Meeressäuger weggespült, um das Tier anschliessend anheben und abschleppen zu können. Eigentlich hätte der Abtransport des Wals in Richtung Nordsee bereits am Freitag beginnen sollen. Nähere Angaben zum geplanten weiteren Ablauf der Rettungsaktion wollte die Tierärztin vor Journalisten nicht machen.

Der Wal lag am Samstagnachmittag mit Tüchern bedeckt im hüfthohen Wasser vor der Insel Poel, wie auf Livestreams zu sehen war. Immer wieder stieg seine ausgeatmete Atemluft hoch. Mit einigen Metern Abstand arbeiteten Helfer an dem Schwimmbagger, dabei kamen nach NDR-Informationen auch Taucher zum Einsatz.

Update 16.26 Uhr: Nach Informationen der «Bild» kam es zuletzt immer wieder zu Verzögerungen bei der Rettungsaktion, weil offenbar Genehmigungen gefehlt haben. Planänderungen müssen zuerst von den Behörden eingeholt werden.

Am Nachmittag befanden sich wieder Helfer in der Nähe des Wals. Eine schwimmende Arbeitsplattform näherte sich teils ein Stück dem Wal an, blieb aber noch auf einigem Abstand. Der Greifarm des Baggers bewegte sich. Am Nachmittag wurde eine Art grosser Schlauch ins Wasser gelassen, Lärm war zu hören und Wasser wurde aufgewirbelt. Offenbar handelt es sich um probeweise Spülungen. Nach früheren Angaben soll im Bereich des Wals weggespült werden, um diesen dann mit Luftkissen anzuheben.

Zwischenzeitlich sind Taucher zu Timmy abgetaucht, um sein Maul zu untersuchen. Die Retter vermuten, dass sich ein Netz oder ein Haken im Maul des Wals befinden könnte. Einem dpa-Fotografen zufolge waren die Helfer am Nachmittag am Maul des Tieres beschäftigt. Ein «Bild»-Reporter berichtet, dass ein Gegenstand von Timmys Maul entfernt worden sei. Noch ist unklar, um was für ein Objekt es sich dabei handelt.

Update 13.42 Uhr: Die Initiatoren für den derzeit laufenden Wal-Rettungsversuch vor Poel können nach eigener Aussage aktuell keine detaillierten Angaben zum Fortschritt machen – auch damit das Team in Ruhe arbeiten kann.

«Es läuft eigentlich so weit ganz gut», sagte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur. Er könne nicht ständig vor Ort anrufen, um nicht zu viel Unruhe in die Aktion zu bringen, so Gunz.

Walter-Mommert sagte der dpa: «Glauben Sie mir, wir müssen unserem Team im Moment den Rücken freihalten, damit die in Ruhe arbeiten können.» Sie verwies auf nach ihrer Aussage aufwendige Abstimmungen mit den zuständigen Behörden.

Das sorge intern für viel Arbeit. So müsse etwa das Aufbringen von Tüchern mit Zinksalbe gegen die Hautprobleme des Wals jeden Tag neu beantragt und genehmigt werden.


Am dritten Tag eines privat organisierten Rettungsversuchs für den vor Poel gestrandeten Buckelwal Timmy gehen die Arbeiten auf und vor der Insel weiter.

Zwischen dem nahegelegenen Hafen in Kirchdorf und einer Arbeitsplattform auf dem Wasser pendelten am Samstagmorgen Arbeiter per Boot hin und her und brachten unter anderem Taucherequipment ins Einsatzgebiet. 

Am Morgen waren schon Behördenmitarbeiter mit Ferngläsern ausgestattet auf einem Polizeiboot in die Nähe des Wals gefahren, um die Rettungsaktion zu beobachten. Dabei ankerte das Polizeiboot nach Aussage eines Sprechers der Wasserschutzpolizei in einiger Entfernung.

Per mitgeführtem Schlauchboot könne man gegebenenfalls noch dichter an das Tier fahren. Am Vormittag lag der Buckelwal wieder eher ruhig in der Bucht. In regelmässigen Abständen war seine Atmung anhand der Wasserfontänen zu beobachten. Am Vortag hatte das Tier zeitweise stark mit der Schwanz- und den Brustflossen geschlagen und sich leicht hin und her gedreht. 

Auch DLRG mit Schlauchbooten vor Ort

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) war schon am gestern Abend mit einem grösseren Aufgebot nach Kirchdorf gekommen, nach Aussage eines Mitglieds, um gegebenenfalls Unterstützung zu leisten. Details nannte er nicht. Heute Vormittag begann die DLRG damit, Schlauchboote zu Wasser zu lassen.

Die private Rettungsinitiative selbst hält sich unterdessen bedeckt. Die beteiligte Tierärztin für Kleintiere und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, Janine Bahr-van Gemmert, verwies mehrfach auf ein geplantes Pressestatement. Wann und wie dieses gegeben werden soll, blieb unterdessen offen.

Nach früheren Angaben sollte zunächst Schlick im Bereich des Wals weggespült werden, um diesen dann mit Luftkissen anzuheben. Unter den Wal sollte dann eine zwischen Pontons – also schwimmende Plattformen –befestigte Plane geführt werden, mit der er angehoben werden soll. 

Etliche Fachleute: Heimreise des Wals unmöglich

Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise nicht schaffen werde.

Im Hafen von Kirchdorf waren heute Morgen zunächst kaum Schaulustige. Ali T. aus Hannover war aber schon in der Frühe vor Ort. «Ich habe das im Fernsehen gesehen, und ich finde das irgendwie spektakulär», sagt der 38-Jährige. Er sei schon in der Nacht zum gestrigen Freitag angereist und habe eine mehrstündige Autofahrt auf sich genommen. «Mit Ladestopps und so weiter so fünf Stunden», sagt der E-Autofahrer.

Ali ist extra fünf Stunden aus Hannover auf die Insel Poel gefahren, um den dort gestrandeten Wal zu sehen
Ali ist extra fünf Stunden aus Hannover auf die Insel Poel gefahren, um den dort gestrandeten Wal zu sehen
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Bis Sonntag wolle er bleiben. «Montag muss ich wieder zur Arbeit», sagt er. «Was mich fasziniert, ist, dass der Wal eigentlich schon totgeglaubt wurde und dass jetzt noch was passiert.» Er hoffe, dass es dem Rettungsteam gelinge, den Wal ins offene Meer zu transportieren.

Wie schon die vergangenen Tage stehen auch in der Nähe des Ortes Weitendorf-Hof Schaulustige hinter der eingerichteten Absperrung. Von dort ist der Wal besser zu sehen als vom Hafen in Kirchdorf.