Eltern verweigern SpritzeBabys bezahlen rechte Stimmungsmache in den USA mit dem Tod
Julian Weinberger
18.5.2026
Immer weniger Babys erhalten in den USA eine Injektion mit Vitamin K. (Symbolbild)
Bild: sda
Vermeintliche Social-Media-Experten und Impfgegner aus dem rechten Spektrum bringen die Vitamin-K-Spritze für Neugeborene in den USA in Misskredit. Während Gesundheitsminister Kennedy schweigt, sterben in der ganzen Nation Babys.
Babys nach der Geburt eine Vitamin-K-Spritze zu verabreichen, gehörte in den USA über Jahrzehnte zum medizinischen Standard.
Doch zunehmend sehen Eltern davon ab, ihren Neugeborenen die Injektionen geben zu lassen.
Zu dieser Skepsis trägt auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy bei, der ein Bekenntnis zur Sicherheit der Spritze verweigert – trotz Empfehlung der WHO.
Eine Injektion von Vitamin K für Neugeborene gehört in den USA seit Jahrzehnten zum Standardprogramm direkt nach der Geburt. Damit wird lebensbedrohlichen Vitamin-K-Mangelblutungen (VKDB) im Gehirn oder Darm vorgebeugt. Doch die bewährte Praxis wird zunehmend angezweifelt – mit tödlichen Folgen für die Babys.
Laut Recherchen des Portals «ProPublica» steigt die Zahl verstorbener Neugeborener aufgrund von Symptomen von VKDB seit geraumer Zeit stark an. Dabei wären die inneren Blutungen mit einer Injektion von Vitamin K in vielen Fällen vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kam «ProPublica» nach der Auswertung von Hunderten medizinischen Unterlagen, Autopsieberichten und Gerichtsdokumenten.
Eine genaue Bezifferung der Todesfälle ist nur schwer möglich, denn aktuell gibt es keine staatliche oder bundesstaatliche Erfassung. Fest steht aber: 2024 erhielten fünf Prozent der Neugeborenen keine Vitamin-K-Injektion. Seit 2017 bedeutet das einen Anstieg von 77 Prozent. In einigen US-Spitälern hat sich die Ablehnungsquote sogar mehr als verdoppelt.
Dabei haben Babys, die keine Spritze erhalten, ein 81-mal höheres Risiko, eine Vitamin-K-Mangelblutung zu entwickeln. Die Zahl ermittelte das Center for Disease Control and Prevention (CDC).
Influencer der MAGA-Bewegung befeuern Impfskepsis
Doch warum verzichten Eltern zunehmend auf die Vitamin-K-Spritze? Sowohl aus dem politisch rechten Lager als auch bei Influencern in den sozialen Medien, die der MAGA-Bewegung von Präsident Donald Trump angehören, werden Zweifel an der Wirksamkeit der Vitamin-K-Spritzen gesät.
Selbst ernannte Experten verteilen auf Social-Media-Plattformen Ratschläge. Ohne wissenschaftlichen Hintergrund verdrehen sie Fakten und benutzen medizinische Fachbegriffe falsch. Glaubt man ihrem Narrativ, sei die Vitamin-K-Gabe gar gefährlich und könne gesundheitliche Konsequenzen für die Babys nach sich ziehen.
Obwohl die Behauptungen jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren, trauen viele Eltern alternativen Gesundheitsforen mittlerweile mehr als dem Rat von medizinischem Fachpersonal.
Ein politisches Signal gegen die Desinformation und die Misstrauenskampagnen in den sozialen Medien sucht man allerdings vergeblich: Vonseiten des Gesundheitsministeriums fehlt jede Art von Einordnung. «Ich habe nie, buchstäblich nie, etwas dazu gesagt», bestätigte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy bei einer Anhörung eines Unterausschusses des Repräsentantenhauses Ende April.
«Sie sagen nichts dazu, aber die Zweifel, die Sie an der gesamten Medizin und Wissenschaft gesät haben, verleiten Eltern zu gefährlichen Entscheidungen», verurteilte Demokratin Kim Schrier Kennedys Schweigen scharf. Anders als Kennedy sprechen nicht nur führende US-Gesundheitsinstitutionen, sondern auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung für die Injektion von Vitamin K aus.
Rückläufiger Trend auch bei Kinderimpfungen sichtbar
Gemäss CNN gehört die Vitamin-K-Spritze zum medizinischen Standard in der Geburtsmedizin, neben einer antibiotischen Augensalbe und der Hepatitis-B-Impfung. Doch auch Letztere gerät zunehmend in Zweifel: Im vergangenen Dezember rückte gar das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) im US-Bundesstaat Georgia von einer Empfehlung ab.
Dieser Trend spiegelt eine generelle Skepsis gegenüber Impfstoffen wider. Besonders aktiv wird dieses Narrativ von Impfgegnern befeuert, die seit der Corona-Pandemie massiv an Zulauf gewonnen haben. Analog zur Entwicklung bei den Vitamin-K-Spritzen und der Hepatitis-B-Impfung gerieten auch andere Kinderimpfungen in Misskredit: Gegen Masern und Keuchhusten werden seit der Pandemie weniger Kinder in den USA geimpft als zuvor.
Florida will Impfpflicht kippen – auch für Schulkinder
Nach offiziellen Daten sind die Impfquoten für mehrere Krankheiten wie Masern, Diphtherie und Polio bei Kindergartenkindern in den USA im Schuljahr 2024/25 im Vergleich zum Vorjahr gesunken.